Donnerstag, 8. Januar 2026

Der große Rat im Himmel

 

Der große Rat im Himmel 

„Abraham, du bist einer von ihnen; du wurdest erwählt, ehe du geboren wurdest.“ (Abraham 3:23

Vorherbestimmung, Erwählung und Entscheidungsfreiheit (Abraham 3:22–28) 

Es gibt Texte in der heiligen Schrift, die uns nicht nur informieren, sondern uns an unsere tiefste Herkunft erinnern. Abraham 3:22–28 ist ein solcher Text. Hier öffnet Gott den Vorhang der Ewigkeit und lässt Abraham – und uns – in jene Welt blicken, in der unsere Geschichte begann: den vorirdischen Rat im Himmel

Wir entdecken dort nicht nur unsere Herkunft als Kinder eines ewigen Vaters, sondern auch unseren Auftrag und den Grund, weshalb wir auf der Erde leben. In diesen wenigen Versen liegen Identität, Berufung und Bestimmung verborgen. Doch sie sprechen nicht nur zu unserem Verstand; sie sprechen zu unserem Geist, der die Wahrheit erkennt, weil er sie einst kannte. 

1. Erwählt, ehe man geboren wurde (Vers 23) 

Abraham, du bist einer von ihnen; du wurdest erwählt, ehe du geboren wurdest.“ 

Was bedeutet es, schon vor der Geburt erwählt zu sein? 
Es heißt nicht, dass Gott manche bevorzugt und andere vernachlässigt. Vielmehr bedeutet es, dass Gott uns kannte – mit all unseren Fähigkeiten, unserer Bereitschaft und unserem Herzen. Die Erwählung ist weniger Auszeichnung als Auftrag. Gott sah die Seelen der „Edlen und Großen“, weil sie sich im vorirdischen Leben durch Treue, Rechtschaffenheit und Lernbereitschaft auszeichneten. 

Diese Lehre ist tief verwurzelt auch in der Bibel: 

  • Jeremia hörte Gottes Stimme: 
    „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.“ (Jeremia 1:5
  • Auch Paulus beschreibt unsere Erwählung „vor Grundlegung der Welt“ (Epheser 1:4). 

Erwählung bedeutet: Gott hat uns vertraut. Er sah in uns etwas, das Wert hat, etwas, das dienen kann, etwas, das trägt. Im Grunde erinnert uns Gott in Abraham 3 daran: 
Du bist kein Zufallsprodukt. Du bist ein Gedanke Gottes – und ein Plan Gottes. 

2. Der Eine, „der war wie Gott“ (Vers 24) 

Da stand einer unter ihnen, der war wie Gott…“ 

Wer ist dieser Eine? 
Die Offenbarungen der Letzten Tage machen es klar: Es ist Jesus Christus, der Erstgeborene im Geist, vollkommen eins mit dem Vater in Wille, Liebe und Geist. 

Er ist „wie Gott“, weil er schon vor der Geburt den Charakter, die Gesinnung und die Hingabe des Vaters vollständig verkörperte. Darum konnte Er sagen: 
Ich bin gekommen, um deinen Willen zu tun, o Gott. (Hebräer 10:7

Schon vor dieser Welt war Christus derjenige, der bereit war, herabzusteigen, um die Erde, die Menschen und den Heilsplan zu schaffen und auszuführen. Er war der Mittelpunkt des Großen Rates – derjenige, durch den alles Wirklichkeit werden würde. 

3. Der Zweck der Erde (Verse 25–26) 

Wir wollen sie hierdurch prüfen…“ 

Warum wurde die Erde geschaffen? 
Der Text nennt zwei zentrale Gründe: 

(1) Um uns zu prüfen 

Nicht im Sinn eines Examens, sondern im Sinn einer Reifung. 
Wir kamen auf die Erde, um Freiheit zu erleben – echte Freiheit, die Wahl zwischen Licht und Finsternis, zwischen Selbstsucht und Nächstenliebe, zwischen Eigenwille und Gottes Wille. 

Wie Lehi sagt: 
„denn es muss notwendigerweise so sein, dass es in allem einen Gegensatz gibt.“ (2 Nephi 2:11

(2) Um uns zu erhöhen 

Diejenigen, die ihren „ersten Stand“ bewahren – also treu in der vorirdischen Welt gewesen sind – sollten die Möglichkeit bekommen, durch den „zweiten Stand“ der Sterblichkeit, Herrlichkeit hinzugefügt zu bekommen. 

Das Evangelium ist kein Prüfungsraum, sondern ein Wachstumsraum. 

Die Erde ist ein Ort: 

  • der Erfahrungen, 
  • der Entscheidungen, 
  • des Glaubens, 
  • der Liebe, 
  • des Umkehrens, 
  • der Verbindung mit Christus. 

Gott schuf die Erde nicht, um uns zu beobachten, sondern um uns zu verwandeln

4. Wer meldete sich? (Vers 27) 

Hier bin ich, sende mich!“ 

Im Rat im Himmel standen zwei auf: 

  1. Der Erste, „wie des Menschen Sohn“ – Jesus Christus. 
    Sein Angebot war von Liebe getragen: 
    „Vater, dein Wille geschehe, und die Herrlichkeit sei dein.“ 
    Er war bereit, das Opfer zu bringen, den Weg zu öffnen und alle Menschen zum Vater zurückzuführen. 
  1. Der Zweite – Luzifer. 
    Er bot etwas scheinbar Einfaches an: 
    Er wollte die Entscheidungsfreiheit aufheben und damit jede Sünde und jeden Verlust unmöglich machen. 
    Doch sein Plan hätte uns um unsere Identität beraubt. Ohne Freiheit gäbe es keine Liebe, keine Erfahrung, kein Wachstum – und wir wären keine Kinder Gottes mehr, sondern Marionetten. 

Darum sagte Gott: 
„Ich werde den ersten senden.“ 

5. Weshalb der Zweite seinen ersten Stand nicht bewahrte (Vers 28) 

Der zweite wurde zornig und bewahrte sich seinen ersten Stand nicht…“ 

Der Fall Luzifers ist nicht nur ein kosmisches Ereignis; er ist eine Lehre über das Herz. 

Sein Zorn entsprang Stolz – dem Wunsch, die Herrlichkeit Gottes für sich zu nehmen. 
Der Vater der Lüge wollte nicht dienen, sondern herrschen. 
Er wollte nicht Gottes Willen tun, sondern seinen eigenen Willen durchsetzen. 

So brach er den ersten Stand, also seine Treue im vorirdischen Leben. Und viele folgten ihm, nicht weil sie böse waren, sondern weil sie sich täuschen ließen und Gottes Plan nicht vertrauten. 

Diese Wahrheit trägt ein stilles Echo in sich: 

Die wahre Prüfung des Lebens ist stets eine Herzensprüfung: 
Ob wir Gott vertrauen und Christus folgen – oder uns selbst. 

Die Botschaft für uns heute 

Diese Verse erinnern uns an drei ewige Wahrheiten: 

  1. Wir stammen aus der Gegenwart Gottes. 
    Unsere Seele hat eine Geschichte vor diesem Leben. 
  1. Wir haben eine vorirdische Berufung. 
    Gott hat uns vertraut, bevor wir etwas beweisen konnten. 
  1. Wir besitzen Entscheidungsfreiheit. 
    Freiheit ist ein göttliches Geschenk – und der entscheidende Ort, an dem wir Gottes Sohn ähnlich werden. 

Wenn wir verstehen, wer wir waren, verstehen wir auch, wer wir werden können. 

Persönliches geistliches Zeugnis 

Wenn ich über den Großen Rat im Himmel nachsinne, spüre ich eine leise, heilige Gewissheit: Ich stamme nicht aus Zufall, sondern aus der Liebe meines himmlischen Vaters. Ich glaube, dass jeder Mensch, der heute lebt, einst bewusst Ja sagte zu diesem Weg – zu diesem Leben, mit all seinem Licht und all seinen Herausforderungen. Ich weiß, dass Jesus Christus der Erste war, der sich meldete, und dass sein Opfer der Mittelpunkt des göttlichen Plans ist. Und ich weiß: Unsere Entscheidungsfreiheit ist ein Geschenk, das uns zu Kindern Gottes macht. Wenn wir uns für Christus entscheiden, kehren wir Schritt für Schritt zu unserer ewigen Heimat zurück. Darin liegt unsere Bestimmung. Und darin liegt unser Friede.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Die Berufung, die Welt zu sehen, wie Gott sie sieht

 

(Bildquelle

„Denn siehe, dies ist mein Werk und meine Herrlichkeit: die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.“ (Mose 1:39

Mose 1:24–39 

Einleitung: Wenn Gott einem Menschen die Augen öffnet 

Es gibt Momente in der Offenbarungsgeschichte, in denen Gott einem Menschen nicht nur Worte gibt, sondern eine neue Sicht der Wirklichkeit schenkt. Mose 1 ist ein solcher heiliger Moment. Mose wird „auf einen überaus hohen Berg“ gehoben, entrückt aus der gewöhnlichen Welt, hinein in das Licht der Gegenwart des Allmächtigen (siehe Mose 1:1). Dort zeigt Gott ihm nicht nur Informationen, sondern öffnet ihm das Herz für den göttlichen Blick — einen Blick voller Erbarmen, Macht und ewiger Absicht. 

Mose sieht, wer Gott ist. 
Er sieht, wer er selbst ist. 
Und er sieht, wozu Gott ihn berufen hat. 

In diesen Versen wird ein prophetisches Muster sichtbar: Gott offenbart zuerst seine eigene Herrlichkeit, dann den Menschen, und schließlich dessen Berufung. 
So lernt Mose — und mit ihm wir — die Welt zu sehen, wie Gott sie sieht. 

1. Die außerordentliche Macht, die Mose übertragen wird (Mose 1:25) 

Nachdem der Herr Mose erwählt hat, spricht er eine bemerkenswerte Zusage: 

„Gesegnet bist du, Mose, denn ich, der Allmächtige, habe dich erwählt, und du wirst stärker gemacht werden als viele Wasser, denn sie werden dein Gebot beachten, als seiest du Gott.“ 

Diese Worte sind gewaltig. „Viele Wasser“ sind in der Schrift Sinnbild chaotischer, überwältigender Macht — wie Ozeane, die alles verschlingen können. Gott sagt Mose nicht, dass dieser von sich aus stark sei. 
Er sagt, dass göttliche Kraft in Mose wirken wird. 

„Erwählt“ zu sein bedeutet hier nicht Überhöhung, sondern göttliche Befähigung. Gott nimmt einen unbedeutenden Hirten und macht ihn zu einem Werkzeug, durch das sich seine Macht offenbart. Wenn Mose zum Wasser spricht, wird das Wasser gehorchen — nicht, weil Mose Gott wäre, sondern weil Gott durch Mose handelt

So zeigt dieser Vers: Berufung ist nie Selbstverwirklichung, sondern Gott-Verwirklichung
Wer sich von Gott senden lässt, empfängt Kraft, die nicht aus sich selbst kommt. 

2. Der bevorstehende Auftrag, Israels Befreier zu werden (Mose 1:26) 

Gleich darauf kündigt der Herr Mose an: 

Ich habe dich für einen Zweck erwählt, nämlich, dass du mein Volk aus der ägyptischen Knechtschaft befreien wirst. 

Hier beginnt die eigentliche Mission: Mose soll ein Befreier werden. Noch weiß er nicht, wie groß die Herausforderung sein wird, aber Gott weiß es — und er bereitet ihn darauf vor, indem er ihm zuerst zeigt, wer Gott ist, bevor er ihm zeigt, was er tun soll

So ist es immer mit göttlicher Berufung: Sie wurzelt in einer Begegnung mit dem Herrn. Erst wenn wir Gottes Stimme gehört und seine Macht gespürt haben, können wir die Last eines göttlichen Auftrags tragen. 

3. Die überwältigende Vision der Schöpfung (Mose 1:27–30) 

Dann weitet Gott Moses Blick in unfassbare Dimensionen: 

 Mose ließ seine Augen schweifen und sah die Erde, ja, selbst alles davon … und es gab da nicht die kleinste Seele, die er nicht sah”. 

Was für ein Erlebnis! Mose sieht: 

  • die ganze Erde, 
  • jedes Land, 
  • jeden Menschen, 
  • jede Seele, zahllos wie Sand am Meer. 

Und all das nicht mit natürlichen Augen, sondern „durch den Geist Gottes“. 

Diese Vision offenbart zwei Wahrheiten: 

  1. Gott kennt jeden Menschen einzeln. 
    Wenn Mose jede einzelne Seele sah, wie viel mehr sieht Gott sie! 
  1. Gottes Werke sind größer, als ein menschlicher Geist fassen kann. 
    Kein Prophet könnte diese Vision aus eigener Kraft ertragen. 

Als Mose all dies sieht, dringt eine Frage in sein Herz — dieselbe Frage, die in uns aufsteigt, wenn wir die Schöpfung betrachten: 
Warum ist dies alles so? Und wodurch hast du es gemacht? 
Mose ahnt: Wo so viel Herrlichkeit ist, da muss ein Sinn, ein Ziel, ein Zweck sein. 

4. Gottes Antwort: Alles ist durch den Sohn geschaffen (Mose 1:31–34) 

Gott antwortet Mose direkt und majestätisch: 

„Durch das Wort meiner Macht habe ich sie erschaffen, nämlich durch meinen einziggezeugten Sohn.“ 

Hier öffnet Gott das tiefste Geheimnis der Schöpfung: 

  • Der Vater ist der Ursprung. 
  • Der Sohn ist das schöpferische Wort. 
  • Die Schöpfung ist gewollte, geordnete Herrlichkeit. 

Und Gott geht noch weiter: 

„Welten ohne Zahl habe ich erschaffen … durch meinen Einziggezeugten.“ 

Das Evangelium lehrt: Christus ist nicht nur der Erlöser dieser Welt, sondern der Schöpfer zahlloser Welten. Unser Kosmos ist nicht Zufall, nicht Ausnahme, sondern Ausdruck unendlicher schöpferischer Macht. 

Dass Gott Adam „viele“ nennt, weist darauf hin, dass Menschsein nicht zufällig ist: 
Der Mensch ist das Ziel, das Zentrum, die Krone der Schöpfung. 

5. Der Herr beantworte Jahrtausende vor der Wissenschaft die Frage nach anderen Welten (Mose 1:35) 

Während Menschen erst seit einigen Jahrhunderten — besonders seit dem 19. und 20. Jahrhundert — wissenschaftlich fragen, ob es andere bewohnte Welten gibt, beantwortet Gott diese Frage Mose lange vorher: 

„Es gibt viele Welten … unzählbar für den Menschen; aber mir ist alles gezählt.“ 

Die moderne Astronomie spricht von Milliarden Galaxien. Gott sagte es Mose schon: 

  • Die Welten sind unzählbar für uns
  • Aber nicht unzählbar für ihn

Es ist, als wolle Gott sagen: Ihr seht nur einen Funken. Ich sehe das ganze Feuer. 

6. Die Schöpfungen Gottes nehmen kein Ende (Mose 1:36–38) 

Mose bittet weiter: 

Sei barmherzig und erzähle mir mehr …“ 

Und der Herr antwortet: 

„Der Himmel sind viele … wie eine Erde vergeht, so kommt eine andere … und es gibt kein Ende für meine Werke, auch nicht für meine Worte.“ 

Hier schenkt Gott einen Blick in die Ewigkeit: 

  • Die Schöpfung ist kein vergangenes Ereignis. 
  • Sie ist ein fortwährender göttlicher Akt
  • Gottes Werke enden nicht, weil seine Liebe nicht endet. 

Wo Gott ist, dort entsteht Leben — unaufhörlich. 

7. Der Zweck aller Schöpfungen (Mose 1:39) 

Und schließlich offenbart der Herr den Schlüssel zu allem, was Mose gesehen hat: 

„Dies ist mein Werk und meine Herrlichkeit: die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.“ 

Das ist der Herzschlag Gottes. 
Das ist der Grund, warum Welten entstehen. 
Das ist das Ziel, warum Seelen geschaffen werden. 

Schöpfung ist nicht ein kosmischer Zufall, sondern ein Akt göttlicher Liebe, die zur Ewigkeit führt. 

Wenn Gott Welten erschafft, erschafft er Kinder. 
Wenn er Kinder erschafft, erschafft er Zukunft. 
Wenn er Zukunft erschafft, erschafft er Herrlichkeit. 

Schlussgedanke: Gottes Blick für unser Leben 

Wenn Mose lernt, die Welt mit Gottes Augen zu sehen, wird er verwandelt. 
Und genau das will Gott auch mit uns tun. 

Er möchte: 

  • unser Herz weiten, 
  • unseren Blick heben, 
  • unsere Identität festigen, 
  • und unsere Berufung offenbaren. 

Denn jeder von uns ist Teil von Gottes großem Werk — nicht zufällig, sondern gewollt. 

Persönliches geistliches Zeugnis 

Ich bezeuge, dass Mose 1 nicht nur eine alte Offenbarung ist, sondern ein Fenster in Gottes Herz. Ich weiß, dass Gott wirklich Welten ohne Zahl geschaffen hat und dass Jesus Christus der Schöpfer all dieser Welten ist. Ich weiß, dass wir für Gott keine Namenlosen in einer unüberschaubaren Masse sind, sondern geliebte Kinder, die er einzeln kennt und ruft. 

Ich weiß, dass „Dies ist mein Werk und meine Herrlichkeit“ nicht nur ein theologischer Satz ist, sondern ein Ausdruck vollkommener Liebe. Und ich glaube aus tiefstem Herzen, dass Gottes Blick auch heute Menschen verändert — so wie er Mose verändert hat — und dass sein Werk an uns weitergeht, bis wir ihn unsterblich und ewig sehen werden.

Dienstag, 6. Januar 2026

Der Gegensatz im Plan Gottes

 

(Bildquelle

„Geh hinweg, Satan; täusche mich nicht! Denn Gott hat zu mir gesagt: Du bist nach dem Ebenbild meines Einziggezeugten.“ (Mose 1:16).  

Satan, Versuchung und geistige Klarheit (Mose 1:7–23) 

Es gehört zum Wesen des Evangeliums, dass wahre Offenbarung fast immer im Spannungsfeld von Licht und Finsternis steht. Sobald Gott spricht, tritt der Widersacher hervor — nicht, weil er über größere Macht verfügt, sondern weil der Plan Gottes den Gegensatz erlaubt. Nur im Gegenüber von Wahrheit und Täuschung lernen wir, den Klang der Stimme des Herrn wirklich zu erkennen. 

In Mose 1 sehen wir dieses Gesetz des Gegensatzes in klarster Form. Nachdem Mose von Gott als dessen Sohn angeredet wurde und die Herrlichkeit des Herrn geschaut hat, wird er „sich selbst überlassen“. Seine natürliche Stärke vergeht, sein geistiges Erschrecken ist spürbar. Und genau in diesem Moment tritt Satan vor ihn hin. Er fordert Anbetung, er kopiert Gottes Worte, aber ohne Macht, ohne Licht, ohne Liebe. 

Warum lässt Gott das zu? 
Weil wahre Entscheidungsfreiheit immer die Möglichkeit braucht, beide Stimmen zu hören. Nur dann wird der Mensch fähig, nicht nur „richtig zu handeln“, sondern die Wahrheit zu lieben

Mose erkennt den Unterschied. Die Stimme Satans ist laut, aufdringlich, drängend — aber leer. Er sieht keinen Funken göttlicher Herrlichkeit in ihr. Darum spricht er mit einer geistigen Autorität, die nicht aus eigener Kraft kommt: 
„Geh hinweg, Satan!“ 
Und erst nachdem Mose im Namen Gottes Widerstand geleistet hat, kehrt die Herrlichkeit des Herrn erneut zurück. Der Gegensatz ist nicht das Ende der Offenbarung — er ist der Weg dahin. 

Auch wir stehen täglich in diesem geistigen Wechselspiel. Der Versucher lügt, täuscht, übertreibt und flüstert uns Identitäten ein, die uns klein und wertlos machen. Doch wenn wir — wie Mose — Christus im Herzen tragen, erkennen wir den Unterschied: Gottes Stimme erhebt, klärt, stärkt und führt immer näher zu unserer ewigen Bestimmung. 

Verse 9–10: Wenn die Gegenwart Gottes sich von Mose zurückzieht, bricht eine überwältigende Stille über ihn herein. Der Glanz der Herrlichkeit, der ihn getragen hat,  

weicht — und Mose steht wieder in der Nacktheit seiner Sterblichkeit. „Er war sich selbst überlassen“ heißt nicht, dass Gott ihn verlässt, sondern dass Mose wieder erfährt, wie begrenzt die menschliche Natur ohne die Kraft des Himmels ist. Er fällt zur Erde, nicht aus Schwäche des Glaubens, sondern weil die Erfahrung der Gegenwart Gottes seinen Körper physisch völlig überwältigt. Viele Stunden vergehen, bis er seine natürliche Kraft wiedererlangt (siehe auch Apostelgeschichte 9:3–8). 

Dieses Erleben der Überwältigung ist kein Einzelfall. Auch Joseph Smith stand körperlich erschüttert vor Gottes Gegenwart. Als er im Heiligen Hain betete, versuchte Satan, ihn von Gott abzubringen. Joseph berichtet, dass er sich selbst völlig ohnmächtig fühlte, bis die Kraft des Herrn ihn wieder erhob (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:14–15). Wie bei Mose zeigt sich hier: Wenn die göttliche Gegenwart den Menschen berührt, übersteigt die spirituelle Erfahrung oft die natürliche menschliche Kraft. Erst durch die Rückkehr der göttlichen Unterstützung kann der Mensch wieder voll handlungsfähig werden, während sein Geist gleichzeitig reicher, weiser und an Gottesnähe zunimmt.  

Doch gerade diese Erfahrung schenkt ihm eine kostbare Einsicht: In der Gegenwart Gottes erkennt der Mensch sowohl seine eigene Nichtigkeit als auch seine unendliche Abhängigkeit vom Erlöser. Mose versteht nun: Ohne Gott ist der Mensch nicht verloren — aber er ist klein, zerbrechlich und völlig auf Gnade angewiesen. Diese Erkenntnis bereitet sein Herz auf die nächste Offenbarung vor: die Erkenntnis, wer Christus ist und wer wir in Ihm sein können. 

Mose 1:11: Unsere natürlichen Augen können Gott nicht sehen, weil Seine Herrlichkeit so rein, so vollkommen und so heilig ist, dass der Mensch sie nicht überleben könnte. Wie Mose sagt, hätte er in Seiner unmittelbaren Gegenwart „vergehen und sterben müssen“. Deshalb öffnet Gott dem Menschen geistige Augen, damit er Seine Herrlichkeit erkennen kann, ohne an Leib und Leben zu zerbrechen. Dieses Prinzip wird auch an anderen Stellen der Schriften bestätigt: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Johannes 1:18) und „Niemand kann das Antlitz Gottes sehen und leben“ (Exodus 33:20). So wird klar: Wahrnehmung göttlicher Herrlichkeit erfordert geistige Augen, die weit über unsere natürliche Sinnesfähigkeit hinausgehen. 

In Mose 1:23 finden wir einen bemerkenswerten Hinweis auf die Geschichte heiliger Offenbarung: „Und nun, dafür gab Mose Zeugnis, aber infolge von Schlechtigkeit ist es unter den Menschenkindern nicht vorhanden.“ 
Dieser Satz öffnet uns ein Fenster in das, was einst war — und was verloren ging. Er erinnert uns daran, dass Moses Zeugnis ursprünglich vollständig unter den Kindern Israels vorhanden war, doch im Lauf der Jahrhunderte durch menschliche Schlechtigkeit verdunkelt wurde. Nicht weil Gottes Wort schwächer geworden wäre, sondern weil Herzen verstockt, Schriften vernachlässigt oder Wahrheiten bewusst unterdrückt wurden. Die heiligen Schriften selbst geben dafür ein stilles, aber eindeutiges Zeugnis.  

Schon Jeremia klagt, dass „die Lügengriffel der Schreiber“ das Gesetz verfälscht haben (Jeremia 8:8). Jesus bestätigt später, dass „der Schlüssel der Erkenntnis“ den Menschen vorenthalten wurde (Lukas 11:52). Und Nephi sieht prophetisch voraus, dass „viele klare und kostbare Dinge“ aus den Aufzeichnungen entfernt werden würden (1 Nephi 13:26–29), wodurch viele die rechte Erkenntnis verlieren würden. 

Diese Zeugen sprechen miteinander im gleichen Geist: Gottes Wort bleibt ewig, doch die Bereitschaft der Menschen, es zu bewahren, schwankt. Darum ist jede Wiederherstellung zugleich ein Akt der Barmherzigkeit — ein erneutes Aufleuchten des Lichtes, das Gott niemals zurückgezogen, das der Mensch aber zeitweise verloren hat. 

So zeigt uns dieser Vers, dass der Bericht von Moses Begegnung mit Gott und seinem Kampf gegen Satan einst Teil seiner heiligen Aufzeichnungen war, jedoch nicht mehr in der überlieferten Form des Alten Testaments erscheint. Erst durch die Macht der Wiederherstellung, durch neu geschenkte Offenbarung, wurde dieses Licht wieder sichtbar gemacht. In der ruhigen Majestät dieses Satzes spüren wir, dass Gott seine Wahrheit bewahrt — auch wenn sie für eine Zeit unter den Menschenkindern verborgen blieb. 

Persönliches geistliches Zeugnis 

Ich bezeuge, dass der Gegensatz im Plan Gottes kein Hindernis, sondern ein Geschenk ist. Immer wenn ich zwischen Licht und Finsternis wählen musste, hat mir der Herr eine Klarheit geschenkt, die weit über mein eigenes Verständnis hinausging. Ich weiß, dass Christus uns befähigt, Versuchung zu überwinden, Angst zu bannen und die Stimme des Vaters zu erkennen. Wie Mose dürfen auch wir sagen: „Gott ist meine Stärke“ — und in dieser Stärke werden wir getragen, geläutert und geführt (2.Mose 15,2).

Samstag, 3. Januar 2026

Das heutige Israel und die Wiederherstellung

 

„Der HERR hat seinen heiligen Arm / vor den Augen aller Nationen entblößt und alle Enden der Erde / werden das Heil unseres Gottes sehen.“ (Jesaja 52:10). 

Gottes Werk auf Erden 

Wenn wir heute auf die Welt blicken, sehen wir viel Bewegung, Unsicherheit und Wandel. Doch mitten in all dem vollzieht Gott ein stilles, machtvolles Werk: Er sammelt Israel – geistig wie buchstäblich. Dieses Werk ist nicht nur ein ferner prophetischer Gedanke, sondern eine lebendige Realität, in die wir selbst hineingerufen sind. 

Die Verheißungen an Israel in der Gegenwart 

Von den Zeiten Jesajas bis zu den Visionen Nephis trägt die Schrift eine durchgehende Verheißung: Der Herr würde sein Volk in den letzten Tagen wieder sammeln, stärken und aufrichten. 
1 Nephi 22:11–12 spricht deutlich davon, dass der Herr „seinen Arm entblößen“ und sein Volk aus aller Zerstreuung heimführen werde. Dieses Heimführen ist nicht nur geografisch – es ist ein Heimkommen zum Bund, zu Christus, zu geistiger Wahrheit. 

Das Sammeln Israels – Geistig und buchstäblich 

Geistig geschieht dieses Sammeln überall dort, wo Menschen das Evangelium annehmen, wo Herzen sich Christus zuwenden, wo Familien Bündnisse schließen. 
Buchstäblich geschieht es im Aufbau Zions, in der Stärkung des modernen Tempelwerks, im Wachstum der Kirche des Sohnes Gottes und in der Vorbereitung auf die Wiederkunft des Herrn. 

Die Propheten unserer Zeit bezeugen, dass dies die große Aufgabe unserer Evangeliumsperiode ist: Israel zu sammeln, damit Gottes Verheißungen ihre Erfüllung finden. Der verstorbene Präsident Nelson erklärte: “Meine lieben außergewöhnlichen Jugendlichen, ihr wurdet zu genau dieser Zeit auf die Erde gesandt, der allerwichtigsten Zeit in der Weltgeschichte, um bei der Sammlung Israels zu helfen. Nichts, was im Moment auf der Erde geschieht, ist wichtiger. Nichts hat weitreichendere Folgen – gar nichts.” (Worldwide Youth Devotional • June 3, 2018 • Conference Center, Salt Lake City, Utah). 

Unsere Rolle in Gottes fortschreitendem Werk 

Wir stehen nicht nur am Rand dieser Geschichte — wir sind mitten drin. 
Unsere Mission, unsere Bündnisse, unsere Tempelarbeit und unser Dienst im Alltag sind Bausteine des Reiches Gottes. In LuB 110:11–12 erscheinen Moses, Elias und Elija und übertragen Schlüssel, die genau dieses Werk ermöglichen: die Rettung der Lebenden und der Toten, die Bindung der Generationen, den Aufbau Zion’s. 

Es ist eine stille, heilige Berufung: 
Gott baut sein Werk – und wir bauen mit. 

Technologische und geistige Hilfsmittel unserer Zeit 

Wir leben in einer Evangeliumszeit, von der frühere Generationen nur träumen konnten. 
Durch Technologie, Übersetzungen, Medien, Tempel, Mission, Bildung und weltweite Netzwerke erfüllt sich 3 Nephi 21: die Botschaft Christi geht in alle Nationen. Werkzeuge, die einst unvorstellbar waren, dienen heute dem Reich Gottes – und wir dürfen sie im Geist der Offenbarung gebrauchen. 

Wir sind Teil der Geschichte Israels 

Wenn wir begreifen, dass die Wiederherstellung nicht Geschichte ist, sondern Gegenwart, verändern sich unsere Entscheidungen, unsere Prioritäten und unser Blick auf die Welt. Die alten Verheißungen des Alten Testaments greifen tief in unser eigenes Leben. 
Denn Gottes Bund mit Israel ist auch ein Bund mit uns – persönlich, lebendig, erneuernd. 

Persönliches geistliches Zeugnis 

Ich bezeuge, dass Gott heute handelt und dass sein Werk auf Erden nie stillsteht. Ich fühle, dass wir in einer heiligen Zeit leben, einer Zeit, in der sich uralte Prophezeiungen direkt vor unseren Augen erfüllen. Ich weiß, dass jeder Mensch, der sich Christus zuwendet, Teil dieses großen Sammlungswerkes wird. Und ich bezeuge, dass der Herr uns führt – im Tempel, in der Schrift, im Stillen unseres Herzens – damit wir mutig, demütig und freudig an seiner Seite mitwirken können. 
Er sammelt Israel. Und wir dürfen dazugehören.

Freitag, 2. Januar 2026

Das Alte Testament im Licht der Letzten Tage

 

(Bildquelle: KI-generiert mit ChatGPT)

„Was ich, der Herr, gesagt habe, das habe ich gesagt, … mein Wort wird nicht vergehen, sondern wird sich gänzlich erfüllen (Lehre und Bündnisse 1:38). 

Gottes Wort bleibt lebendig – es überdauert Zeiten, Völker und Sprachen. In dieser Zusage erkennen wir, dass auch die alten Schriften in neuem Licht erstrahlen, wenn der Herr in den Letzten Tagen sein Werk erneuert und fortführt. So betrachten wir das Alte Testament nicht als abgeschlossenes Zeugnis, sondern als Teil einer fortwährenden Offenbarung des göttlichen Willens. 

Offenbarung und Wiederherstellung – Das Alte Testament im Licht der Letzten Tage 

Das Alte Testament öffnet uns ein Tor zu Gottes Handeln in der Geschichte – zu Bündnissen, Offenbarungen und Verheißungen, die das Fundament des göttlichen Heilsplans bilden. Doch dieses Tor bleibt nicht geschlossen; in den Letzten Tagen hat der Herr es erneut weit aufgetan. Durch Propheten, die Er berufen hat, und durch den Heiligen Geist, der in unseren Herzen wirkt, lässt Gott uns dieselben Wahrheiten tiefer erkennen, die schon den Patriarchen und Propheten offenbart wurden. So sehen wir das Alte Testament heute im Licht fortdauernder Offenbarung – nicht als abgeschlossenes Buch, sondern als Teil einer lebendigen, göttlichen Geschichte. 

Die Rolle moderner Offenbarung bei der Auslegung alter Texte 

Wenn wir die Schriften des Alten Bundes lesen, tun wir das nicht allein mit menschlichem Verstand. Der Herr hat in dieser Zeit Propheten gesetzt, um uns zu helfen, „die Geheimnisse des Reiches“ (LuB 76) zu verstehen. Viele Stellen, die ohne Offenbarung dunkel erscheinen, werden durch die Lehre moderner Propheten hell erleuchtet. Offenbarung ist kein Gegensatz zur Schrift, sondern ihr Schlüssel. Der gleiche Geist, der einst Abraham führte, spricht auch heute zu Sehern, Offenbarern und Propheten – und zu jedem, der bereit ist, zu hören. So lernen wir, dass die Schrift nicht bloß Vergangenheit ist, sondern Gegenwart – lebendig, atmend, göttlich. 

Die Joseph-Smith-Übersetzung als Inspiration und Klärung 

Ein kostbares Beispiel für fortgesetzte Offenbarung ist die Joseph-Smith-Übersetzung (JST). Sie zeigt, dass der Herr auch über die heiligen Texte wacht und sie durch Offenbarung klärt, wo Überlieferung oder Übersetzung ihren ursprünglichen Sinn verdunkelt haben. Was Joseph Smith über Mose, Enoch oder Melchisedek empfing, öffnet uns ein tieferes Verständnis für Gottes Bund mit Israel – und für den erlösenden Auftrag Christi, der schon „von Anfang an“ im Plan des Vaters stand. Durch diese inspirierten Ergänzungen lernen wir, das Alte Testament nicht als Relikt, sondern als fortlaufenden Teil eines göttlichen Lehrgesprächs zu betrachten. 

Zusätzliche Erkenntnisse durch das Buch Mose und das Buch Abraham 

Im Buch Mose wird uns die Geschichte der Schöpfung und der Menschen in einer erweiterten, himmlischen Perspektive offenbart. Wir sehen, wie eng die Propheten der Frühzeit mit Gott wandelten, und wie der Herr Seinen ewigen Plan mit ihnen teilte. Besonders berührt die Vision Henochs in Mose 7, in der er die Tränen Gottes sieht – ein mächtiges Zeugnis davon, dass der Schöpfer mitfühlt und um Seine Kinder ringt. 

Auch das Buch Abraham erweitert unser Verständnis. Es zeigt uns, dass die Sternenwelten, die Ordnungen des Himmels und das Vorherdasein der Seelen Teil desselben ewigen Systems sind, das in den alten Schriften nur angedeutet wird. Wenn Abraham „die Werke Gottes“ (Abraham 3) sieht, dann erblickt er die ewige Ordnung, in der wir alle unseren Platz haben. Solche Offenbarungen lassen die alten Texte atmen – sie öffnen ihre inneren Dimensionen und verbinden uns mit den frühen Vätern des Glaubens auf einer geistigen Ebene. 

Der Heilige Geist macht das Alte Testament lebendig 

Doch Offenbarung geschieht nicht nur durch Bücher und Propheten, sondern auch in stillen Momenten, wenn der Heilige Geist unser Herz berührt. Er ist der wahre Lehrer der Schrift. Wenn wir mit ehrlichem Herzen lesen, flüstert Er uns Bedeutungen zu, die kein Kommentar fassen kann. So wird das Alte Testament für uns „lebendig“ – nicht, weil sich seine Worte ändern, sondern weil der Geist sie in uns zum Klingen bringt. In diesem inneren Erleben bestätigt der Herr, dass Seine Wahrheit fortbesteht und dass die Heilige Schrift immer wieder neu geboren wird, wenn sie im Licht des Geistes gelesen wird. 

Vertiefung, nicht Ersatz 

Manche fragen, ob neue Offenbarung das Alte verdrängt. Doch der Herr spricht: „Was ich, der Herr, gesagt habe, habe ich gesagt ... meine Worte werden alle erfüllt werden“ (LuB 1:37–38). Der Bund bleibt bestehen; er wird nicht ausgelöscht, sondern erweitert. Die Wiederherstellung in den Letzten Tagen führt nicht weg vom Alten Testament – sie führt tiefer hinein. Sie zeigt, dass Gott gestern, heute und in Ewigkeit derselbe ist. Der Fels Israels steht fest; nur unser Blick wird klarer. 

Persönliches Zeugnis 

Ich empfinde große Dankbarkeit, dass der Himmel heute offen ist. Wenn ich das Alte Testament lese und zugleich die modernen Offenbarungen betrachte, spüre ich, wie der Geist dieselbe Stimme in beiden Zeugnissen erkennen lässt. Ich glaube fest, dass der Herr weiterhin spricht – zu Seinen Propheten, zu Seinen Kindern, zu mir. In diesem Bewusstsein lese ich die alten Worte mit neuem Staunen. Sie tragen dieselbe göttliche Kraft, die auch heute wirkt. Und so vertraue ich darauf, dass Gottes Werk lebendig ist, dass Seine Offenbarung fortdauert – und dass auch wir, in unserer Zeit, Teil dieses ewigen Gesprächs zwischen Himmel und Erde sein dürfen.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Evangeliumszeiten und fortschreitende Offenbarung

 

(Bildquelle: KI-generiert mit ChatGPT)

Und die Schrift, die voraussah, dass Gott die Heiden durch den Glauben rechtfertigen würde, verkündigte dem Abraham im Voraus das Evangelium: In dir sollen alle Völker gesegnet werden.“ (Galater 3:8). 

1. Der große Plan Gottes durch alle Zeitalter 

Wenn wir das Alte Testament lesen, erkennen wir darin nicht nur alte Geschichten und Gesetze, sondern die Spuren eines göttlichen Plans, der sich Schritt für Schritt entfaltet. Gott handelt nicht zufällig, sondern in Haushaltungen – in Evangeliumszeiten, in denen Er seine Bündnisse und Offenbarungen nach dem Maß des Glaubens und der Bereitschaft seiner Kinder gibt. 

Von Adam bis Noah, von Abraham bis Mose, von den Propheten Israels bis zu den Aposteln Christi – überall leuchtet derselbe göttliche Faden: Das Evangelium Jesu Christi ist ewig. Es war „von Anfang an“ da, und es wird „bis ans Ende“ verkündet werden. Jede Zeit bringt ihre eigene Offenbarung, ihre eigenen Propheten, ihre eigenen Prüfungen, doch der Kern bleibt unverändert: Gott ruft seine Kinder zur Umkehr, zum Glauben an Christus und zum Aufbau seines Reiches. 

2. Der Bund mit Abraham – Muster aller Zeiten 

Unter all den göttlichen Bündnissen ragt der Bund mit Abraham als zentrales Muster hervor. Gott versprach Abraham Nachkommenschaft, Land und vor allem Segen – nicht nur für ihn selbst, sondern für alle Nationen. Dieses Versprechen durchzieht alle Zeitalter: dass durch den Samen Abrahams – Christus und seine Nachfolger – die ganze Erde das Evangelium empfangen wird. 

In Abraham 12 sehen wir, wie Abraham selbst nach größerem Licht suchte: nach „Segnungen der Väter“ und nach Priestertumsvollmacht, die bis zu Adam zurückreicht. So wird er zum Sinnbild jedes wahren Gläubigen, der in seiner Zeit Licht sucht und bereit ist, Bündnisse zu schließen. 

Der Abrahamische Bund ist also kein Relikt vergangener Tage, sondern ein lebendiges Muster göttlicher Treue. Er wird in jeder Evangeliumszeit erneuert – in Israel, in der Kirche Christi, in den Letzten Tagen. In Lehre und Bündnisse 107:18–20 erfahren wir, dass das Priestertum eben diese „Schlüssel der geistlichen Segnungen“ trägt, die Abraham verheißen wurden. 

3. Fortschreitende Offenbarung – von Anfang bis zur Fülle 

Der Herr hat nie aufgehört zu reden. Die Schöpfung begann mit Offenbarung, und die Wiederherstellung unserer Tage steht in derselben Linie. Mose 5–7 zeigen uns, dass schon Adam und Henoch das Evangelium kannten: sie opferten im Namen des Sohnes, sie empfingen den Heiligen Geist, sie bauten Zion. 

Jede spätere Zeit fügte neue Einsicht hinzu, doch das Fundament war stets Christus. Das Alte Testament bezeugt ihn im Schatten, das Neue Testament in seiner Erscheinung, die Letzten Tage in der Fülle seiner Macht. 

Die fortschreitende Offenbarung ist also kein Widerspruch zur Ewigkeit Gottes, sondern ihr lebendiger Ausdruck. Wie ein Morgen, der immer heller wird, bis der Tag vollkommen ist, so entfaltet sich das Licht der Wahrheit Zeitalter um Zeitalter. 

4. Die Offenbarungen der Letzten Tage – Schlüssel zur Vergangenheit 

Wir leben in einer besonderen Zeit, in der frühere Geheimnisse wieder ans Licht kommen. Durch die Wiederherstellung des Priestertums, die heiligen Schriften des Buches Mormon, des Buches Mose und Abrahams erkennen wir den roten Faden der Heilsgeschichte deutlicher als je zuvor. 

In den Offenbarungen der Letzten Tage erfüllt sich, was in den alten Schriften nur angedeutet war. Abraham, Mose, Elias – sie alle kehren in die Geschichte zurück, um die Bündnisse zu erneuern. Die „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge“ (Apg 3:21) sind die Krönung aller Evangeliumszeiten. 

Wer heute das Alte Testament liest, darf es mit neuen Augen sehen: als lebendigen Teil des ewigen Evangeliums, das in jeder Generation verkündet wird – in Eden, in Ur, in Jerusalem, in Kirtland und bis zu uns heute. 

5. Ewige Wahrheit – ein und dieselbe in allen Zeiten 

So erkennen wir: Gott ist derselbe – gestern, heute und in Ewigkeit. Seine Wege ändern sich, aber sein Ziel bleibt. Sein Werk ist es, „die Unsterblichkeit und das Ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“ (Mose 1:39). 

Die Evangeliumszeiten sind wie Kapitel eines großen göttlichen Buches. Jede erzählt ihre eigene Geschichte, doch alle verweisen auf denselben Mittelpunkt – Jesus Christus, das Lamm Gottes, das von Anbeginn der Welt geschlachtet ist. 

Persönliches Zeugnis 

Wenn ich über diese fortschreitende Offenbarung nachsinne, erfüllt mich tiefe Dankbarkeit. Ich spüre, dass ich Teil eines gewaltigen Ganzen bin – eingebunden in denselben Bund, den Abraham empfing. Es tröstet mich zu wissen, dass Gott die Zeiten lenkt, dass Er immer spricht, immer führt, immer erneuert. 

Ich weiß, dass der Heilsplan nicht nur eine Lehre ist, sondern eine Realität: Gott offenbart sich jedem, der ihn sucht – damals wie heute. Ich habe in meinem Leben erlebt, wie Er Licht schenkt, Stück für Stück, Zeile um Zeile, bis das Herz Frieden findet in seinem ewigen Evangelium. 

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Die Schrift lesen, über sie reden und nachsinnen

 

Das Herz spricht mit Gott
(Bildquelle: KI-generiert mit ChatGPT)

“Über dieses Buch der Weisung sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genauso zu handeln, wie darin geschrieben steht. Dann wirst du auf deinem Weg Glück und Erfolg haben.” (Josua 1:8). 

Die Wirkung der heiligen Schriften – Wie Gott durch sein Wort unser Herz berührt 

Wenn wir die heiligen Schriften aufschlagen, begegnen wir nicht bloß alten Geschichten oder religiösen Weisheiten. Wir begegnen der Stimme Gottes. Durch sein Wort sucht der Herr das Herz des Menschen – nicht nur seinen Verstand. In der heiligen Schrift wirkt eine Kraft, die lebendig, heilig und durchdringend ist. Sie heilt, richtet auf, verwandelt, erhellt und lehrt uns, wie wir Christus ähnlicher werden können. 

Das Wort Gottes – lebendig und kraftvoll 

Der Hebräerbrief bezeugt: 

Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens;“ (Hebräer 4:12). 

Das Wort Gottes hat also eine doppelte Wirkung: Es offenbart, wer wir sind – und wer Gott ist. Beim ehrlichen Schriftstudium spüren wir, wie der Geist uns sanft, aber bestimmt spiegelt, wo wir noch wachsen können. Diese geistige Offenbarung geschieht oft leise, wie das „stille, sanfte Säuseln“ (1 Könige 19:12), doch sie trägt Licht und Klarheit in unsere Gedanken. In ihr liegt die Kraft, unser Herz zu verwandeln. 

Der Prophet Alma bezeugte im Buch Mormon, dass „das Wort Gottes … die Menschen mehr zur Tugend bewegen kann als das Schwert oder irgendetwas anderes“ (Alma 31:5). Kein äußerer Zwang, kein menschlicher Appell hat solch eine bleibende Macht – nur das Wort, das im Herzen Wurzeln schlägt. 

Das Wort als Licht, Erkenntnis und Frieden 

Wenn Gott spricht, geschieht Licht. In der Schöpfung sprach Er: „Es werde Licht“ – und es ward Licht. So ist es auch im geistigen Sinn: Sein Wort vertreibt Dunkelheit, Zweifel und Angst. Der Herr lehrt in Lehre und Bündnisse 84:45–46, dass „das Wort des Herrn Wahrheit ist und alles Licht, und was Licht ist, ist Geist“. 

So oft wir die Schriften lesen, empfangen wir dieses Licht. Es ist nicht bloß Wissen, sondern Offenbarung. Es ist der Geist Christi, der „jedem Menschen gegeben wird, damit er Gut und Böse unterscheiden könne“. Das Wort macht uns fähig, die Stimme des Hirten von der Stimme der Welt zu unterscheiden. Und wo das Licht des Wortes wohnt, da ist Friede – nicht die Abwesenheit von Problemen, sondern die Gegenwart des Heiligen Geistes. 

Verändernde Beispiele aus dem Alten Testament 

Im Alten Testament begegnen wir Menschen, deren Leben durch das Wort Gottes verwandelt wurde. 

  • Josua erhielt vom Herrn die Verheißung, dass er Erfolg haben würde, wenn er „das Buch dieses Gesetzes nicht von seinem Mund weichen lasse, sondern darüber nachsinne Tag und Nacht“ (Josua 1:8). Das beständige Nachsinnen über Gottes Wort wurde zur Quelle seiner Stärke. 
  • Samuel hörte als junger Knabe die Stimme des Herrn. Sein schlichtes Gebet: „Rede, HERR, denn dein Knecht hört“ (1 Samuel 3:10) wurde zum Anfang eines Lebens im Dienst des göttlichen Wortes. 
  • Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, „das Gesetz des HERRN zu erforschen und zu tun“ (Esra 7:10). In einer Zeit geistiger Verwahrlosung wurde er zum Werkzeug der Erneuerung, weil er das Wort kannte und es lebte. 
  • Nehemia führte das Volk zur Umkehr, als das Gesetz öffentlich vorgelesen wurde (Nehemia 8). Die Menschen weinten, als sie das Wort hörten – nicht aus Furcht, sondern aus tiefer Bewegung. Sie erkannten, dass Gott sie trotz allem nicht verlassen hatte. 

Diese Szenen zeigen, wie das Wort Gottes Herzen aufweckt, Schuldgefühle in Umkehr verwandelt und Verzweiflung in Hoffnung. 

Parallelen im Buch Mormon und Neuen Testament 

Im Neuen Testament lehrte Paulus, dass „alle Schrift von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ ist (2 Timotheus 3:16–17). Auch Nephi, Mormon und Moroni bezeugten dasselbe Prinzip: das Schriftstudium als Quelle geistiger Kraft und Offenbarung. 

Wie die alten Propheten Israels kannten auch die Propheten des Buches Mormon die Macht des göttlichen Wortes. Es führt uns immer zu Christus. Wenn wir das Wort Gottes aufnehmen, empfangen wir nicht nur Lehre – wir empfangen den Herrn selbst, das „Wort, das Fleisch wurde“ (Johannes 1:14). 

Ein Aufruf zum betenden Schriftstudium 

Das Studium der Schriften ist keine Pflicht, sondern eine Einladung zum geistigen Gespräch mit Gott. Es öffnet einen Raum, in dem der Geist wirkt, heilt und belehrt. Regelmäßiges, betendes Schriftstudium verwandelt unser Herz und gibt uns Kraft, den Alltag im Licht des Evangeliums zu leben. 

Wenn wir das Wort lesen, als käme es direkt zu uns – mit Namen, mit persönlicher Bedeutung –, wird das Alte Testament zu einer lebendigen Offenbarung. Dann entdecken wir: Es ist nicht alt, sondern ewig. 

Persönliches Zeugnis 

Ich habe erfahren, dass die Schriften wirklich das Wort des lebendigen Gottes sind. Es gab Zeiten, in denen ich Trost suchte und keine Worte fand – bis ich sie in der Schrift fand. In Momenten der Unsicherheit kam Licht durch einen einzelnen Vers, als Antwort auf ein stilles Gebet. Ich habe gespürt, wie der Geist mich beim Lesen lehrte, was kein Mensch mich hätte lehren können. 

Darum weiß ich: Das Wort Gottes ist kein Buch aus Papier, sondern ein Schlüssel zum Himmel. Wenn wir es mit Glauben lesen, spricht Gott – und unser Herz wird verwandelt.