Freitag, 16. Januar 2026

Die Zeit für Adam lag noch im Verborgenen

 

 

“Nun sah ich, Abraham, dass dies nach der Zeit des Herrn war, die nach der Zeit des Kolob ist; denn noch hatten die Götter Adam seine Zeitrechnung nicht bestimmt. (Abraham 5:13; siehe auch Abraham 3:2–4). 

Bevor Abraham von Sternen, Zeiten und göttlicher Ordnung spricht, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und eine grundlegende Frage zu stellen: Warum hat Gott uns nicht nur eine, sondern drei biblische Darstellungen der Schöpfung gegeben? Weil Gott nach dem ewigen Prinzip handelt, dass jede grundlegende Wahrheit durch “zwei oder drei Zeugen” (Matthäus 18:16) bestätigt wird, damit sie fest, glaubwürdig und geistig tragfähig wird. Die erste finden wir in Genesis — als grundlegendes Zeugnis des Anfangs. Die zweite, Mose 2–4, entstand, als Joseph Smith im Sommer 1830 begann, die Bibel durch Offenbarung neu zu übersetzen, und sie öffnet einen tieferen Blick auf den Fall, den Bund und die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Die dritte Darstellung schließlich begegnet uns in Abraham 3–5. Sie ist nicht bloße Wiederholung, sondern Erweiterung. Jede Version bekräftigt die Wahrheit der anderen, doch jede legt einen eigenen Schwerpunkt. Gerade Abrahams Bericht fügt etwas Einzigartiges hinzu: den Blick in den himmlischen Rat, die Ordnung der Intelligenzen, die Relativität von Zeit und die Nähe Gottes als ordnendes Prinzip der Schöpfung. Abraham schreibt diese Dinge nicht, um Chronologie zu erklären, sondern um zu offenbaren, wer Gott ist — und wer wir im Licht Seiner Ordnung sind. Erst vor diesem Hintergrund beginnen Sterne zu sprechen und Zeit erhält geistige Tiefe 

Die Ordnung der Himmel: Kolob, kosmische Nähe Gottes und die heilige Architektur des Universums (Abraham 35) 

Kolob wird so zum Brennpunkt eines geistigen Verständnisses. Nicht weil man ihn finden könnte, wenn man nur weit genug mit einem Teleskop blickt, sondern weil er zeigt, dass Gottes Ordnung immer von Seiner Gegenwart her gedacht wird. Von dort fließt Licht, Intelligenz, Macht und Liebe. Von dort gehen Zeiten aus, Maßstäbe, Rhythmen. Dort wird offenbar, dass „ein Tag beim Herrn“ nicht mit unseren Tagen vergleichbar ist — dass Zeit eine geistige Größe ist, die in Nähe oder Entfernung zu Gott gemessen wird, nicht in Umdrehungen einer sterblichen Sonne. Abraham erhält so einen Blick in das Herz der Schöpfung: Ein Universum, das nicht zufällig, sondern relational ist. Nicht mechanisch, sondern geistig. 

Aus dieser Erkenntnis leitet Abraham einen weiteren, tief bewegenden Gedanken ab: Die Erde selbst ist Teil dieser Ordnung. Sie war nicht immer in dem Zustand, wie wir sie heute kennen. In ihrer ersten Bestimmung, vor dem Fall, war sie näher an Gottes Licht, näher an Kolobs Ordnung, eingebettet in eine höhere Wirklichkeit. Die Schriften deuten an, dass ihre Erschaffung in einer „Nähe“ geschah, die ihre ursprüngliche Herrlichkeit widerspiegelte (Abraham 3:3). Sie war eine Welt des Friedens, des Gleichgewichts, der göttlichen Bestimmung — ein Ort, der noch nicht den Schleier der Sterblichkeit trug. 

Doch als Adam und Eva den Garten verließen, veränderte sich nicht nur ihre Beziehung zu Gott — die Erde selbst veränderte sich mit ihnen. Die Harmonie des Unvergänglichen wich den Gesetzen der Endlichkeit. Jahreszeiten begannen ihren Kreislauf; Tag und Nacht erhielten Gewicht; die Welt trat in jene Ordnung ein, in der Wachstum, Werden und Vergehen das Leben prägen. Eine kosmische Verschiebung geschah — nicht in Form eines astronomischen Ortswechsels, sondern als Übergang von einer höheren Existenzweise in eine niedrigere. Die Erde wurde zu einer sterblichen Welt, bestimmt für Erfahrungen, die nur in dieser Tiefe möglich sind: Entscheidungen, Freiheit, Verantwortung, Erlösung (Mose 3:17; Mose 4:23). 

Und doch blieb die göttliche Ordnung bestehen. Wo wir nur den Wechsel der Jahreszeiten sehen, sieht Gott ein Lehrbuch des Ewigen. Wo wir Tag und Nacht wahrnehmen, sieht Er Gelegenheiten, Licht und Dunkelheit im Herzen des Menschen zu unterscheiden. Die „Zeiten und Jahreszeiten“ (Abraham 3:4), die Abraham erkennt, sind nicht bloß astronomische Abläufe; sie sind geistliche Rhythmen. Gott formt die Welt so, dass sie den Menschen formt. Alles folgt einem heiligen Muster — und immer zeigt dieses Muster zurück zu Ihm. 

Wenn wir diese kosmische Architektur betrachten, wird uns bewusst, wie eng unsere Lebensreise mit der Ordnung des Himmels verwoben ist. Wir erkennen, dass wir in einer Welt leben, die nicht zufällig ist, sondern absichtlich so gestaltet wurde, dass sie uns Schritt für Schritt zurück zur Nähe Gottes führt (Wilford Woodruff, Orson Pratt lehrten: Die Erde wird bei ihrer Verklärung wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren — in die Gegenwart Gottes; „The Seer. 1853‑07: Vol 1 Iss 7“ „The Pre‑Existence and Future Destiny of the Earth“). Die Sterne lehren uns, dass höhere Herrlichkeit möglich ist. Die Erde lehrt uns, dass Veränderung notwendig ist. Kolob lehrt uns, dass Nähe zu Gott unser wahres Ziel bleibt. 

So wie Abraham die Ordnung der Himmel betrachtete und darin die Weisheit Gottes erkannte, können auch wir lernen, unser Leben im Licht dieser Ordnung auszurichten. Jeder Tag ist ein kleiner Zyklus der Schöpfung. Jede Entscheidung ist eine Bewegung näher zum göttlichen Zentrum oder weiter von ihm weg. Jede geistige Erfahrung ist ein Funken aus jenem Licht, das seit Anbeginn des Universums ruft: „Kehre heim zu mir.“ 

Und vielleicht — wenn wir uns innerlich still machen — hören auch wir dieses kosmische Echo. Ein Erinnern daran, dass auch wir einst in der Nähe Gottes standen. Dass unser Platz im Himmel nicht zufällig war. Dass in uns eine Intelligenz wohnt, die älter ist als die Sterne, und die denselben Ursprung hat wie das Licht, das Kolob trägt. Wir sind Teil dieser Ordnung. Wir gehören zu ihr. Und sie ruft uns wieder zu sich. 

In die Tiefe gehen kannst du gerne in diesen Quellen: 

Abraham 3 | Gospel DoctrineAbraham 4 | Gospel Doctrine; Abraham 5 | Gospel Doctrine 

Geistliches Zeugnis 

Ich gebe Zeugnis, dass Gottes Ordnung real ist — nicht nur als Struktur des Universums, sondern als Herzschlag unseres eigenen Lebens. Ich weiß, dass Licht von Ihm ausgeht und alles ordnet, was bereit ist, sich von Ihm leiten zu lassen. Ich habe erlebt, wie Er Zeiten und Jahreszeiten in meinem Leben gebraucht, um mich zu formen, mich zu rufen, mich näher zu ziehen. Ich weiß, dass wir nicht zufällig hier sind. Wir stammen aus Seinem Licht, wir leben unter Seiner Fürsorge, und wir bewegen uns auf Seine Gegenwart zu. Möge Sein Licht in deinem Leben Ordnung schaffen, Mut schenken und dich Schritt für Schritt näher zu Ihm führen.

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