Samstag, 17. Januar 2026

Der Mensch aus Staub und Geist

 

(Bildquelle)

„Und die Götter gestalteten den Menschen aus dem Staub des Erdbodens und nahmen seinen Geist (nämlich den Geist des Menschen) und taten ihn in ihn und hauchten in seine Nasenlöcher den Lebenshauch, und der Mensch wurde eine lebende Seele“ (Abraham 5:7). 

„Und Adam gab allem Vieh und den Vögeln der Luft und jedem Tier des Feldes Namen; und für Adam, da wurde eine Hilfe gefunden, ihm ebenbürtig.“ (Abraham 5:21). 

Berufung zur Gemeinschaft, Ebenbürtigkeit und Ruhe (Abraham 5 und Genesis 2) 

Als die Götter – Elohim im Plural – den Menschen schufen, heißt es in Abraham 5:7, nahmen sie „den Staub des Erdbodens“ und formten daraus einen Leib. Schon diese Formulierung lädt dazu ein, innezuhalten. Die Schöpfung des Menschen geschieht hier nicht als einsamer Akt eines isolierten Gottes, sondern als Werk eines himmlischen Rates. Die Götter beraten, planen, wirken gemeinsam – unter der Leitung des höchsten Gottes. Diese abrahamitische Perspektive eröffnet einen tiefen Blick in den Ursprung des Menschen: Er entsteht aus Gemeinschaft, aus Ordnung, aus Übereinstimmung göttlichen Willens. Die Schöpfung ist kein spontaner Augenblick, sondern ein wohlbedachter, heiliger Vorgang, getragen von göttlicher Einheit. 

In dieser göttlichen Gemeinschaft wird der Mensch gestaltet – und sein Leib bleibt nicht leer. Gott, gemeinsam mit jenen göttlichen Helfern, nimmt „seinen Geist – nämlich den Geist des Menschen – und tut ihn in ihn“ und haucht ihm den Lebenshauch ein. Der Mensch wird nicht erst im Moment seines irdischen Lebens zu dem, was er ist. Er bringt etwas mit: Geist, Identität, Herkunft. Der Leib aus Staub wird zum Wohnort eines vorirdischen Wesens, belebt durch den Atem Gottes selbst. So wird der Mensch zu einer lebendigen Seele (Abraham 5:7) – nicht durch bloße Materie, sondern durch göttliche Nähe. 

Es ist eine heilige Dreifalt von Wirklichkeiten: Staub, Geist und Atem. Der Staub steht hier nicht für Sterblichkeit, denn im Garten Eden gab es noch keinen Tod. Vielmehr verweist er auf die Verwurzelung des Menschen in der Schöpfung: ein realer, heiliger Leib, geschaffen aus der geordneten Welt Gottes, noch unvergänglich, noch ungetrennt vom Leben. Der Geist weist auf die vorirdische Existenz hin, auf Identität, Würde und göttlichen Ursprung. Und der Lebenshauch macht deutlich: Es ist Gottes eigene Gegenwart, die Geist und Körper verbindet und den Menschen zu einer lebendigen Seele werden lässt. Leben ist nicht autonom. Leben ist empfangen. Jeder Atemzug ist ein stilles Zeugnis göttlicher Nähe. 

Ein Mensch, der aus einem solchen göttlichen Miteinander hervorgeht und in sich Geist und Leib vereint, ist daher von seinem Ursprung her nicht zur Isolation bestimmt. Er trägt eine innere Ausrichtung auf Beziehung und Gemeinschaft in sich. Noch bevor Einsamkeit benannt wird, ist Gemeinschaft bereits angelegt. Noch bevor von Mann und Frau die Rede ist, ist der Mensch als relationales Wesen geschaffen – geformt aus göttlicher Zusammenarbeit, belebt durch göttliche Zuwendung. 

Weiter führt der Text in Abraham 5:15–16 zu einem der tiefsten Geheimnisse menschlicher Gemeinschaft. Adam fällt in einen tiefen Schlaf, und aus seiner Seite formen die Götter die Frau. Dieses Bild ist nicht Anatomie, sondern Theologie. Die Frau stammt nicht aus Adams Kopf, um über ihm zu herrschen, und nicht aus seinen Füßen, um unter ihm zu stehen, sondern aus seiner Seite – nahe seinem Herzen, geschützt von seinem Arm, gleichwertig in Würde und Berufung. In dieser Geste wird sichtbar, was zuvor im Schöpfungsrat bereits angelegt war: Gemeinschaft ist kein Zusatz, sondern Wesensmerkmal des Menschen

Der Text macht deutlich, dass der Mensch allein nicht vollständig ist. Nicht aus Mangel, sondern aus Bestimmung. „Eine Hilfe, ihm ebenbürtig“ (Abraham 5:14) – dieses Wort beschreibt kein Gefälle, sondern ein Gegenüber. Hilfe bedeutet hier nicht Unterordnung, sondern Ergänzung, Stärkung, Resonanz. Ebenbürtig bedeutet: gleicher Geist, gleicher Ursprung, gleiche Würde. Mann und Frau sind nicht identisch, aber gleichwertig. Sie tragen denselben Atem, dieselbe göttliche Handschrift, dieselbe Berufung zur Gemeinschaft. 

So wird deutlich: Beziehung ist kein nachträglicher sozialer Rahmen, sondern eine geistliche Realität. Der Mensch erkennt sich selbst im Gegenüber. Gemeinschaft wird zum Ort, an dem göttliches Bild sichtbar wird. Wo der Mensch den anderen achtet, erkennt er etwas von Gott. Wo er den anderen verletzt, beschädigt er nicht nur Beziehung, sondern auch das Abbild, das Gott selbst gesetzt hat. 

In dieser Ordnung der Schöpfung – Staub und Geist, Gemeinschaft und Ebenbürtigkeit – fügt sich schließlich ein weiterer göttlicher Rhythmus ein: der Sabbat. Genesis 2:3 berichtet, dass Gott den siebten Tag segnete und heiligte, weil Er an ihm ruhte. Diese Ruhe ist kein Erschöpftsein. Gott ruht nicht, weil Er müde ist, sondern weil Sein Werk vollständig ist. Die Ruhe Gottes ist ein Verweilen, ein Anschauen, ein Genießen des Guten. Der Sabbat wird damit zu einem heiligen Raum, in dem Beziehung vertieft wird: zwischen Gott und Mensch, zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mensch und sich selbst. 

Der Sabbat erinnert den Menschen daran, dass sein Wert nicht aus Leistung entsteht, sondern aus Zugehörigkeit. Er lebt nicht, um zu produzieren, sondern um zu sein. In der Ruhe Gottes findet der Mensch zurück zu seinem Ursprung. Er tritt aus dem Getriebensein heraus und betritt den Raum der Gegenwart. Der Sabbat schützt den Menschen davor, sich selbst zu verlieren. Er ist ein Geschenk, kein Anspruch. Ein Zeichen göttlicher Nähe mitten im Rhythmus der Zeit. 

Und so verbinden sich Staub, Geist, Gemeinschaft und Ruhe zu einem einzigen großen Zeugnis: Wahres Leben entsteht dort, wo der Atem Gottes dich trägt, wo du dich von Ihm in Beziehung führen lässt und wo du lernst, in Seiner Ruhe zu wohnen. Du bist nicht zufällig hier. Du bist gestaltet, belebt, berufen und gesegnet.  

Geistliches Zeugnis 

Ich gebe Zeugnis, dass die Götter (Elohim) jeden Menschen mit göttlicher Absicht erschaffen haben — aus dem Staub der Erde, doch erfüllt von Seinem Geist. Ich weiß, dass Sein Atem heute noch Leben schenkt, Hoffnung entzündet und Herzen berührt. Ich habe erlebt, wie Er Menschen in echte, heilige Gemeinschaft führt, in der wir einander als Ebenbilder Gottes erkennen. Und ich weiß, dass Seine Sabbatruhe ein Geschenk ist, das unsere Seele erneuert und uns in Seine Nähe ruft. Wenn du dich Seinem Atem öffnest, Seiner Gemeinschaft vertraust und Seiner Ruhe Raum gibst, wirst du erfahren, dass Gott auch in deinem Leben Neues schafft, Heilung schenkt und dich Schritt für Schritt näher zu Seinem Licht führt.

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