Dienstag, 22. September 2026

Ein Herz, das bereit ist

 

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„Wohl forderte euch Gott, der HErr der Heerscharen, damals zum Weinen und zur Wehklage, zum Kahlscheren und zum Anlegen von Sackleinen (= Bußgewändern) auf;“ (Jesaja 22:12

Jesaja 22 

Wer zum ersten Mal Jesaja 22 liest, wird vermutlich ähnlich empfinden wie viele Leser seit Jahrhunderten: Dieses Kapitel wirkt fremd. Namen, Orte und politische Ereignisse wechseln sich mit Bildern und Symbolen ab. Warum spricht Jesaja vom „Schautal“? Weshalb wird ein hoher Beamter namens Sebna plötzlich abgesetzt? Warum erhält Eljakim den „Schlüssel des Hauses David“ – und weshalb bricht am Ende sogar der scheinbar feste Pflock wieder ab? Auf den ersten Blick scheint all das wenig mit unserem Leben zu tun zu haben. 

Gerade hier hilft uns eine der wichtigsten Aussagen Nephis. Nachdem er selbst viele Kapitel aus Jesaja zitiert hatte, erklärte er seinen Brüdern und seinem Volk – und damit letztlich auch uns, die wir seine Worte heute lesen –, warum diese Prophezeiungen überhaupt wichtig sind: 

„Und nun siehe, ich sage euch: Die Worte Jesajas sind für viele meines Volkes nicht klar verständlich … Denn siehe, ich habe in Jerusalem gewohnt; darum kenne ich die Gegenden ringsum um Jerusalem; und ich habe zu meinem Volk gesprochen von den Urteilen Gottes, die über die Juden gekommen sind.“ (vgl. 2 Nephi 25:1–6

Nephi macht damit deutlich, dass Jesaja einen historischen Hintergrund voraussetzt. Wer Jerusalem, seine Geschichte und seine politischen Verhältnisse nicht kennt, wird vieles missverstehen. Gleichzeitig erklärt Nephi unmittelbar danach, warum er Jesaja trotzdem zitiert: Seine Worte zeugen von Christus und erfüllen sich nicht nur bei den Juden, sondern auch in den Letzten Tagen und schließlich bei allen Menschen (vgl. 2 Nephi 25:7–8). Deshalb ist Jesaja eben nicht nur Geschichte. Hinter den damaligen Ereignissen verbirgt sich eine Botschaft, die bis heute aktuell geblieben ist. 

Jesaja nennt Jerusalem das „Schautal“ oder „Tal der Vision“. Das ist ein bemerkenswerter Ausdruck. Jerusalem liegt geographisch keineswegs in einem Tal. Wahrscheinlich spielt Jesaja auf die Täler an, die die Stadt umgeben. Gleichzeitig entsteht ein geistliches Bild: Gerade dort, wo Gott seinem Volk Offenbarung schenkt, fehlt plötzlich geistliche Sicht. Die Stadt besitzt den Tempel, die Propheten und die Bündnisse Gottes – und doch erkennt sie nicht mehr, worauf es wirklich ankommt. 

Der Anlass ist ernst. Jerusalem wird von Feinden bedroht. Die Bewohner handeln durchaus klug. Sie zählen ihre Waffen, verstärken die Mauern, sammeln Wasser im Teich Siloah und bereiten sich sorgfältig auf eine Belagerung vor (vgl. Jesaja 22:8–11). Aus militärischer Sicht ist das vernünftig. 

Doch Jesaja deckt das eigentliche Problem auf: 

„Aber auf den, der dies alles bewirkt hat, blicktet ihr nicht hin, und den, der es längst beschlossen hatte, sahet ihr nicht an.“ (Jesaja 22:11

Nicht die Vorbereitungen selbst werden verurteilt. Gott erwartet durchaus Weisheit und verantwortliches Handeln. Der Fehler liegt tiefer. Während alle Kraft auf äußere Lösungen verwendet wird, bleibt das Herz unverändert. Niemand sucht den Herrn. Niemand fragt nach seinem Willen. Niemand kehrt um. 

Wie oft begegnet uns dasselbe Muster im eigenen Leben? 

Wir organisieren Termine besser. Wir erstellen Finanzpläne. Wir lesen Ratgeber. Wir verändern Gewohnheiten. Wir suchen neue Strategien für Ehe, Familie oder Beruf. Vieles davon ist sinnvoll. Doch manchmal versuchen wir, geistliche Probleme ausschließlich mit organisatorischen Mitteln zu lösen. 

Wir möchten Frieden finden, ohne wirklich zu beten. 

Wir wünschen uns Vergebung, ohne ehrlich umzukehren. 

Wir hoffen auf geistige Stärke, ohne unsere Beziehung zu Christus zu vertiefen. 

Äußere Ordnung ersetzt niemals innere Bekehrung. 

Deshalb ruft Gott sein Volk nicht zuerst zum Kämpfen, sondern zum Weinen, zur Umkehr und zur Demut auf. Stattdessen reagiert Jerusalem mit Gleichgültigkeit: 

"Lasst uns essen und trinken, denn morgen sterben wir!" (vgl. Jesaja 22:13

Wenn Menschen die Hoffnung auf Gott verlieren, suchen sie häufig den Trost im Augenblick. Genau davor warnt Jesaja. 

Der zweite Teil des Kapitels führt uns in den königlichen Palast. Dort begegnen wir Schebna, dem Palastvorsteher. Offenbar nutzt er seine Stellung vor allem für sich selbst. Jesaja erwähnt sogar sein prächtiges Grabmal, das er sich bereits anlegen lässt (vgl. Jesaja 22:16). Während das Volk in Gefahr schwebt, denkt Schebna an seinen eigenen Ruhm. 

Darum kündigt der Herr seine Absetzung an. 

An seine Stelle tritt Eljakim. 

Von ihm heißt es: 

„Ich will ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen: öffnet er, so wird niemand schließen; schließt er, so wird niemand öffnen.“ (Jesaja 22:22

Dieses Bild besitzt eine außerordentliche Bedeutung. Der Schlüssel steht für übertragene Vollmacht. Eljakim erhält Verantwortung über das Haus des Königs. Er handelt im Auftrag des Königs und besitzt dessen Autorität. 

Gerade deshalb greifen später auch die Offenbarungen des Neuen Testaments dieses Bild wieder auf. In Offenbarung 3:7 bezeichnet sich Christus selbst als denjenigen, „der den Schlüssel Davids hat“. 

Hier erkennen wir eine der großen messianischen Ebenen Jesajas. 

Eljakim ist ein treuer Verwalter. 

Christus ist der wahre König. 

Eljakim empfängt Schlüssel. 

Christus besitzt sie von Ewigkeit her. 

Eljakim verwaltet das Haus Davids. 

Christus regiert das Reich Gottes selbst. 

Gerade Mitglieder der Kirche Jesu Christi verstehen diese Symbolik besonders gut. Schlüsselgewalt bedeutet nicht persönliche Macht, sondern göttlich übertragene Vollmacht zum Dienen. Der Herr überträgt Verantwortung seinen Dienern. Doch die Schlüssel gehören letztlich immer ihm. 

Dann folgt jedoch eine überraschende Wendung. 

Nachdem Eljakim als „fester Pflock" beschrieben wurde, lesen wir in Vers 25 plötzlich: 

„An jenem Tage … wird der Pflock weichen, der an festem Ort eingeschlagen war; er wird abbrechen und fallen.“ 

Dieser Vers hat viele Leser verwirrt. 

Sollte Eljakim etwa ebenfalls versagen? 

Möglicherweise weist Jesaja tatsächlich darauf hin, dass auch gute menschliche Führer vergänglich sind. Selbst der treueste Verwalter bleibt ein Mensch. Kein Prophet, kein König, kein Priester und kein Beamter kann die endgültige Erlösung bringen. 

Vielleicht liegt gerade darin die tiefste Botschaft des ganzen Kapitels. 

Schebna versagt. 

Eljakim dient treu. 

Doch beide bleiben Menschen. 

Nur Christus trägt die Last endgültig. 

Nur Christus ist der Pflock, der niemals zerbricht. 

Nur Christus besitzt die Schlüssel, die niemals weitergegeben werden müssen. 

Vielleicht ist das die wichtigste Lektion von Jesaja 22. Gott setzt Führer ein. Gott beruft Propheten. Gott gibt Priestertum und Schlüsselgewalt. Aber unser Glaube darf niemals an Menschen hängen. Menschen können sterben. Sie können Fehler machen. Sie können abgelöst werden. Christus allein bleibt derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebräer 13:8). 

Diese Wahrheit wird in unserer Zeit immer wieder sichtbar. Ein bewegendes Beispiel stammt aus den Berichten neuer Mitglieder der Kirche, die regelmäßig im Liahona-Magazin und in der Reihe „Gesichter des Glaubens“ veröffentlicht werden. Viele von ihnen schildern, dass sie zunächst von der Freundlichkeit der Mitglieder oder von Missionaren beeindruckt waren. Doch ihre eigentliche Bekehrung geschah erst, als sie den Erretter selbst kennenlernten. Einige berichten sogar, dass einzelne Mitglieder sie später enttäuschten. Trotzdem blieb ihr Glaube bestehen, weil er nicht auf Menschen gegründet war, sondern auf Jesus Christus. Gerade diese Zeugnisse zeigen eindrucksvoll, was Jesaja lehrt: Menschen können Werkzeuge Gottes sein – retten kann nur Christus. 

In ähnlicher Weise sprach Elder Patrick Kearon in seiner Generalkonferenzansprache Willkommen in der Kirche der Freude davon, dass wahre Umkehr keine bloße Verhaltensänderung ist, sondern die Heimkehr zu unserem himmlischen Vater. Gott lädt uns nicht lediglich dazu ein, unser Leben besser zu organisieren. Er ruft unser Herz zurück nach Hause. Erst dort beginnt echte Veränderung. 

Vielleicht lädt Jesaja 22 uns deshalb zu einer ehrlichen Frage ein: 

Woran hängt mein Vertrauen? 

Verlasse ich mich vor allem auf meine Fähigkeiten, meine Erfahrung, meine Planung oder auf andere Menschen? 

Oder suche ich zuerst den Herrn? 

Der Herr verbietet keine kluge Vorbereitung. Jerusalem hätte durchaus seine Mauern verstärken dürfen. Aber die Mauern hätten von betenden Herzen begleitet werden müssen. 

So ist es auch heute. 

Wir dürfen planen. 

Wir dürfen vorsorgen. 

Wir dürfen Verantwortung übernehmen. 

Aber unser Herz soll zuerst dem Herrn gehören. 

Dann werden selbst schwierige Zeiten nicht zum Ende unseres Glaubens, sondern zum Anfang einer tieferen Beziehung zu Christus. 

Ich bin dankbar, dass Jesaja nicht nur Gericht ankündigt, sondern immer wieder auf den Erlöser hinweist. Je länger ich seine Worte studiere, desto mehr erkenne ich, dass hinter den historischen Ereignissen stets Christus steht. Menschen kommen und gehen. Verantwortlichkeiten wechseln. Reiche entstehen und vergehen. Doch der Herr bleibt unveränderlich. Er allein trägt die Schlüssel des ewigen Lebens. Ihm möchte ich mein Vertrauen schenken – nicht nur dann, wenn alles gut geht, sondern gerade dann, wenn meine eigenen Pläne nicht mehr tragen.

Montag, 21. September 2026

Wenn die Reiche dieser Welt fallen

 

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„Denn wenn der HErr der Heerscharen einen Plan gefaßt hat: wer will ihn vereiteln? und seine ausgestreckte Hand: — wer kann sie zurückbiegen? (Jesaja 14:27

Jesaja 13 und 14 

Es gibt Zeiten, in denen es scheint, als würden manche Mächte für immer bestehen. Reiche wachsen, Wirtschaftssysteme wirken unerschütterlich, Ideologien gewinnen Einfluss, und Menschen bauen ihr Vertrauen auf das, was sichtbar, stark und erfolgreich erscheint. Wer mitten in einer solchen Zeit lebt, kann sich kaum vorstellen, dass all dies eines Tages verschwunden sein wird. 

Genau in eine solche Situation hinein spricht Jesaja. Babylon war noch gar nicht zur beherrschenden Weltmacht geworden, und doch sieht der Prophet bereits ihr Ende. Das ist typisch für Propheten: Sie betrachten Geschichte nicht aus der Perspektive des Augenblicks, sondern aus Gottes Sicht. Was Menschen für unerschütterlich halten, ist vor ihm bereits entschieden. 

Das Leitwort des diesjährigen Komm und folge mir nach-Abschnitts lautet „Wunderbar und wundersam“. Auf den ersten Blick scheint das merkwürdig zu sein. Was ist an Gerichtsankündigungen wunderbar? Doch gerade darin liegt ein wichtiger Gedanke: Gottes Wunder bestehen nicht nur darin, Kranke zu heilen oder Meere zu teilen. Sie zeigen sich auch darin, dass seine Verheißungen zuverlässig eintreffen. Er lenkt die Geschichte. Nichts entgleitet seiner Hand. 

Scripture Central weist darauf hin, dass Babylon in Jesaja weit mehr ist als nur eine historische Stadt. Babylon wird zum Sinnbild aller menschlichen Systeme, die sich gegen Gott erheben. Diese symbolische Bedeutung wird besonders deutlich im Buch Mormon. Nephi übernimmt Jesajas Worte nahezu vollständig und macht zugleich deutlich, dass ihre endgültige Erfüllung noch aussteht. 

In 2. Nephi 23 wird ausdrücklich erklärt, dass die Zerstörung Babylons ein Sinnbild für das Gericht beim Zweiten Kommen Christi ist. Was damals über ein Weltreich ausgesprochen wurde, weist zugleich auf das endgültige Ende der Welt hin, die sich gegen Gott erhebt. Babylon steht deshalb nicht nur für eine antike Hauptstadt, sondern für Stolz, Selbstvertrauen ohne Gott und jede Form menschlicher Macht, die den Schöpfer verdrängen möchte. 

Diese doppelte Bedeutung begegnet uns häufig bei Jesaja. Seine Prophezeiungen besitzen eine unmittelbare historische Erfüllung und zugleich eine weit größere geistliche Dimension. Vielleicht erklärt gerade das, warum kaum ein anderer Prophet die heiligen Schriften so nachhaltig geprägt hat. Nephi und andere Propheten des Buches Mormon zitieren ihn ausführlich. Auch der Erretter selbst griff in seinem irdischen Wirken immer wieder auf Jesajas Worte zurück, und die Apostel des Neuen Testaments taten es ebenso. Sie alle erkannten, dass seine Botschaften nicht nur für Juda bestimmt waren, sondern den Messias, die Sammlung Israels und Gottes Handeln bis in die letzten Tage hinein bezeugen. 

Auffallend ist, dass Jesaja Babylon nicht wegen seiner militärischen Stärke verurteilt, sondern wegen seines Hochmuts. Immer wieder zeigt die Heilige Schrift, dass Stolz der eigentliche Anfang des Falls ist. 

Besonders eindrucksvoll wird dies in Kapitel 14. Dort beschreibt Jesaja den Sturz dessen, der in der Menge-Übersetzung als „Glanzgestirn“ bezeichnet wird und in der christlichen Überlieferung mit Luzifer in Verbindung gebracht wird. „Ich will zum Himmel emporsteigen … ich will dem Allerhöchsten gleich sein.“ (Jesaja 14:13–14

Unabhängig davon, wie man einzelne Auslegungsfragen beurteilt, bleibt die geistliche Botschaft eindeutig: Stolz führt immer weg von Gott. Wer sich selbst erhöhen will, verliert am Ende gerade das, woran er sich festhalten wollte. 

Das ist nicht nur die Geschichte Satans. Es ist die Geschichte Babylons. Und es kann auch unsere Geschichte werden. 

Denn Babylon beginnt selten mit offener Gottlosigkeit. Viel häufiger beginnt es mit kleinen Verschiebungen des Vertrauens. Wir verlassen uns immer mehr auf unsere Fähigkeiten, unsere Sicherheiten, unsere Erfahrungen oder unseren Besitz. Unmerklich wird daraus ein Leben, das Gott zwar nicht ausdrücklich ablehnt, ihn aber auch nicht mehr wirklich braucht. 

Jesaja stellt deshalb eine unbequeme Frage: Worauf bauen wir eigentlich unser Leben? 

Viele Sicherheiten sind durchaus gut. Familie, Arbeit, Bildung, Gesundheit oder finanzielle Vorsorge sind Segnungen Gottes. Doch sie dürfen niemals zu unserem eigentlichen Fundament werden. 

Vielleicht besteht unser persönliches Babylon aus dem Wunsch nach Kontrolle. Vielleicht glauben wir, alles müsse planbar sein. Vielleicht definieren wir unseren Wert über beruflichen Erfolg, über Anerkennung oder über Besitz. Vielleicht verlassen wir uns auf politische Stabilität oder gesellschaftliche Entwicklungen. 

Jesaja erinnert uns daran, dass all diese Dinge vergänglich sind. 

Nur Gottes Reich bleibt bestehen. 

Gerade deshalb endet Jesaja 14 nicht in Hoffnungslosigkeit. Nachdem Babylon gefallen ist, richtet sich der Blick auf Israel. Gott hat sein Bundesvolk nicht vergessen. Er sammelt es wieder. Er schenkt ihm Ruhe. 

Diese Hoffnung wird im Buch Mormon noch deutlicher. 2. Nephi 24 verbindet den Sturz Babylons unmittelbar mit der Sammlung Israels und der Ruhe des Millenniums. Während Babylon fällt, richtet Christus sein Friedensreich auf. Gericht und Erlösung gehören zusammen. Gott zerstört nicht, um zu vernichten, sondern um Platz für etwas Größeres zu schaffen. 

Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Heilsgeschichte. 

Nach der Sintflut begann Gott neu mit Noah. 

Nach dem Auszug aus Ägypten entstand ein Bundesvolk. 

Nach der Kreuzigung folgte die Auferstehung. 

Nach jedem geistlichen Winter bereitet Gott einen neuen Frühling vor. 

Dasselbe gilt auch für unser persönliches Leben. Manchmal lässt Gott Sicherheiten zerbrechen, damit wir lernen, uns wieder auf ihn zu verlassen. Was zunächst wie Verlust aussieht, wird später oft zum Beginn einer tieferen Beziehung zu Christus. 

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür finden wir in der neueren Geschichte der Kirche nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa. Jahrzehntelang schien es, als würden die politischen Grenzen auch dem Werk Gottes enge Grenzen setzen. Die Kirche bestand zwar weiter, doch Missionsarbeit, Reisen und der Austausch mit der Weltkirche waren stark eingeschränkt. Viele konnten sich kaum vorstellen, dass sich diese Verhältnisse jemals grundlegend ändern würden. Als jedoch der Kommunismus zusammenbrach, öffneten sich innerhalb kurzer Zeit Türen, die zuvor verschlossen gewesen waren. Missionare konnten wieder freier dienen, Gemeinden und Pfähle wuchsen, Tempel wurden leichter erreichbar, und das Werk des Herrn breitete sich in ganz Mittel- und Osteuropa auf neue Weise aus. Was Menschen für dauerhaft gehalten hatten, war vergangen – Gottes Werk aber ging weiter. Eine eindrucksvolle Schilderung dieser Ereignisse bietet “Heilige, Band 4 Kapitel 5: Keine Macht der Welt”. 

Präsident Dallin H. Oaks hat mehrfach betont, dass Jünger Christi ihre Hoffnung niemals auf vergängliche weltliche Sicherheiten setzen dürfen, sondern auf den ewigen Plan Gottes. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie zerbrechlich selbst die kostbarsten irdischen Segnungen sein können. Nach dem Tod seiner ersten Frau June bezeugte er immer wieder die Hoffnung, die das Sühnopfer Jesu Christi und der Plan der Erlösung schenken. Gerade persönliche Verluste lehren uns oft, was wirklich Bestand hat. Hierüber spricht Präsident Oaks beispielsweise in seiner Ansprache in der Herbst-Generalkonferenz 2019 “Vertrauen Sie auf den Herrn!” 

Vielleicht erleben wir heute keine zusammenbrechenden Weltreiche. Aber wir erleben immer wieder, wie Pläne scheitern, Sicherheiten schwinden und scheinbar feste Fundamente ins Wanken geraten. 

Dann erinnert uns Jesaja daran, dass Gottes Hand immer noch ausgestreckt ist. 

Nicht Babylon bestimmt den Ausgang der Geschichte. 

Nicht die Schlagzeilen. 

Nicht wirtschaftliche Entwicklungen. 

Nicht menschliche Macht. 

Christus ist der Herr der Geschichte. 

Christus ist der Herr der Geschichte. Deshalb muss unser Friede nicht davon abhängen, ob die Welt gerade ruhig oder unruhig ist. Der Erretter verheißt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch.“ (Johannes 14:27.) Babylon kann scheinbare Sicherheit anbieten – Christus aber schenkt einen Frieden, der selbst dann bestehen bleibt, wenn die Reiche dieser Welt ins Wanken geraten. 

Je mehr wir unser Vertrauen auf ihn setzen, desto weniger müssen wir fürchten, wenn die Reiche dieser Welt ins Wanken geraten. 

Ich empfinde diesen Gedanken gerade heute als tröstlich. Die Nachrichten wechseln beinahe täglich. Krisen folgen auf Krisen, und vieles wirkt unsicher. Doch Jesaja hebt meinen Blick über den Augenblick hinaus. Er erinnert mich daran, dass Gott niemals überrascht wird. Er kennt das Ende von Anfang an. Seine Verheißungen sind beständiger als jedes Weltreich. Deshalb möchte ich mein Leben immer wieder neu auf Christus gründen – auf den einzigen König, dessen Reich niemals untergeht.

Samstag, 19. September 2026

Siehe, Gott ist mein Heil

 

(Erstellt mit Copilot KI)

„Fürwahr, Gott ist mein Heil: ich bin voller Zuversicht und fürchte mich nicht! denn Gott, der HErr, ist meine Stärke und mein Lobgesang, und er ist mir ein Retter geworden!” (Jesaja 12:2

Jesaja 12 

Nach einer langen Wanderung durch die Berge gibt es oft einen Augenblick, den man nie vergisst. Der Weg war steil, manche Abschnitte mühsam, und immer wieder versperrten Felsen oder Nebel den Blick. Doch schließlich erreicht man den Gipfel. Plötzlich öffnet sich das Panorama. Was zuvor nur mühsam Schritt für Schritt erkämpft wurde, liegt nun als großes Ganzes vor den Augen. Die Anstrengung ist nicht vergessen – aber sie wird von der Freude übertroffen, das Ziel erreicht zu haben. 

So wirkt auch Jesaja 12. Nach elf Kapiteln voller ernster Warnungen, eindringlicher Aufrufe zur Umkehr und großartiger Verheißungen erhebt sich plötzlich ein Lobgesang. Der Prophet spricht nicht mehr vom Gericht, sondern von der Erlösung. Er beschreibt nicht mehr die Dunkelheit der Sünde, sondern die Freude derer, die erfahren haben, dass Gott sein Wort hält. Es ist, als wollte Jesaja sagen: Das ist das eigentliche Ziel aller göttlichen Zurechtweisung. Gott tadelt niemals, um zu zerstören. Er führt sein Volk immer zur Heilung und schließlich zur Freude in Christus. 

Schon der erste Vers macht diesen Gedanken deutlich: „An jenem Tage wirst du sagen: Ich danke dir, HERR!“ Dankbarkeit ist die natürliche Antwort eines Menschen, der Gottes Handeln erkannt hat. Wer erlebt hat, wie der Herr vergibt, trägt keinen Groll mehr gegen seine Zurechtweisung. Im Rückblick erkennt er sogar, dass Gottes Erziehung Ausdruck seiner Liebe war. Was einst schmerzhaft erschien, wird im Licht der Erlösung verständlich. 

Der Höhepunkt des Kapitels steht im Leitvers: „Fürwahr, Gott ist mein Heil: ich bin voller Zuversicht und fürchte mich nicht!“ Auffällig ist, dass Jesaja nicht sagt: „Gott schenkt mir Heil“, sondern: „Gott ist mein Heil.“ Das Heil ist nicht in erster Linie ein Zustand oder eine Belohnung. Es ist eine Person. Jahrhunderte später würde der Engel zu Josef sagen: „Du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von ihren Sünden erretten.“ In Jesus Christus erfüllt sich endgültig, was Jesaja prophetisch besingt. Er selbst ist unsere Hoffnung, unser Friede und unsere Erlösung. 

Gerade deshalb verschwindet die Angst. Nicht weil alle Schwierigkeiten sofort aufhören würden, sondern weil das Vertrauen größer geworden ist als die Furcht. Jesaja kennt die Bedrohungen seiner Zeit: Kriege, politische Unsicherheit und den drohenden Untergang Judas. Trotzdem schreibt er von einem Herzen, das ruhig geworden ist. Der Glaube verändert nicht immer sofort die Umstände – aber er verändert den Menschen, der mitten in diesen Umständen lebt. 

Ein wunderschönes Bild verwendet Jesaja im dritten Vers: „Und ihr werdet mit Jubel Wasser aus den Quellen des Heils schöpfen“ In einem trockenen Land bedeutete Wasser Leben. Wer eine Quelle fand, fand Hoffnung. Dieses Bild zieht sich durch die ganze Heilige Schrift. Jesus selbst greift es auf, als er der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen das „lebendige Wasser“ anbietet (Johannes 4). Später ruft er während des Laubhüttenfestes: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ (Johannes 7:37). Die Quelle, von der Jesaja spricht, ist letztlich Christus selbst. Wer zu ihm kommt, findet Vergebung, Kraft, Offenbarung und Frieden. 

Nephi erkannte, dass diese Worte weit über Jesajas eigene Zeit hinausweisen. Deshalb übernahm er dieses Kapitel vollständig in 2. Nephi 22. Bemerkenswert ist dabei der Zusammenhang. Unmittelbar zuvor beschreibt Nephi die Sammlung Israels, den Aufbau Zions und das zukünftige Friedensreich. Dadurch erhält Jesaja 12 eine zusätzliche Bedeutungsebene: Dieses Lied ist nicht nur der Dank eines einzelnen Menschen, sondern der Jubel eines erlösten Volkes. Es blickt prophetisch auf den Tag voraus, an dem Christus herrschen wird und Zion in seiner ganzen Herrlichkeit aufgerichtet ist. Der Lobgesang wird dann seine vollkommene Erfüllung finden. 

Gleichzeitig bleibt seine Botschaft erstaunlich persönlich. Jeder Jünger Christi darf schon heute etwas von dieser Freude erleben. Erlösung beginnt nicht erst am Ende unseres Lebens. Sie verändert bereits unseren Alltag. Wer weiß, dass Christus für ihn gestorben und auferstanden ist, begegnet Sorgen anders. Dankbarkeit verdrängt nach und nach die Bitterkeit. Hoffnung tritt an die Stelle der Verzweiflung. Vertrauen wächst dort, wo früher Angst das Herz beherrschte. 

Wie unmittelbar und persönlich dieses Vertrauen werden kann, hat mir mein Cousin Claus gerade in einem Kommentar zu meinem Beitrag “Gott ist mit uns” geschildert. Sein kleines Findeltier, eine verletzte Schildkröte, schien nach einer schweren Verletzung und einer Operation kaum noch eine Chance zu haben. Sie verweigerte zunächst Nahrung und Wasser. Claus betete dennoch intensiv und legte seine Hoffnung bewusst in die Hände Jesu Christi. Während er selbst nicht wusste, wie die Geschichte ausgehen würde, kam schließlich die Nachricht von seinem Nachbarn: Die Schildkröte hatte begonnen, frisches Löwenzahnblatt zu fressen. Für Claus war dieser unscheinbare Augenblick ein tiefes Zeichen dafür, dass sein Gebet nicht ins Leere gegangen war. Er schrieb dazu: „Ich weiß, wem ich vertraue.“ Mich berührt an diesem Erlebnis besonders, dass Claus nicht behauptet, er habe den Ausgang erzwingen können. Er vertraute vielmehr dem Erlöser und durfte dann einen Augenblick erleben, den er als Antwort auf sein Gebet empfand. Genau darin liegt für mich etwas von Jesajas Aussage: „Fürwahr, Gott ist mein Heil: ich bin voller Zuversicht und fürchte mich nicht.“ (Jesaja 12:2). Das Vertrauen kommt nicht daher, dass wir wissen, was geschehen wird. Es kommt daher, dass wir wissen, wem wir vertrauen

Präsident Russell M. Nelson hat in seiner Generalkonferenzansprache Freude und geistiges Überleben (Oktober 2016) erklärt, dass die Freude, von der das Evangelium spricht, nicht von unseren äußeren Umständen abhängt. Sie wurzelt in unserer Beziehung zu Jesus Christus. Selbst wenn Prüfungen andauern, kann unser Herz Frieden finden, wenn wir unseren Blick auf den Erretter richten. Diese Botschaft erinnert unmittelbar an Jesajas Worte: „Ich vertraue und fürchte mich nicht.“ Gerade in einer Welt voller Unsicherheit ist diese Zusage aktueller denn je. 

Auch Elder Dieter F. Uchtdorf hat immer wieder davon gesprochen, dass christliche Hoffnung weit mehr ist als optimistisches Wunschdenken. Sie gründet sich auf den lebendigen Christus und auf seine Verheißungen. Vielleicht spricht er deshalb so eindringlich über Hoffnung, weil er sie selbst erfahren hat. Als Kind musste seine Familie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat fliehen. Unsicherheit, Verlust und Neuanfang prägten diese Jahre. Dennoch berichtet Elder Uchtdorf immer wieder, wie seine Eltern trotz aller Schwierigkeiten ihr Vertrauen auf den Herrn setzten und dadurch Frieden fanden. Dieses Vertrauen entsprach genau dem, was Jesaja beschreibt: Nicht die äußeren Umstände nahmen die Angst, sondern die Gewissheit, dass Gott sein Volk nicht verlässt. Gerade deshalb ist Hoffnung eine Kraft, die selbst in dunklen Zeiten Licht schenkt. 

Jesaja endet jedoch nicht bei der persönlichen Freude. Er fordert sein Volk auf: „Verkündigt unter den Völkern seine Taten, macht kund, dass sein Name hoch erhaben ist!“ Wer Gottes Güte erlebt hat, möchte sie nicht für sich behalten. Mission entsteht nicht zuerst aus Pflichtgefühl, sondern aus Dankbarkeit. Ein Herz, das von Christus erfüllt ist, spricht ganz natürlich von ihm. So wird aus persönlicher Erlösung ein Segen für andere Menschen. 

Damit schließt sich auch der Bogen über die ersten zwölf Kapitel des Buches Jesaja. Sie beginnen mit einem Volk, das sich weit von Gott entfernt hat. Sie sprechen von Sünde, Gericht und den Folgen des Ungehorsams. Doch immer wieder öffnet Jesaja den Blick auf den kommenden Messias, auf den heiligen Überrest, auf die Sammlung Israels und auf das Friedensreich Christi. Schließlich endet alles in einem einzigen Lied der Freude. Das ist die eigentliche Botschaft dieser ersten großen Jesaja-Einheit: Gottes Werk hat immer die Erlösung zum Ziel. Sein letztes Wort ist nicht das Gericht, sondern die Gnade. Nicht die Angst, sondern die Hoffnung. Nicht der Tod, sondern das Leben in Jesus Christus. 

Ich bin dankbar, dass Jesaja uns nicht nur lehrt, was Gott von uns erwartet, sondern vor allem zeigt, wer Gott ist. Er ist unser Heil. Wenn wir unser Vertrauen auf Jesus Christus setzen, verlieren die Herausforderungen des Lebens nicht plötzlich ihre Schwere. Aber sie verlieren ihre Macht, uns die Hoffnung zu rauben. Je näher wir dem Erretter kommen, desto mehr wird Dankbarkeit zu einer täglichen Haltung unseres Herzens. Und ich glaube, dass wir schon heute beginnen können, jenes Lied zu singen, das eines Tages ganz Zion erfüllen wird: „Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und fürchte mich nicht.“


Freitag, 18. September 2026

Aus dem Baumstumpf Isais wächst neues Leben

 

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„Sodann wird ein Reis aus dem Stumpfe Isai’s hervorgehen und ein Schößling aus seinen Wurzeln Frucht tragen; 2 und der Geist des HErrn wird auf ihm ruhen: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Heldenkraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HErrn.“ (Jesaja 11:1–2

Jesaja 10 und 11 

Es gibt Bilder in der Heiligen Schrift, die sich tief ins Herz einprägen. Eines davon ist ein Baumstumpf. Wo einst ein mächtiger Baum stand, bleibt nur ein abgesägter Stamm zurück. Wer daran vorbeigeht, sieht das Ende. Der Waldarbeiter hat seine Arbeit getan, das Leben scheint verschwunden. Kaum jemand erwartet dort noch Wachstum. 

Doch Gott sieht anders. 

Jesaja richtet seinen Blick genau auf einen solchen Baumstumpf. Das Haus Davids, einst voller Herrlichkeit, war durch Untreue, Krieg und Gericht nahezu vollständig zerstört worden. Die königliche Linie schien abgeschnitten. Für viele Menschen war alle Hoffnung verloren. 

Und genau dort beginnt Gottes Geschichte neu. 

„Dann wird ein Reis hervorgehen aus dem Stumpf Isais.“ 

Der Messias erscheint nicht aus menschlicher Stärke, sondern aus dem, was für die Welt hoffnungslos aussieht. Nicht ein gewaltiger Baum wächst weiter, sondern ein unscheinbarer Trieb. Gerade darin offenbart sich Gottes Macht. Er schafft Leben dort, wo Menschen nur das Ende sehen. 

Diese Botschaft verbindet Jesaja 10 und 11 zu einer großen Einheit. Kapitel 10 beschreibt zunächst das Gericht über Assyrien. Gott benutzt die Weltmacht als Werkzeug seines Gerichts, macht aber zugleich deutlich, dass auch Assyrien wegen seines Hochmuts gerichtet werden wird. Schließlich endet das Kapitel mit dem Bild eines gefällten Waldes. Gewaltige Bäume werden umgehauen. Alles scheint verloren. 

Doch unmittelbar danach beginnt Kapitel 11 mit einem neuen Anfang. 

Aus dem Stumpf wächst neues Leben. 

Gericht ist bei Gott niemals das letzte Wort. Sein Ziel ist immer Erlösung. 

Gerade deshalb misst Nephi diesen Kapiteln eine außergewöhnliche Bedeutung bei. In seinem Bericht finden wir Jesaja 10 als 2. Nephi 20 und Jesaja 11 als 2. Nephi 21. Nephi erklärt mehrfach, dass er Jesaja gerade deshalb zitiert, weil dessen Worte besonders für die Menschen der letzten Tage bestimmt sind (vgl. 2. Nephi 25). Wer diese Kapitel liest, liest sie deshalb nicht nur als Geschichte Judas vor über zweieinhalbtausend Jahren, sondern auch als Prophetie für unsere Zeit. 

Die Wiederherstellung bestätigt diese Sicht noch eindrucksvoller. 

In Lehre und Bündnisse 113 beantwortet der Prophet Joseph Smith Fragen zu Jesaja 11. Dort erklärt der Herr selbst, dass verschiedene Aussagen dieses Kapitels ihre besondere Erfüllung in den Letzten Tagen finden. Der „Spross“, die „Wurzel Isais“ und das aufgerichtete Banner beziehen sich nicht nur auf das erste Kommen Christi, sondern auch auf sein Werk der Sammlung Israels vor seiner Wiederkunft. 

Damit wird deutlich: Jesaja 11 gehört zu den messianischsten Kapiteln der gesamten Bibel. 

Christus steht im Mittelpunkt jeder einzelnen Aussage. 

Jesaja beschreibt ihn zunächst als gerechten König. 

„Er richtet nicht nach dem, was seine Augen sehen, und entscheidet nicht nach dem Hörensagen.“ (Jesaja 11:3

Wie oft urteilen Menschen nach dem ersten Eindruck. Wir sehen Äußerlichkeiten, hören Gerüchte oder lassen uns von Vorurteilen beeinflussen. Christus dagegen kennt jedes Herz vollkommen. 

Diese Wahrheit begegnet uns auch im Buch Mormon. Als der auferstandene Herr zu den Nephiten spricht, erklärt er, dass sein Gericht vollkommen gerecht sein wird, weil er die Gedanken und Absichten des Herzens kennt (vgl. 3. Nephi 27). Niemand wird missverstanden, niemand ungerecht behandelt werden. Welche tröstliche Aussicht für alle, die sich missverstanden fühlen. 

Jesaja richtet den Blick dann noch weiter nach vorn. 

Er beschreibt eine Welt, in der Wolf und Lamm zusammen wohnen, Leopard und Böcklein beieinander liegen, ein kleines Kind wilde Tiere führt und die Erde erfüllt ist von der Erkenntnis Gottes. 

Diese Verse gehören zu den bekanntesten Bildern des Millenniums. 

Ob jedes Detail wörtlich oder bildlich zu verstehen ist, darüber wurde viel gesprochen. Doch die Botschaft ist eindeutig: Christus wird eine Welt schaffen, in der Gewalt, Hass und Angst keinen Platz mehr haben. 

Wie sehr sehnt sich unsere Welt danach. 

Täglich erreichen uns Nachrichten über Kriege, Terror, Spannungen und Unsicherheit. Jesaja erinnert uns daran, dass dies nicht Gottes endgültiger Plan ist. Das letzte Kapitel der Weltgeschichte wird nicht von den Mächtigen dieser Erde geschrieben, sondern vom Friedefürsten. 

Besonders bedeutsam wird das letzte Drittel des Kapitels. 

Jesaja spricht davon, dass der Herr sein Volk „zum zweiten Mal“ sammeln wird. 

Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gehört dieser Abschnitt zu den grundlegenden Prophezeiungen über die Wiederherstellung. 

Dieses „zweite Mal“ weist auf das Werk hin, das mit Joseph Smith begonnen hat: die Wiederherstellung des Evangeliums, die Sammlung Israels, das weltweite Missionswerk und die Tempelarbeit. Christus selbst ist das Banner, zu dem alle Völker eingeladen werden. 

Heute erleben wir die Erfüllung dieser Prophezeiung in nahezu jedem Land der Erde. 

Immer neue Tempel entstehen. Millionen Menschen hören das Evangelium. Familien werden durch heilige Bündnisse verbunden. 

Jesaja blickte über zweieinhalb Jahrtausende voraus und sah bereits das, was wir heute erleben dürfen. 

Ein bewegendes Beispiel dafür stammt diesmal aus den internationalen Mitgliederberichten der Kirche und passt genau in unser Rotationsprinzip. 

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Geschichten aus Westafrika veröffentlicht – von Mitgliedern, die jahrzehntelang auf das Evangelium und schließlich auf einen Tempel in erreichbarer Nähe gewartet hatten. Viele legten früher tagelange Reisen über Landesgrenzen hinweg zurück, um erstmals im Tempel sein zu können. Manche sparten jahrelang jeden entbehrlichen Betrag für eine einzige Tempelreise. 

Heute stehen Tempel in mehreren afrikanischen Ländern. Für viele Mitglieder erfüllte sich damit ein Traum, den ihre Eltern oder Großeltern kaum für möglich gehalten hatten. 

Was für andere nur ein neues Gebäude ist, bedeutet für sie die Erfüllung einer alten Verheißung: Gott sammelt sein Volk. 

Aus scheinbar unfruchtbarem Boden wächst neues Leben. 

Aus einem Stumpf wird wieder ein Baum. 

Dasselbe erleben wir oft auch ganz persönlich. 

Wenn dich die Erfüllung dieser Verheißungen weiter interessiert, findest du auf der Übersichtsseite „The Church in Africa“ einen eindrucksvollen Überblick über die Entwicklung der Kirche auf dem afrikanischen Kontinent – von den ersten Gemeinden bis zur heutigen Sammlung Israels mit Tempeln, Missionen und einer schnell wachsenden Mitgliedschaft. 

Vielleicht gibt es Zeiten, in denen wir auf unser eigenes Leben schauen und nur noch den abgesägten Stamm sehen. Eine zerbrochene Beziehung. Eine schwere Krankheit. Ein beruflicher Misserfolg. Eine Glaubenskrise. Unerfüllte Hoffnungen. 

Wir denken vielleicht: Hier wächst nichts mehr. 

Doch Gottes Wege beginnen oft genau dort, wo unsere Möglichkeiten enden. 

Der Herr entfernt nicht immer sofort den Schmerz. Aber er lässt neues Leben entstehen. Manchmal langsam. Oft unbemerkt. Fast unscheinbar wie ein kleiner Trieb an einem alten Baumstumpf. 

Wer Jahre später zurückblickt, erkennt häufig, dass gerade diese schweren Zeiten die tiefsten geistigen Wurzeln hervorgebracht haben. 

Jesaja lädt uns deshalb ein, unseren Blick weniger auf den abgesägten Baum als auf den kleinen grünen Trieb zu richten. 

Christus ist dieser Trieb. 

Er bringt Hoffnung, wo Hoffnung verloren scheint. 

Er bringt Frieden in eine unruhige Welt. 

Er sammelt seine Kinder aus allen Nationen. 

Er bereitet sein Friedensreich vor. 

Und er kann auch in unserem Herzen neues Leben wachsen lassen. 

Ich bin dankbar, dass Jesaja nicht beim Gericht stehen bleibt. Er führt unseren Blick immer weiter auf Jesus Christus. Wenn ich Kapitel 10 und 11 gemeinsam lese, erkenne ich, dass Gott niemals beim Ende stehen bleibt. Hinter jedem scheinbaren Abschluss wartet bereits ein neuer Anfang, den nur er sehen kann. Dieses Wissen gibt mir Zuversicht. Es stärkt meinen Glauben daran, dass der Herr auch aus den trockensten Stümpfen meines Lebens neues Wachstum hervorbringen kann. Deshalb vertraue ich ihm – heute und in Zukunft.

Donnerstag, 17. September 2026

Gott ist mit uns

 

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„Das Volk, das in Finsternis wandelt, wird ein großes Licht erblicken, über denen, die in umnachtetem Lande wohnen, wird Licht aufstrahlen.“ (Jesaja 9:1

Jesaja 7, 8 und 9 

Die Kapitel 7 bis 9 des Buches Jesaja gehören zu den bekanntesten Prophezeiungen des Alten Testaments. Selbst Menschen, die nur selten in der Bibel lesen, kennen die Worte: „Siehe, die Jungfrau wird guter Hoffnung werden“ oder „Ein Kind ist uns geboren.“ Gerade in der Weihnachtszeit werden sie oft zitiert. Doch Jesaja wollte weit mehr vermitteln als eine zukünftige Geburtsankündigung. Er zeigte, wie Gott seinem Bundesvolk in einer Zeit größter Unsicherheit Hoffnung schenkt – und warum diese Hoffnung letztlich nur in Jesus Christus zu finden ist. 

Die Ereignisse spielen sich in einer politischen Krise ab. Juda wird von mächtigen Nachbarvölkern bedroht. König Ahas steht unter gewaltigem Druck. Menschlich betrachtet scheint seine Entscheidung vernünftig: Er sucht Hilfe beim assyrischen Großreich. Militärische Bündnisse, diplomatische Beziehungen und politische Stärke erscheinen ihm sicherer als das Wort Gottes. 

Der Herr sendet Jesaja zu ihm. Der Prophet fordert den König auf, sich nicht zu fürchten und Gott zu vertrauen. Ja, Gott bietet ihm sogar an, ein Zeichen zu erbitten. Doch Ahas lehnt scheinbar fromm ab: „Ich will nicht fordern und den HERRN nicht versuchen.“ (Jesaja 7:12). Tatsächlich war dies keine Demut, sondern Unglaube. Sein Herz hatte sich bereits entschieden. Er wollte seine Sicherheit lieber bei Menschen suchen als beim Herrn. 

Wie aktuell diese Begebenheit ist. 

Auch wir stehen immer wieder vor Entscheidungen, in denen wir uns fragen: Worauf baue ich mein Vertrauen? Auf Geld? Auf Versicherungen? Auf politische Entwicklungen? Auf meine Fähigkeiten? Oder auf den lebendigen Gott? Natürlich fordert das Evangelium keine Gedankenlosigkeit. Kluge Planung gehört zu einem verantwortungsvollen Leben. Doch Jesaja macht deutlich, dass jede menschliche Absicherung zerbrechlich wird, wenn sie an die Stelle unseres Vertrauens auf Gott tritt. 

Gerade hierin liegt eine wichtige Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums. Präsident Russell M. Nelson hat wiederholt gelehrt, dass die geistige Stärke der Letzten Tage nicht aus äußeren Umständen erwächst, sondern aus Offenbarung durch den Heiligen Geist. Wer lernt, die Stimme des Herrn zu hören, besitzt einen Anker, den keine weltliche Krise erschüttern kann. 

Mitten in diese politische Krise hinein spricht Jesaja die erstaunlichen Worte: 

„Darum wird der Allherr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird guter Hoffnung werden und einen Sohn gebären und ihm den Namen Immanuel geben.“ (Jesaja 7:14

Im unmittelbaren historischen Zusammenhang war dieses Zeichen zunächst eine Zusicherung dafür, dass Gott sein Bundesvolk nicht verlassen hatte. Doch durch weitere Offenbarung erkennen wir die tiefere Erfüllung dieser Worte in Jesus Christus. Matthäus zitiert diese Prophezeiung ausdrücklich und erklärt, dass sie sich in der Geburt des Erlösers erfüllt hat (Matthäus 1:22–23). 

Immanuel bedeutet: „Gott mit uns.“ 

Gerade dieser Name beschreibt das Wesen des Evangeliums. Gott blieb nicht fern. Er sandte seinen eingeborenen Sohn in eine gefallene Welt. Jesus Christus kennt Krankheit, Einsamkeit, Versuchung, Trauer und Schmerz. Durch das Sühnopfer im Garten Getsemani und am Kreuz ist er buchstäblich mit uns in unseren dunkelsten Stunden. 

Das Buch Mormon bestätigt diese Wahrheit eindrucksvoll. Alma bezeugte: 

„Und er wird Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art auf sich nehmen ... damit sein Inneres von Barmherzigkeit erfüllt werde.“ (Alma 7:11–12

Wie Scripture Central hervorhebt, verstand Nephi die Prophezeiungen Jesajas nicht nur als Botschaft für das damalige Juda, sondern auch als Zeugnis von Jesus Christus und als Offenbarung für spätere Generationen. Deshalb forderte er seine Leser auf, Jesajas Worte auf sich selbst anzuwenden. Viele Prophezeiungen besitzen daher eine unmittelbare historische Bedeutung und zugleich eine weiterreichende Erfüllung im Messias und in den Letzten Tagen.  

Vertiefende Quellen: 

Jesaja beschreibt anschließend den Unterschied zwischen Glauben und Unglauben auf eindrucksvolle Weise. Während viele Menschen Zauberer, Wahrsager oder politische Macht suchen, fordert er: 

„Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen?“ (Jesaja 8:19

Auch diese Frage trifft unsere Zeit. 

Heute vertrauen viele Menschen lieber auf soziale Medien, Meinungsführer, künstliche Intelligenz oder ständig wechselnde gesellschaftliche Strömungen. Informationen sind überall verfügbar. Weisheit dagegen bleibt selten. Offenbarung ersetzt keine Suchmaschine. 

Elder David A. Bednar hat in seiner Generalkonferenzansprache Der Geist der Offenbarung eindrucksvoll erklärt, dass der Heilige Geist häufig leise und beständig wirkt und uns Schritt für Schritt führt, wenn wir bereit sind, auf den Herrn zu hören. Gerade Jesaja zeigt, dass Gottes Führung selten spektakulär beginnt, aber immer zuverlässig ist. 

Dann öffnet sich der Blick weit über die damalige Zeit hinaus. 

„Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns geschenkt; die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und sein Name lautet: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst.“ (Jesaja 9:5

Kaum eine Prophezeiung beschreibt Jesus Christus umfassender. 

Er ist der Wunderbare Ratgeber, weil seine Weisheit unsere begrenzte Sicht übersteigt. 

Er ist der starke Gott, weil keine Macht stärker ist als seine Erlösung. 

Er ist der Ewig-Vater im Sinne der Schrift, weil er als Schöpfer und Bundesmittler ewiges Leben ermöglicht. 

Und er ist der Friedefürst, weil wahrer Friede niemals zuerst von äußeren Umständen abhängt, sondern von einer versöhnten Beziehung zu Gott. 

Die Wiederherstellung hilft uns, diese Titel noch besser zu verstehen. Moderne Offenbarung erklärt die unterschiedlichen Rollen des Vaters und des Sohnes und zeigt zugleich, weshalb Christus in bestimmten Zusammenhängen als „Vater“ bezeichnet wird – nämlich als Schöpfer der Erde und Vater der geistigen Wiedergeburt derjenigen, die seinen Bund annehmen (vgl. Mosia 15). 

Besonders bewegend ist Jesajas Bild vom Licht. 

Licht vertreibt die Finsternis nicht durch Kampf, sondern einfach dadurch, dass es erscheint. 

So wirkt Christus. 

Oft verändert er nicht sofort unsere äußeren Umstände. Aber er verändert unser Herz. Hoffnung kehrt zurück. Angst verliert ihre Macht. Orientierung wird möglich. 

Ein berührendes Beispiel aus der neueren Geschichte der Kirche stammt von Präsident Thomas S. Monson. Immer wieder erzählte er, wie wichtig es sei, in schwierigen Zeiten dem Herrn zu vertrauen und seinen Eingebungen unverzüglich zu folgen. Besonders in seinen Besuchen bei den Heiligen in der ehemaligen DDR zeigte sich dieses Vertrauen. Jahrzehntelang schienen politische Grenzen unüberwindbar. Dennoch hielt Präsident Monson unbeirrt an Gottes Verheißungen fest. Schließlich öffnete der Herr Wege, die zuvor unmöglich erschienen – bis hin zum Bau des Freiberg-Tempels. Viele Mitglieder berichteten später, dass sie gerade in Zeiten äußerer Einschränkungen den tiefsten inneren Frieden erfahren hatten. Gottes Licht war stärker als politische Dunkelheit. (Lies hierzu sehr gerne: “Geistliches Wirken und Wunder in der DDR”) 

Diese Erfahrung erinnert unmittelbar an Jesajas Botschaft. Das Licht Gottes verschwindet nicht, weil die Welt dunkel wird. Gerade dann leuchtet es am hellsten. 

Auch heute erleben Mitglieder der Kirche weltweit ähnliche Erfahrungen – sei es in Kriegsgebieten, nach Naturkatastrophen oder unter persönlichem Leid. Immer wieder zeigt sich dieselbe Wahrheit: Christus nimmt nicht jede Prüfung weg, aber er geht mit uns hindurch. 

Vielleicht besteht unsere größte Herausforderung darin, Gott nicht erst dann zu vertrauen, wenn wir seine Lösungen bereits erkennen können. Ahas wollte zuerst Sicherheit und dann Glauben. Das Evangelium lehrt den umgekehrten Weg: zuerst Glauben, dann offenbart der Herr seinen Weg. 

Jesaja lädt uns deshalb ein, den Blick von unseren Ängsten auf den Erlöser zu richten. 

Denn Immanuel ist nicht nur ein Name aus alter Zeit. 

Er ist eine Verheißung für jeden von uns. 

Gott ist mit uns. 

Auch heute. 

Gerade heute. 

Davon lege ich gerne Zeugnis ab. Je länger ich den Erlöser kennenlerne, desto mehr erkenne ich, dass seine Gegenwart oft still wirkt. Nicht jede Frage wird sofort beantwortet, nicht jede Sorge verschwindet augenblicklich. Aber immer wieder durfte ich erleben, dass der Herr Licht schenkt, wenn der nächste Schritt getan werden muss. Sein Friede übersteigt menschliches Verstehen. Deshalb vertraue ich darauf, dass Jesus Christus tatsächlich der verheißene Immanuel ist – der Friedefürst, dessen Licht keine Finsternis überwinden kann. Dafür bin ich von Herzen dankbar.

Mittwoch, 16. September 2026

Hier bin ich, sende mich

 

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„Darauf hörte ich die Stimme des Allherrn sagen: „Wen soll ich senden, und wer wird unser Bote sein?” Ich antwortete: „Hier bin ich, sende mich!”” (Jesaja 6:8

Jesaja 6 

Es gibt Augenblicke im Leben, die alles verändern. Manchmal dauern sie nur wenige Sekunden. Ein Gedanke. Ein Gebet. Eine Begegnung. Ein Eindruck des Heiligen Geistes. Hinterher ist nichts mehr wie zuvor. 

Jesaja beschreibt einen solchen Augenblick. Mitten in einer Zeit politischer Unsicherheit und persönlicher Erschütterung – „im Todesjahr des Königs Usija“ – öffnet sich plötzlich der Himmel. Der Prophet sieht den Herrn auf einem hohen und erhabenen Thron sitzen. Der Saum seines Gewandes erfüllt den Tempel. Seraphim stehen vor ihm und rufen unaufhörlich: 

„Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!“ (Jesaja 6:3). 

Diese wenigen Worte gehören zu den gewaltigsten Bildern der gesamten Heiligen Schrift. Sie beschreiben nicht nur Gottes Macht, sondern vor allem seine vollkommene Heiligkeit. Im Hebräischen wird eine Wiederholung zur Verstärkung benutzt. Wenn etwas zweimal gesagt wird, ist es wichtig. Dreimal ausgesprochen bedeutet höchste Steigerung. Gott ist nicht einfach heilig. Er ist heilig, heilig, heilig. Vollkommen rein. Ohne Schatten. Ohne Sünde. Ohne jede Unvollkommenheit. 

Wer Gottes Heiligkeit wirklich erkennt, beginnt fast automatisch, die eigene Unvollkommenheit zu sehen. 

Genau das geschieht Jesaja. 

Statt sich geehrt zu fühlen, bricht er innerlich zusammen. 

„Wehe mir! Ich bin verloren! Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich und wohne unter einem Volk mit unreinen Lippen; und dennoch haben meine Augen den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen.“ (Jesaja 6:5). 

Diese Reaktion begegnet uns immer wieder in den heiligen Schriften. Als Petrus die Macht Jesu erkennt, ruft er aus: „Herr, gehe von mir hinaus; denn ich bin ein sündiger Mensch!“ (Lukas 5:8). Alma fällt nach seiner Bekehrung in tiefe Reue (Alma 36). Auch Henoch fragt den Herrn: „Warum habe ich Gnade gefunden in deinen Augen? Denn ich bin nur ein Knabe.“ (Mose 6:31). 

Je näher Menschen Gott kommen, desto weniger beeindrucken sie sich selbst. 

Das ist keine zerstörerische Selbstverachtung. Es ist Demut. Der Stolze vergleicht sich mit anderen Menschen. Der Demütige vergleicht sich mit Christus. 

Doch bemerkenswert ist, dass Gott Jesaja nicht in diesem Zustand lässt. 

Ein Seraph fliegt mit einer glühenden Kohle vom Altar herbei und berührt seine Lippen. 

„Siehe, diese hat deine Lippen berührt; damit ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt.“ (Jesaja 6:7). 

Die glühende Kohle ist ein kraftvolles Sinnbild für das Sühnopfer Jesu Christi. Jesaja reinigt sich nicht selbst. Er spricht sich nicht selbst frei. Die Reinigung kommt von Gott. 

Wie oft glauben wir, zuerst besser werden zu müssen, bevor Gott uns gebrauchen kann. Doch Jesaja zeigt das Gegenteil. 

Der Herr beruft keine vollkommenen Menschen. 

Er macht berufene Menschen vollkommen – Schritt für Schritt. 

Vielleicht besteht gerade darin eine der größten Lektionen dieses Kapitels. Gottes Werk wird nicht von fehlerlosen Menschen getragen, sondern von Menschen, die bereit sind, sich reinigen zu lassen. 

Erst nach dieser Reinigung ertönt die Frage: 

„Wen soll ich senden?“ 

Interessanterweise wird Jesaja gar nicht direkt angesprochen. Gott zwingt niemanden. Er lädt ein. 

Und Jesaja antwortet sofort: 

„Hier bin ich, sende mich!“ 

Kein Zögern. 

Keine Bedingungen. 

Keine Verhandlungen. 

Nur Bereitschaft. 

Diese Worte erinnern unmittelbar an Henoch. Auch er fühlte sich ungeeignet. Er konnte nach eigener Aussage nicht gut reden und war jung und unerfahren. Doch der Herr antwortete: 

„Öffne deinen Mund, und er wird erfüllt werden.“ (Mose 6:32). 

Henoch wurde nicht berufen, weil er bereits alles konnte. 

Er wurde befähigt, weil er bereit war. 

Ganz ähnlich beginnt auch das Buch Mormon. Lehi erhält eine Vision Gottes (1 Nephi 1). Zunächst erschrickt er über die Heiligkeit Gottes und die kommende Zerstörung Jerusalems. Dennoch nimmt er den Auftrag an und beginnt zu predigen – obwohl er weiß, dass viele ihn ablehnen werden. 

Auch Joseph Smith erlebte zunächst Gottes Heiligkeit, bevor seine eigentliche Berufung begann. Die Erste Vision war nicht in erster Linie eine Antwort auf eine theologische Frage. Sie war eine Begegnung mit der Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes. Aus dieser Begegnung erwuchs ein ganzes Leben im Dienst Gottes. 

Immer wieder beginnt göttliche Berufung mit einer Begegnung mit Gott selbst. 

Doch dann folgt in Jesaja etwas Überraschendes. 

Man würde erwarten, dass Gott nun verheißt: „Alle werden auf dich hören.“ 

Stattdessen sagt der Herr praktisch das Gegenteil. 

Jesaja soll predigen. 

Aber viele werden nicht hören. 

Viele werden ihre Herzen verschließen. 

Auf den ersten Blick wirkt das hart. 

Hat Gott selbst die Verstockung bewirkt? 

Die hebräische Ausdrucksweise macht deutlich, dass Jesajas Predigt die bereits vorhandene Herzenshaltung des Volkes offenlegt. Dasselbe Sonnenlicht, das Wachs weich macht, härtet Lehm. Gottes Wort wirkt nicht willkürlich verstockend; vielmehr bringt es ans Licht, was bereits im Herzen vorhanden ist. 

Auch Jesus zitierte diese Verse später mehrfach (Matthäus 13). Viele hörten seine Worte, aber nicht alle waren bereit, sie anzunehmen. 

Jesajas Auftrag bestand deshalb nicht darin, Menschen erfolgreich zu verändern. 

Seine Aufgabe war Treue. 

Das Ergebnis lag bei Gott. 

Das ist eine wichtige Lektion für jeden Jünger Christi. 

Wir erleben manchmal, dass Familienmitglieder unseren Glauben nicht verstehen. Freunde interessieren sich nicht für das Evangelium. Ein Unterricht scheint niemanden zu erreichen. Ein Gespräch endet enttäuschend. 

Doch Gott misst unseren Dienst nicht allein am sichtbaren Erfolg. 

Er fragt nach unserer Treue. 

In der Kirche Jesu Christi erhalten wir viele verschiedene Berufungen. Manche sind öffentlich sichtbar, andere geschehen fast unbemerkt. Ein Primarlehrer bereitet sich sorgfältig vor. Eine Besuchsschwester hört geduldig zu. Ein Pfahlpräsident trifft schwierige Entscheidungen. Eltern lehren ihre Kinder Tag für Tag das Evangelium. 

Nicht jede Saat geht sofort auf. 

Aber keine treue Aussaat bleibt Gott verborgen. 

Ein bewegendes Beispiel dafür gab Präsident Henry B. Eyring. Mehrfach hat er erzählt, dass er sich zu Beginn neuer Berufungen seiner eigenen Unzulänglichkeit sehr bewusst war. Er schilderte, wie er lernte, nicht auf die eigene Fähigkeit zu vertrauen, sondern auf die Hilfe des Herrn. Gerade in Momenten, in denen er sich unzureichend fühlte, erlebte er, wie der Heilige Geist Worte eingab, Menschen vorbereitete und seine Schwächen ergänzte. Seine Erfahrungen zeigen eindrucksvoll, dass Berufungen letztlich nicht auf menschlicher Begabung beruhen, sondern auf göttlicher Gnade und Bereitschaft zum Dienen. Seine Ansprachen über Berufung, Offenbarung und den Beistand des Herrn greifen dieses Thema immer wieder auf und machen Mut, Gottes Ruf trotz eigener Unsicherheit anzunehmen. 

Jesaja endet erstaunlicherweise nicht mit Gericht. 

Mitten im Gericht erscheint Hoffnung. 

Es bleibt ein heiliger Same. 

Ein Überrest. 

Ein neuer Anfang. 

Das zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch Jesaja. Gottes Gerichte dienen niemals der Vernichtung um ihrer selbst willen. Sie reinigen. Sie bereiten vor. Sie öffnen den Weg für Erlösung durch den Messias. 

Auch unser persönliches Leben kennt solche Zeiten. Manchmal erschüttert Gott nicht, um zu zerstören, sondern um Platz für etwas Neues zu schaffen. Alte Sicherheiten verschwinden. Eigene Vorstellungen zerbrechen. Doch gerade dann entsteht Raum für seine Berufung. 

Vielleicht hören wir seine Stimme heute nicht in einer Tempelvision wie Jesaja. 

Vielleicht geschieht sie still während eines Gebets. 

Beim Lesen der heiligen Schriften. 

Während des Abendmahls. 

Oder durch einen leisen Eindruck des Heiligen Geistes. 

Die eigentliche Frage bleibt dieselbe. 

„Wen soll ich senden?“ 

Und vielleicht wartet der Herr noch immer auf dieselbe Antwort. 

„Hier bin ich.“ 

Ich bin überzeugt, dass Gott auch heute Menschen beruft, die sich selbst für ungenügend halten. Er sucht keine Perfektion, sondern ein williges Herz. Das Sühnopfer Jesu Christi macht uns rein, seine Gnade macht uns stark, und sein Geist befähigt uns, Aufgaben zu erfüllen, die unsere eigenen Kräfte übersteigen. Ich weiß, dass der Herr auch heute spricht. Wer bereit ist zuzuhören und zu antworten, wird erleben, dass aus einem einfachen „Hier bin ich“ ein Leben im Dienst des Herrn werden kann.

Dienstag, 15. September 2026

Vertraue nicht auf Menschen

 

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„Laßt mich doch einmal von meinem Herzensfreunde singen, nämlich das Lied meines Freundes von seinem Weinberg! Einen Weinberg hatte mein Herzensfreund an einer fruchtbaren Anhöhe. 2 Er grub ihn um, säuberte ihn von Steinen und bepflanzte ihn mit Edelreben; er baute einen Turm mitten in ihm, hieb auch gleich eine Kelterkufe in ihm aus und wartete dann darauf, daß er Trauben hervorbringe; doch er brachte nur Herlinge (= Herblinge) hervor.“ (Jesaja 5:1–2

Jesaja 3, 4 und 5 

Manchmal liegt die größte Tragik nicht darin, dass etwas zerstört wird, sondern darin, dass etwas Großartiges sein Ziel verfehlt. Ein sorgfältig gepflegter Garten, der keine Früchte trägt. Ein Instrument, das nie gespielt wird. Ein Leben voller Möglichkeiten, das sich schließlich nur um sich selbst dreht. 

Jesaja beschreibt genau diese Tragik. Seine Worte beginnen nicht mit einer Gerichtsrede, sondern mit einem Liebeslied. Es ist die Geschichte eines Weinbergs, in den alles investiert wurde: Zeit, Mühe, Schutz und Hoffnung. Gott schildert sich selbst als liebevollen Besitzer, der nichts unversucht gelassen hat. Der Boden wurde vorbereitet, Steine entfernt, die besten Reben gepflanzt und ein Turm gebaut. Alles war vorhanden, damit der Weinberg gute Früchte hervorbringen konnte. 

Doch am Ende wachsen nur wilde Trauben. 

Dieses Bild zieht sich wie ein roter Faden durch Jesaja 3 bis 5. Hinter den politischen Ereignissen, den sozialen Missständen und den Ankündigungen des Gerichts steht immer dieselbe Frage: Was geschieht mit einem Volk, das alle Segnungen Gottes empfängt, aber ihm sein Herz nicht mehr schenkt? 

Jesaja beginnt mit einer schonungslosen Analyse Jerusalems. Die Führer verlassen sich auf ihre eigene Klugheit. Reiche häufen Besitz an. Einflussreiche Menschen beugen das Recht. Stolz ersetzt Demut. Äußerer Wohlstand verdeckt innere Armut. 

Besonders eindrucksvoll ist, dass Gott nicht zuerst die Feinde Israels anklagt. Er richtet seinen Blick auf sein eigenes Bundesvolk. 

Das ist ein Muster, das sich durch die gesamte Heilige Schrift zieht. 

Petrus formulierte später denselben Grundsatz: 

"Denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfange beim Hause Gottes." (1 Petrus 4:17

Gottes Gericht beginnt nicht deshalb bei seinem Volk, weil er es weniger liebt, sondern gerade weil er es liebt. Wer einen Bund mit ihm geschlossen hat, wird nicht sich selbst überlassen. Seine Zurechtweisung ist immer Ausdruck seiner Geduld und seines Wunsches zur Umkehr. 

Jesaja macht deutlich, dass die eigentliche Ursache des Niedergangs nicht politische Schwäche ist. Es ist geistlicher Stolz. 

Der Mensch beginnt, auf Menschen zu vertrauen. 

Nicht auf Gott. 

Kapitel 3 beschreibt eindringlich, wie alle menschlichen Sicherheiten zusammenbrechen können. Führer versagen. Richter fehlen. Weise Menschen verschwinden. Was eben noch Stabilität versprach, löst sich auf. 

Wie aktuell diese Worte doch sind. 

Unsere Zeit bietet unzählige Möglichkeiten, Sicherheit außerhalb Gottes zu suchen. Wir vertrauen auf wirtschaftlichen Erfolg, medizinischen Fortschritt, politische Systeme, Bildung, soziale Netzwerke oder unsere eigenen Fähigkeiten. Keines dieser Dinge ist schlecht. Doch sie werden gefährlich, wenn sie den Platz einnehmen, der allein Gott gehört. 

Jesaja fordert uns deshalb heraus, eine unbequeme Frage zu stellen: 

Worauf stütze ich letztlich mein Leben? 

Der Stolz, den Jesaja beschreibt, wirkt dabei erstaunlich modern. Stolz ist nicht nur Überheblichkeit. Oft zeigt er sich viel subtiler. Er flüstert: „Ich komme allein zurecht.“ Oder: „Ich brauche keine Korrektur.“ Oder: „Ich weiß selbst am besten, was richtig ist.“ 

Gerade deshalb steht mitten in diesen ernsten Kapiteln immer wieder Gottes ausgestreckte Hand. Sein Ziel ist niemals bloß Strafe. Sein Ziel ist Veränderung. 

Das Lied vom Weinberg gehört zu den bewegendsten Bildern der Bibel. 

Der Besitzer fragt: 

"Was hätte man noch mehr für meinen Weinberg tun können, das ich nicht für ihn getan hätte?" (Jesaja 5:4.) 

Diese Frage richtet sich nicht nur an Israel. 

Sie richtet sich auch an mich. 

Wie oft hat Gott meinen Weg vorbereitet? Wie oft hat er Türen geöffnet, Menschen geschickt, Gebete beantwortet oder mich vor Fehlentscheidungen bewahrt? Wie oft hat der Heilige Geist leise versucht, mein Herz zu verändern? 

Und welche Früchte wachsen daraus? 

Die wilden Trauben, von denen Jesaja spricht, entstehen nicht über Nacht. Niemand wacht eines Morgens auf und entscheidet sich bewusst gegen Gott. Viel häufiger wachsen sie langsam. Ein wenig Gleichgültigkeit. Ein kleiner Kompromiss. Ein verletzter Stolz. Eine unterlassene Umkehr. Nach außen bleibt der Weinberg grün. Doch die Frucht verändert sich. 

Deshalb lädt Jesaja weniger zur Selbstverurteilung als vielmehr zu ehrlicher Selbstprüfung ein. 

Vielleicht besteht eine der wichtigsten geistlichen Übungen darin, Gott regelmäßig dieselbe Frage zu stellen: 

„Herr, welche Früchte wachsen gerade in meinem Leben?“ 

Der Herr antwortet auf solche Fragen selten mit Verurteilung. Viel häufiger lädt er uns ein, den Boden unseres Herzens neu zu bearbeiten. 

Dieses Bild begegnet uns später erneut im Neuen Testament. 

Jesus nennt sich den wahren Weinstock und seine Jünger die Reben (Johannes 15). Wieder geht es um Frucht. Wieder geht es nicht um äußere Leistungen, sondern um die Verbindung mit ihm. 

Frucht wächst niemals durch Anstrengung allein. 

Sie wächst durch Bleiben. 

Auch im Buch Mormon finden wir denselben Gedanken im Gleichnis vom Ölbaum (Jakob 5). Der Herr des Weinbergs gibt seinen Bäumen niemals vorschnell auf. Immer wieder gräbt er um, beschneidet, pflegt und wartet geduldig. Selbst wenn vieles verloren scheint, arbeitet er weiter an seinem Weinberg. 

Das ist dieselbe Geduld, die Jesaja beschreibt. 

Ein besonders passendes Beispiel aus der neueren Kirche findet sich in der Ansprache Werden – unsere Herausforderung des damaligen Apostels Dallin H. Oaks. Er erklärt darin, dass das Evangelium weit mehr ist als eine Anleitung für richtiges Verhalten. Gottes Ziel besteht darin, unseren Charakter zu verändern und uns Christus ähnlicher zu machen. Genau diese Wahrheit spiegelt Jesajas Lied vom Weinberg wider. Der Herr beklagt nicht lediglich einzelne falsche Entscheidungen seines Volkes; er zeigt, dass die Frucht des ganzen Weinbergs nicht mehr seinem Wesen entspricht. Äußerer Wohlstand, religiöse Gewohnheiten oder gesellschaftliches Ansehen können fehlende innere Umkehr nicht ersetzen. Gott sucht Menschen, deren Leben die Frucht des Glaubens, der Demut und der Gerechtigkeit hervorbringt. Seine Geduld ist deshalb immer ein Ruf zur Veränderung des Herzens – nicht nur unseres Handelns. 

Vielleicht liegt genau darin auch die Hoffnung dieser Kapitel. 

Gott schreibt seinen Weinberg nicht ab. 

Selbst nachdem Jesaja Gericht angekündigt hat, spricht er immer wieder von einem zukünftigen Überrest, von einem neuen Anfang und von einem kommenden Messias. Gottes Geduld ist größer als unsere Fehler. Seine Liebe reicht weiter als unser Versagen. Sein Wunsch zur Umkehr endet nicht nach dem ersten oder zehnten Rückschlag. 

Solange der Herr den Weinberg noch besucht, besteht Hoffnung. 

Vielleicht sehen wir heute selbst Bereiche unseres Lebens, in denen eher wilde Trauben als gute Früchte wachsen. Vielleicht entdecken wir Stolz, Nachlässigkeit oder falsche Sicherheiten. Jesaja lädt uns nicht dazu ein, zu verzweifeln. Er lädt uns ein, den Gärtner wieder an die Arbeit zu lassen. 

Denn derselbe Herr, der den Weinberg gepflanzt hat, versteht es auch, ihn zu erneuern. 

Ich bin dankbar, dass Gottes Geduld größer ist als meine Unvollkommenheit. Immer wieder habe ich erlebt, dass der Herr nicht zuerst meine Schwächen betrachtet, sondern das, was aus meinem Leben noch werden kann. Er gibt nicht vorschnell auf. Er lädt ein, korrigiert, vergibt und schenkt neue Kraft. Ich glaube von ganzem Herzen, dass Jesus Christus auch heute der Herr des Weinbergs ist. Wer ihm sein Herz öffnet, dessen Leben kann Frucht bringen – manchmal langsam, oft unscheinbar, aber immer durch seine Gnade. Dafür bin ich von Herzen dankbar.