Mittwoch, 14. Januar 2026

Ebenbild Gottes

 

(Bildquelle)

“Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.” (Genesis 1:26–27Mose 2:26–27Abraham 4:26–27). 

Deine göttliche Identität und Berufung  

Am sechsten Tag der Schöpfung, als das Licht bereits seinen Platz gefunden hatte, die Wasser voneinander geschieden waren und die Erde ihr grünes Kleid trug, geschah etwas, das den gesamten Lauf der Ewigkeit verändern sollte. Die Heilige Schrift beschreibt diesen Moment mit einer einfachen, aber unendlich tiefen Aussage: „die Götter hielten miteinander Rat und sprachen: Lasst uns hinabgehen und den Menschen gestalten als unser Abbild, uns selbst ähnlich;“ (Abraham 4:26). In diesen wenigen Worten liegt eine Wahrheit verborgen, die groß genug ist, um jedes Herz zu verwandeln, jedes verzerrte Selbstbild zurechtzurücken und jede verlorene Seele neu zu orientieren. Denn es besagt, dass dein Ursprung nicht im Zufall liegt, nicht in blinder kosmischer Bewegung und nicht in der Laune der Natur — sondern im bewussten, liebevollen Willen eines persönlichen, vollkommenen Gottes. 

Wenn du dir diesen Satz wirklich zu Herzen nimmst, beginnt sich etwas zu verschieben. Die Frage „Wer bin ich?“ verliert plötzlich ihre Unruhe, denn sie wird durch etwas Größeres beantwortet: „Ich bin Gottes Ebenbild.“ Die Schöpfungsgeschichte führt uns nicht nur in die Vergangenheit, sondern in die Wahrheit über uns selbst. Sie öffnet einen Blick dafür, dass im Menschen etwas von der Herrlichkeit, Weisheit und Güte Gottes ruht. Nicht als vollendete Kopie, aber als Spiegelung, als Same, als Keim der Ewigkeit. 

Die heiligen Texte aus Genesis, Mose und Abraham stimmen überein und betonen mit bemerkenswerter Klarheit, dass die Erschaffung des Menschen nicht einfach der letzte Punkt auf einer langen Liste göttlicher Werke war. Es war der Höhepunkt, der Moment, der alles zuvor Geschaffene miteinander verband und ihm Sinn gab. Licht, Erde, Pflanzen, Tiere — all dies bereitete eine Wohnstätte vor, eine Bühne für ein Geschöpf, das mehr tragen sollte als reine Instinkte oder physische Kraft. Der Mensch sollte Träger des göttlichen Abbildes sein. Er sollte derjenige sein, der Gottes Gedanken denken, Gottes Liebe empfangen und weitergeben, Gottes Werk mitvollbringen und Gottes Gegenwart widerspiegeln konnte. 

Dieses Abbild ist keine äußere Form allein, sondern eine innere Bestimmung. Es beschreibt nicht nur die Gestalt des Körpers, sondern vor allem die Tiefe des Geistes und des Wesens. Wenn die Schrift davon spricht, dass Gott Geist ist, meint sie Sein heiliges, vollkommen verherrlichtes Wesen — nicht die Abwesenheit eines Leibes. Und weil wir nach Seinem Bild geschaffen sind, trägt jeder Mensch — unabhängig von Herkunft, Fähigkeiten oder Lebensgeschichte — jene geistige und ewige Prägung in sich, die ihn befähigt, Gott zu erkennen, Seine Stimme zu vernehmen und Ihm ähnlicher zu werden. Diese Wahrheit ist zugleich eine Einladung und ein Auftrag: zu wachsen, zu reifen, sich verwandeln zu lassen, zu lernen, zu dienen und zu lieben. 

Wenn du beginnst, dich selbst so zu sehen, verändert das den Blick auf alles. Du erkennst, dass du nicht definiert bist durch die Fehler deiner Vergangenheit, durch die Schwächen, die du immer wieder spürst, oder durch die Stimmen, die dich kleinreden. Die göttliche Identität liegt tiefer als all das und bleibt bestehen, selbst wenn du sie vergisst oder vernachlässigst. Sie ist wie ein unzerstörbares Siegel, das Gott selbst in deine Seele geprägt hat. Sie ist das, was dich ruft, wenn du dich verloren fühlst; sie ist das, was dich aufrichtet, wenn du zu fallen drohst; sie ist das, was dich auf den Weg zurückführt, wenn du meinst, zu weit entfernt zu sein. 

Doch das Ebenbild Gottes zu tragen bedeutet nicht nur Würde — es bedeutet auch Verantwortung. Gott setzte den Menschen in die Welt, „damit er herrsche“, nicht als Tyrann, sondern als Treuhänder. Herrschen heißt hier: schützen, pflegen, ordnen, achten, aufbauen. Es ist das Gegenbild zu Zerstörung, Gleichgültigkeit oder Ausbeutung. Wer im Ebenbild Gottes lebt, erkennt, dass Macht immer Dienst ist, dass Führung immer Fürsorge ist und dass wahre Größe immer mit Hingabe einhergeht. So wie Gott Schöpfer und Erhalter ist, so ist der Mensch eingeladen, schöpferisch und sorgend zu handeln — in seinen Beziehungen, in seiner Arbeit, in seiner Gemeinschaft, in seinem Umgang mit der Welt. 

Gleichzeitig offenbart dieses Ebenbild auch das ewige Potenzial des Menschen. Die Schöpfungsgeschichte ist nicht nur ein Bericht über das, was war, sondern eine Verheißung dessen, was werden kann. Wenn Gott sagt: „Lasset uns Menschen machen in unserem Bild“, beschreibt Er nicht nur ihre ursprüngliche Beschaffenheit, sondern auch ihre Zukunft. Das Bild Gottes ist der Ausgangspunkt — doch das Gleichnis Gottes ist das Ziel. Die Schrift deutet an, dass wir nicht nur zu etwas geschaffen wurden, sondern zu jemandem: einem Kind Gottes, das fähig ist, in Seiner Gegenwart zu bestehen, an Seinem Werk teilzuhaben und Seiner Herrlichkeit ähnlich zu werden. 

Wer sich dieser Wahrheit bewusst wird, beginnt, sein Leben anders zu gestalten. Entscheidungen werden klarer, weil sie nicht mehr nur nach unmittelbarem Vorteil bewertet werden, sondern nach ihrer Nähe zu Gottes Willen. Beziehungen werden wertvoller, weil man im anderen ebenfalls das Ebenbild Gottes erkennt — selbst dort, wo es verdeckt oder verletzt ist. Der Dienst am Nächsten wird nicht zu einer Last, sondern zu einer Entfaltung der eigenen göttlichen Natur. Und selbst Prüfungen, Schwächen und Brüche verlieren ihre Bedrohlichkeit, weil sie nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort hat Gott — und Sein Wort über dich lautet: „Du bist mein.“ 

Vielleicht hast du Zeiten erlebt, in denen du dieses Bild in dir kaum erkennen konntest. Zeiten, in denen du dachtest, du würdest der Erwartung Gottes niemals entsprechen. Doch die Wahrheit ist: Du sollst nicht aus eigener Kraft werden, was Gott in dich gelegt hat. Du sollst mit Ihm wachsen. Sein Abbild ist nicht ein Maßstab, an dem du scheiterst, sondern ein Geschenk, das du entfalten darfst. Gott fordert nicht Perfektion — Er bietet Verwandlung. Und diese beginnt immer dort, wo du Ihm erlaubst, in dein Inneres zu sprechen und dein Selbstbild zu erneuern. 

Wenn du das Ebenbild Gottes in dir erkennst, erkennst du gleichzeitig die Möglichkeit der Nähe zu Ihm. Denn Gleiches zieht Gleiches an. Der Geist Gottes spricht zu deinem Geist. Die Liebe Gottes begegnet deiner Fähigkeit zu lieben. Die Weisheit Gottes ruft nach deiner Bereitschaft, zu hören. Diese Verbindung ist kein ferner Idealzustand, sondern eine tägliche, stille Wirklichkeit. In jedem Gebet, in jeder Handlung der Güte, in jedem Schritt des Glaubens spiegelt sich etwas von Gott in dir und etwas von dir in Gott. 

Deine Identität im Ebenbild Gottes ist also nicht nur ein theologischer Satz — sie ist der Schlüssel zu einem neuen Leben. Ein Leben, das nicht durch Angst, Vergleich oder Leistung definiert ist, sondern durch Würde, Bestimmung und Beziehung. Ein Leben, das dich befähigt, in einer Welt voller Verwirrung eine klare Stimme zu sein. Ein Leben, das dich ruft, mutig zu werden, mitfühlend zu handeln und verlässlich zu dienen. Ein Leben, das sich öffnet für die Ewigkeit, weil es weiß, woher es kommt und wohin es geht. 

Und vielleicht verändert sich dein Blick auf dich selbst genau dann, wenn du beginnst, nicht mehr zu fragen: „Bin ich genug?“ — sondern: „Wem gehöre ich?“ Wenn die Antwort lautet: „Ich gehöre zu Gott“, dann beginnt dein Herz, sich selbst in einem neuen Licht zu sehen. Und dieses Licht kommt nicht aus dir selbst — es kommt von dem, dessen Ebenbild du trägst. 

Geistliches Zeugnis 

Ich gebe Zeugnis, dass jeder Mensch, der auf diese Erde kommt, ein Träger des göttlichen Abbildes ist — ein Kind Gottes, geboren aus Seiner Liebe und bestimmt für Seine Herrlichkeit. Ich weiß, dass diese Identität tiefer reicht als jede Schwäche und stärker ist als jede Dunkelheit. Gott hat mich selbst gelehrt, mich nicht durch meine Unvollkommenheiten zu definieren, sondern durch Seine Verheißung. Ich habe erlebt, wie Er mein Herz erneuert, mein Denken richtet und mir zeigt, dass Seine Hand über meinem Leben ist. Und ich weiß: Wenn du beginnst, in dir selbst das Ebenbild Gottes zu erkennen, wird Er auch dich verwandeln — Schritt für Schritt, Tag für Tag, bis Sein Licht in dir aufleuchtet und du erkennst, wer du in Wahrheit bist.

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