Freitag, 16. Mai 2025

Niemanden ausstoßen

 

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„Doch ist es euch geboten, niemals jemanden aus euren öffentlichen Versammlungen, die vor der Welt gehalten werden, auszustoßen.“ (Lehre und Bündnisse 46:3). 

L&B 46 ist ein bedeutendes Kapitel der Offenbarungen, das in einer frühen Phase der Kirche empfangen wurde – am 8. März 1831, in Kirtland, Ohio. Es befasst sich mit drei zentralen Themen, die bis heute für die Heiligen der Letzten Tage von großer Relevanz sind: (1) dem Umgang mit Besuchern und Nichtmitgliedern in Versammlungen, (2) der Ordnung und Leitung durch den Heiligen Geist, und (3) den Gaben des Geistes. 

Offene Türen: Inklusion in heiligen Versammlungen 

Zu Beginn der Offenbarung wird den Führern der Kirche ein Irrtum aufgezeigt: Sie hatten begonnen, den Zugang zu ihren heiligen Versammlungen auf Mitglieder zu beschränken. In Vers 3 korrigiert der Herr dieses Missverständnis mit klaren Worten: 

„Doch ist es euch geboten, niemals jemanden aus euren öffentlichen Versammlungen, die vor der Welt gehalten werden, auszustoßen.“ 

Diese Anweisung zeigt die Offenheit und missionarische Ausrichtung der Kirche. Jeder Mensch, egal ob Mitglied oder nicht, soll willkommen sein, die Atmosphäre des Evangeliums zu erleben, Trost zu finden und Wahrheit zu suchen. In einer Zeit, in der Polarisierung, Ausgrenzung und Misstrauen gegenüber dem Fremden zunehmen, ruft diese Offenbarung dazu auf, unsere Kapellen und Herzen weit zu öffnen. Präsident Russell M. Nelson betonte in einem ähnlichen Geist: 

„Der Herr liebt alle seine Kinder, gleich wo sie leben, wie sie leben oder was sie glauben.“ (Alltag heiligen, April 2019) 

Was können wir tun? 

Als Mitglieder der Kirche können wir auf vielfältige und sehr praktische Weise dazu beitragen, dass sich jeder in unseren Versammlungen willkommen fühlt – unabhängig von seinem Glauben, Aussehen, Verhalten, seinem sozialen Hintergrund oder dem Grad seiner Kirchenzugehörigkeit. Die Offenbarung in L&B 46:3 erinnert uns daran, niemanden auszuschließen – und dieser Grundsatz fordert ein bewusstes, liebevolles Handeln. Hier einige konkrete Wege: 

1. Einladend sein – nicht nur tolerierend 

Es reicht nicht, dass Besucher „geduldet“ werden – sie sollen sich willkommen fühlen. Ein Lächeln, ein ehrliches „schön, dass Sie da sind“, das Angebot, sich dazuzusetzen oder Hilfe bei der Orientierung im Programm – all das kann den Ton setzen. 

Präsident M. Russell Ballard sagte: 
„Ein freundliches Gesicht, ein ehrliches Lächeln und eine einladende Haltung können oft mehr wirken als jede Predigt.“ (Allgemeine Konferenz, April 2014) 

2. Aufmerksam auf Neuankömmlinge achten 

Es ist leicht, sich mit Freunden zu unterhalten und dabei neue Gesichter zu übersehen. Wenn wir uns bewusst fragen: „Wen kenne ich noch nicht?“, dann öffnen wir unseren Blick und unser Herz. 

3. Nicht (vor)schnell urteilen 

Manche kommen in ungewohnter Kleidung, mit Kindern, die unruhig sind, oder mit einem gebrochenen Herzen. Es ist nicht unsere Aufgabe, andere zu bewerten. Christus lud die „Müden und Beladenen“ ein – genau die sollten bei uns am besten aufgehoben sein. 

4. Nach der Versammlung nachgehen 

Ein kurzes Gespräch nach dem Gottesdienst, die Einladung zu einem Gemeindeessen, oder ein einfaches „Danke, dass Sie gekommen sind“ können aus einem Erstbesuch eine Rückkehr machen. 

5. Nicht nur auf Missionare verlassen 

Missionare bringen Gäste – aber die Mitglieder geben ihnen das Gefühl, ob sie zur Familie gehören. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass aus Gästen Brüder und Schwestern werden. 

Elder Dieter F. Uchtdorf erklärte: 
„Wenn wir unsere Mitmenschen so sehen, wie der Erretter sie sieht – mit Barmherzigkeit, Hoffnung und Liebe – verändert sich nicht nur ihr Leben, sondern auch unseres.“ (Oktoberkonferenz 2010) 

6. Sprachliche und kulturelle Offenheit zeigen 

In einer vielfältigen Kirche bedeutet Willkommenheißen oft, geduldig zu sein mit Akzenten, anderen Sitten oder einer gewissen Unsicherheit. Liebe überwindet Sprachbarrieren. 

Der Heilige Geist führt die Kirche 

In Vers 2 wird betont, dass alle Dinge in der Kirche „durch den Heiligen Geist“ geschehen sollen. Dies gilt nicht nur für große Entscheidungen, sondern auch für den Ablauf von Versammlungen, das Teilen von Zeugnissen, das Ausüben von Gaben und die Leitung durch Berufene. Die Gläubigen sollen nach dem Geist fragen, ihn suchen, ihn erkennen lernen – und dann nach seinen Eingebungen handeln. Vers 7 warnt: 

„... damit ihr nicht durch böse Geister oder Lehren von Teufeln oder die Gebote von Menschen verführt werdet, denn einige sind von Menschen und andere von Teufeln.“ 

Diese Verse machen deutlich, wie wichtig geistige Unterscheidung ist – eine Fähigkeit, die besonders in einer Zeit der Informationsüberflutung und spirituellen Verwirrung entscheidend ist. Elder David A. Bednar sagte dazu: 

„Das Evangelium zu leben ist mehr als ein Verhaltenskodex – es ist ein Weg, sich beständig nach dem Einfluss des Heiligen Geistes auszurichten.“ (Der Geist des Herrn, Okt. 2011) 

Geistige Gaben: Vielfalt im Dienst Gottes 

Der Großteil von Abschnitt 46 befasst sich mit den Gaben des Geistes – besonderen Fähigkeiten und Erkenntnissen, die den Heiligen zum Nutzen der Kirche gegeben werden. Diese reichen von der Gabe des Glaubens, über Heilungen, Zungenreden, Erkenntnis, Weisheit bis hin zur Gabe, Geister zu unterscheiden (Verse 11–26). Dabei wird betont, dass diese Gaben nicht gleichmäßig verteilt sind, sondern jedem einzelnen wird eine Gabe durch den Geist Gottes gegeben, damit alle davon Nutzen haben (Vers 12). 

Die Betonung liegt also nicht auf Gleichheit, sondern auf Ergänzung – die Verschiedenheit der Gaben soll zum gemeinsamen Aufbau des Leibes Christi führen. Elder Jeffrey R. Holland lehrte in diesem Zusammenhang: 

„Gott erwartet nicht, dass wir alle gleich sind. Aber er erwartet, dass wir das Beste aus dem machen, was wir sind – und das im Dienst für andere.“ (Wie wir miteinander umgehen, Okt. 2017) 

Wichtig ist auch Vers 9, der sagt, dass diese Gaben nicht gegeben werden, uns damit zu rühmen, sondern zum Wohl derer, die Gott lieben und alle seine Gebote halten. Geistige Gaben sind also nicht Trophäen der Frömmigkeit, sondern Werkzeuge der Nächstenliebe. 

Abschließender Gedanke 

L&B 46 erinnert uns daran, dass Gottes Werk in dieser Zeit durch gewöhnliche Menschen mit außerordentlichen geistigen Möglichkeiten geschieht. Es ruft uns auf, einander mit Liebe zu begegnen, den Geist zu suchen und unsere Gaben zu erkennen und zu teilen – nicht zur Selbsterhöhung, sondern zum Dienst am Nächsten. 

Wie Präsident Henry B. Eyring es einmal formulierte: 

„Wenn wir lernen, den Heiligen Geist zu empfangen, werden wir Werkzeuge in den Händen Gottes, um Wunder in unserem Leben und dem Leben anderer zu bewirken.“ (Konferenzansprache, April 2010) 

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Donnerstag, 15. Mai 2025

Dass ihr alles Geld spart, was ihr könnt

 

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“Es ist notwendigerweise erforderlich, dass ihr alles Geld spart, was ihr könnt, und dass ihr alles, was ihr könnt, in Rechtschaffenheit erlangt, damit ihr mit der Zeit imstande seid, Land für ein Erbteil zu kaufen, nämlich die Stadt.” (Lehre und Bündnisse 48:4). 

Historie zu Lehre und Bündnisse 48 

Die Offenbarung in L&B 48 wurde am 10. März 1831 in Kirtland, Ohio, empfangen und stand in engem Zusammenhang mit der Frage, wo die vielen Mitglieder, die dem Aufruf zur Sammlung aus dem Staat New York nach Ohio folgten, siedeln sollten. In den Monaten zuvor hatten Offenbarungen die Gläubigen in New York angewiesen, sich nach Ohio zu begeben (LuB 37 und 38), und es war verkündet worden, dass eine heilige Stadt namens Zion – auch das Neue Jerusalem genannt – unter den „Lamaniten“ errichtet werden solle (LuB 28). Außerdem war Edward Partridge als erster Bischof der Kirche eingesetzt worden (LuB 41), was ihn direkt in die Verantwortung stellte, die materiellen Angelegenheiten der Kirche zu regeln. 

Im Februar 1831 erwartete die Gemeinde in Ohio die Ankunft von mehr als hundert Mitgliedern aus dem Osten. Die Mitglieder in Kirtland wandten sich daher mit einer konkreten Frage an Joseph Smith: „Welche Vorbereitungen sollen wir für unsere Brüder aus dem Osten treffen – und wann und wie?“ (LuB 42). Die Offenbarung vom 9. Februar 1831 (LuB 42) gab erste Antworten: Einzelne Mitglieder sollten dem Bischof helfen, Orte für die Neuankömmlinge zu beschaffen, und es wurde geraten, dass sich die Gemeinden möglichst nah beieinander organisieren sollten. Joseph Smith bat außerdem Martin Harris in einem Brief vom 22. Februar, so bald wie möglich nach Kirtland zu kommen, um einen passenden Ort für die östlichen Mitglieder auszuwählen. Doch bis zum 10. März war Harris noch nicht eingetroffen, und es waren laut John Whitmer keinerlei Vorbereitungen getroffen worden. Bischof Partridge war dadurch zunehmend besorgt. 

In dieser Situation empfing Joseph Smith die Offenbarung in LuB 48, die zwei Hauptzwecke verfolgte. Erstens sollte sie Anweisung zur kurzfristigen Unterbringung der Heiligen geben: Die ansässigen Mitglieder sollten ihre Grundstücke mit den Neuankömmlingen teilen; wenn nötig, sollte zusätzlich Land gekauft werden. Zweitens sollte sie Klarheit darüber schaffen, dass Ohio nicht der verheißene Ort des Neuen Jerusalems war, wie manche geglaubt hatten. Die Offenbarung stellte klar, dass der genaue Ort Zions erst noch offenbart werden würde. Die Heiligen wurden außerdem angewiesen, Geld zu sparen, um beim künftigen Aufbau Zions mitwirken zu können. 

Aus dieser Offenbarung ergeben sich wichtige geistige Lehren: Der Herr führt seine Kirche Schritt für Schritt, entsprechend den aktuellen Bedürfnissen und Herausforderungen. Er erwartet von den Gläubigen Voraussicht, Gemeinschaftssinn und Gehorsam. Der Aufbau Zions beginnt nicht mit einem geografischen Ort, sondern mit geistiger und materieller Vorbereitung. Die Prinzipien des Teilens, des Sparens und der Weihung sind dabei zentrale Elemente. 

In Lehre und Bündnisse 48:1–3 gibt der Herr den Heiligen in Ohio konkrete Anweisungen, wie sie sich auf die Ankunft der zuwandernden Mitglieder aus dem Osten vorbereiten sollen. Sie sollen vorerst in ihren bisherigen Wohnorten bleiben, soweit dies ihren Lebensumständen entspricht. Wenn sie eigenes Land besitzen, sollen sie davon den Brüdern aus dem Osten etwas abgeben. Wer jedoch kein Land besitzt, soll sich bemühen, solches in der Umgebung zu erwerben – eben so, wie es ihnen sinnvoll erscheint. Diese Offenbarung zeigt, wie in der frühen Kirche das Gesetz der Weihe in praktischer Weise zur Anwendung kam. Dabei ging es nicht nur um individuelle Mildtätigkeit, sondern um eine gemeinschaftlich organisierte Fürsorge, durch die viele Menschen wirksam unterstützt werden konnten. Die Grundidee der Weihe war, dass die vereinigten Ressourcen der Gemeinschaft viel mehr bewirken können als die Anstrengungen einzelner Familien oder Personen. Elder D. Todd Christofferson betonte in einer Generalkonferenzansprache, dass Christus gerade deshalb durch eine organisierte Kirche wirkt, weil gewisse Aufgaben – etwa die Hilfe für Arme und Bedürftige – nur auf kollektiver Ebene angemessen erfüllt werden können. Einzelne können zwar viel bewirken, aber erst durch die organisatorische Struktur der Kirche wird es möglich, großflächige und nachhaltige Hilfe zu leisten und dabei auch den Weg zur Selbstständigkeit zu ebnen. 

In den Versen 4 bis 6 wird ein weiterer wesentlicher Aspekt der Vorbereitung auf die Errichtung Zions hervorgehoben: das vorsorgliche Sparen. Die Heiligen sollen alle verfügbaren Mittel auf gerechte Weise zurücklegen, um später Land zu kaufen, auf dem sie ein Erbteil – die heilige Stadt – errichten können. Zwar ist der genaue Ort der Stadt zu diesem Zeitpunkt noch nicht offenbart (das geschieht erst in LuB 57:1–2), doch sollen nach der Ankunft der östlichen Mitglieder bestimmte Männer berufen werden, denen der Ort dann gezeigt werden wird. Diese werden mit dem Kauf des Landes und der Gründung der Stadt beauftragt. Erst dann soll die Sammlung der Heiligen beginnen – jede Familie soll sich nach ihren Umständen und gemäß der Anweisung der präsidierenden Kirchenführer niederlassen. Die Offenbarung macht deutlich, dass die Gründung Zions nicht aus dem Moment heraus geschieht, sondern gut vorbereitet sein muss – sowohl geistlich als auch materiell. 

Dieser Aufruf zur Vorsorge und klugen Haushaltung hat bis heute Gültigkeit. Ähnlich wie damals ermutigen heutige Kirchenführer die Mitglieder, für künftige Herausforderungen vorzusorgen. Elder Joseph B. Wirthlin warnte in einer Konferenzansprache davor, in Zeiten des Überflusses sorglos zu sein. Er riet dazu, für mögliche Krankheit, Arbeitslosigkeit oder wirtschaftliche Rückschläge Rücklagen zu bilden, angemessene Versicherungen abzuschließen, Schulden zu reduzieren und eine Notversorgung an Lebensmitteln und anderen Grundbedürfnissen anzulegen. Solche Vorbereitung könne im entscheidenden Moment ähnlich lebensrettend sein wie die Vorräte, die Joseph in Ägypten zur Rettung seiner Familie gesammelt hatte. Der weise Umgang mit Ressourcen – damals wie heute – ist also ein Ausdruck von Glauben, Weitblick und Gehorsam gegenüber göttlicher Führung. 

In einer Ansprache mit dem Titel „Purpose, Consecration, and Excellence“ erklärte Präsident Nelson, dass wahre Weihe mehr bedeutet als nur das Aufgeben materieller Besitztümer. Er betonte, dass es darum geht, sich selbst dem Herrn hinzugeben. Durch das Streben nach den höheren Gesetzen Jesu Christi verändern sich unsere Herzen und unsere Natur. Der Erlöser erhebt uns über die Versuchungen dieser gefallenen Welt, indem er uns mit größerer Nächstenliebe, Demut, Großzügigkeit, Freundlichkeit, Selbstdisziplin, Frieden und Ruhe segnet. Präsident Nelson warnte auch davor, dass weltliche Dinge wie Macht, Besitz, Popularität und fleischliche Vergnügungen kein wahres Glück bringen können. Wahre Freude finden wir, wenn wir die Gebote Gottes halten und uns ihm vollständig hingeben. 

In Bezug auf Vorbereitung betonte Präsident Nelson in seiner Ansprache „Embrace the Future with Faith“ die Notwendigkeit, sowohl geistig als auch zeitlich vorbereitet zu sein. Er erinnerte daran, dass der Herr gesagt hat: „Wenn ihr vorbereitet seid, braucht ihr euch nicht zu fürchten“ (Lehre und Bündnisse 38:30). Diese Vorbereitung umfasst das Schaffen von sicheren Orten, das Stärken unseres Glaubens und das kontinuierliche Streben danach, Werkzeuge in den Händen des Herrn zu sein. Präsident Nelson versprach, dass diejenigen, die vorbereitet sind und weiterhin vorbereitet bleiben, vom Herrn gesegnet werden.  

Darüber hinaus betonte Präsident Nelson die Bedeutung der geistigen und emotionalen Vorbereitung. Er äußerte seine Besorgnis darüber, dass viele Mitglieder zwar Vorräte anlegen, aber ihre geistige Vorbereitung vernachlässigen. Er forderte die Mitglieder auf, Orte der Sicherheit zu schaffen, an denen sie die Gegenwart des Heiligen Geistes spüren und von ihm geleitet werden können, wie z. B. Tempel, Häuser, Gemeinden und Pfähle. Solche Orte helfen uns, Offenbarung zu empfangen und in turbulenten Zeiten Frieden zu finden. Kirche Jesu Christi 

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Mittwoch, 14. Mai 2025

Durch den Tröster alles niederschreiben

 

John Whitmer
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“Darum soll es ihm, insoweit er glaubenstreu ist, durch den Tröster gegeben werden, dies alles niederzuschreiben. So ist es. Amen.” (Lehre und Bündnisse 47:4). 

Aus dem Leben John Whitmers 

John Whitmer war der Sohn von Peter Whitmer sen. und spielte eine bedeutende Rolle in der frühen Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die Gründungsversammlung der Kirche fand 1830 im Haus der Familie Whitmer in Fayette, New York, statt. Johns religiöses Interesse wandelte sich grundlegend im Jahr 1829, als Joseph Smith und Oliver Cowdery im Haus seiner Eltern Aufnahme fanden. Während Joseph im oberen Stockwerk die letzten Seiten des Buches Mormon übersetzte, wandte sich John zunehmend von der deutschen reformierten Kirche ab und nahm stattdessen die Botschaft der Wiederherstellung durch Joseph Smith an. Er unterstützte die Übersetzungsarbeit des Buches Mormon sogar als Schreiber. 

John gehörte zu den Acht Zeugen des Buches Mormon, die die Platten gesehen und in den Händen gehalten hatten. Auch bei der Übersetzung des Alten Testaments diente er Joseph Smith als einer der ersten Schreiber. Mit großer Hingabe verkündete er die Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums von New York bis Ohio, bis er im Jahr 1831 durch eine Offenbarung (Lehre und Bündnisse 47) offiziell dazu berufen wurde, die Geschichte der Kirche aufzuzeichnen. Er verfasste insgesamt 96 Seiten mit historischen Informationen. 

Im selben Jahr begleitete er seinen Schwager Oliver Cowdery auf einer Reise von Kirtland, Ohio, nach Independence, Missouri, um handschriftlich festgehaltene Offenbarungen zu W. W. Phelps zu bringen, der sie dort drucken sollte. Doch der Druckereibetrieb wurde von einem Mob zerstört. John kehrte nicht nach Kirtland zurück, sondern blieb bei der kleinen Heiligensiedlung am Little Blue River in Jackson County, Missouri. Während der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Heiligen und den Missouriern bot John sich sogar als Geisel an, um weiteres Blutvergießen zu verhindern – vergeblich. Schließlich floh er mit anderen Heiligen über den Missouri River nach Clay County. 

In Clay County wurde John Whitmer zu einer bedeutenden Führungsfigur. Ab 1834 galt er als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Kirche in Missouri – gleich nach seinem Bruder David Whitmer. Am 3. Juli 1834 wurde er dessen Ratgeber in der örtlichen Kirchengemeindeleitung. In dieser Rolle bemühte er sich um rechtlichen Beistand für die Heiligen, um ihre Verluste in Jackson County geltend zu machen und sie gegen neue Gewaltakte in Clay County zu schützen. 

1835 kehrte John nach Kirtland zurück. Obwohl er sich nicht darum bemüht hatte, wurde er am 18. Mai 1835 zum Redakteur der Kirchenzeitung Messenger and Advocate ernannt. In einem Leitartikel bekannte er offen seinen Glauben an die Heiligen Schriften der Kirche: die Bibel, das Buch Mormon und das Buch Lehre und Bündnisse. 

Als John 1836 nach Missouri zurückkehrte, kaufte er mit Mitteln der Kirche Land in Caldwell County – ein Schritt, der zu Spannungen führte. Wegen finanzieller Unklarheiten bei diesen Käufen wurde sein Verhalten infrage gestellt, und seine Weigerung, Rechenschaft über die Transaktionen abzulegen, führte schließlich zu seiner Exkommunikation am 10. März 1838. Ein weiterer Grund war seine Weigerung, seine geschichtlichen Aufzeichnungen an Joseph Smith zu übergeben. In seinem Tagebuch drückte er später Reue aus und bat darum, dass seine Fehler vergeben und seine Sünden getilgt würden, mit der Hoffnung, am letzten Tag im Reich Gottes gerettet zu werden. 

Trotz seines Ausschlusses blieb John in Far West wohnen, auch als die übrigen Heiligen infolge des „Ausrottungsbefehls“ von 1838 ihre Häuser verlassen mussten. Er nutzte die Gelegenheit und erwarb große Teile der verlassenen Stadt zu günstigen Preisen. 

In den folgenden vier Jahrzehnten zeigte John nur punktuell Interesse an religiösen Bewegungen, etwa an den Lehren von William E. McLellin oder James Strang sowie an den Führungsansprüchen seines Bruders David. Im Großen und Ganzen blieb er jedoch fern von allen organisierten Glaubensgemeinschaften. 

John Whitmer war der letzte Überlebende der Acht Zeugen des Buches Mormon. Zeit seines Lebens bezeugte er die Wahrheit dieses Werkes. Ein Zeitgenosse berichtete, dass John mit Tränen in den Augen erklärte, er wisse ebenso sicher, dass Joseph Smith die antiken Schriftzeichen auf den Platten übersetzt habe, wie er sich seiner eigenen Existenz bewusst sei. 

John Whitmer starb im Juli 1878 in Far West im Alter von 76 Jahren. Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen, darunter 625 Hektar fruchtbares Ackerland, Vieh, landwirtschaftliche Maschinen und ein zweistöckiges Haus. 

Lehren, die wir aus dem Leben John Whitmers für uns ableiten können 

Das Leben von John Whitmer bietet sowohl inspirierende als auch warnende Lehren, die aufschlussreich für unsere persönliche Nachfolge, Integrität und Einstellung zu göttlichen Berufungen sein können. Aus seiner Geschichte lassen sich wertvolle Handlungsprinzipien ableiten – sowohl positive als auch solche, vor denen man sich hüten sollte. 

Erstrebenswerte Verhaltensweisen 

Gehorsam trotz persönlichem Zögern 
John Whitmer nahm die Berufung zum Kirchenhistoriker nicht aus eigenem Antrieb an – im Gegenteil, er äußerte offen seine Zurückhaltung. Doch als die Berufung durch eine göttliche Offenbarung bestätigt wurde, stellte er seinen eigenen Willen unter den Willen des Herrn. Dieses Verhalten zeugt von Demut und zeigt, wie wichtig es ist, Gottes Willen über persönliche Präferenzen zu stellen. 

Zeugenschaft trotz Trennung von der Kirche 
Auch nach seiner Exkommunikation blieb John seiner Zeugenschaft vom Buch Mormon treu. Seine Bestätigung der Echtheit der Platten und der Übersetzungsarbeit Joseph Smiths war über Jahrzehnte hinweg standhaft und eindrücklich. Diese Konsequenz zeigt, dass persönliche Überzeugung nicht an äußere Zugehörigkeit gebunden sein muss – und dass man Wahrheiten nicht aus Opportunismus verleugnet. 

Früher Einsatz für die Wiederherstellung 
John unterstützte als Schreiber, Missionar und Führer in Missouri die frühe Aufbauarbeit der Kirche mit großem Engagement. Er übernahm schwierige Aufgaben wie das Transportieren heiliger Schriften oder das Verfassen der Kirchengeschichte. Seine frühe Treue und Opferbereitschaft erinnern uns an den Wert von Einsatzfreude im Werk des Herrn. 

Warnende Verhaltensweisen 

Fehlende Offenheit und Rechenschaftspflicht 
Die finanzielle Intransparenz beim Landkauf in Caldwell County und seine spätere Weigerung, die Kirchenunterlagen herauszugeben, war ein Bruch des Vertrauens und widersprach den Prinzipien von Rechenschaft und Integrität. Diese Haltung führte mit zur Exkommunikation. Daraus lernen wir, wie wichtig Ehrlichkeit, Offenheit und die Bereitschaft zur Verantwortung sind – besonders bei heiligen Berufungen und im Umgang mit anvertrautem Gut. 

Distanz zur Kirche trotz geistiger Erkenntnis 
Obwohl John zeitlebens das Buch Mormon bezeugte, blieb er von jeder organisierten religiösen Bewegung auf Dauer fern – selbst dann, als er Sympathien für Abspaltungen zeigte. Diese Haltung kann als ein Verlust geistiger Gemeinschaft und Entwicklungspotential gedeutet werden. Es zeigt, dass geistige Isolation auf Dauer keine gesunde Alternative zu aktiver Glaubensgemeinschaft ist. 

Emotionaler Rückzug statt aktiver Versöhnung 
John äußerte in seinem Tagebuch den Wunsch nach Vergebung und Errettung, tat aber zu Lebzeiten keine aktiven Schritte, um wieder mit der Kirche versöhnt zu werden. Daraus lässt sich lernen, dass Reue allein nicht genügt – Umkehr braucht Handlung, Demut und manchmal den Mut, auf andere zuzugehen. 

Fazit 

John Whitmers Leben ist ein Spiegel menschlicher Ambivalenz: aufrichtige Zeugenschaft und frühe Hingabe auf der einen Seite, Stolz, Unversöhnlichkeit und mangelnde Rechenschaft auf der anderen. Für unser eigenes Leben bedeutet das: Es ist nie genug, eine Zeit lang treu gewesen zu sein – Treue muss beständig sein. Wir sollten bereit sein, Berufungen im Glauben anzunehmen, auch wenn sie uns nicht liegen. Und wir sollten bemüht sein, Fehler nicht nur zu erkennen, sondern auch wiedergutzumachen – im Geist wahrer Umkehr und im Vertrauen auf Gnade. 

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Dienstag, 13. Mai 2025

Alle diese Gaben kommen von Gott

 

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“Und alle diese Gaben kommen von Gott, zum Nutzen der Kinder Gottes.” (Lehre und Bündnisse 46:26). 

Lehre und Bündnisse 46:13–26 

Der Herr offenbart, dass durch den Heiligen Geist viele verschiedene Gaben an seine Kinder verteilt werden. Einige erhalten das sichere Wissen, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und für die Sünden der Welt gekreuzigt wurde. Andere erhalten den Glauben an dieses Zeugnis, wodurch auch sie ewiges Leben erlangen können, wenn sie treu bleiben. Wieder anderen wird die Fähigkeit gegeben, die unterschiedlichen Aufgaben und Handlungen im Werk des Herrn zu erkennen, damit sie zwischen göttlichem und menschlichem Handeln unterscheiden können. Es werden zudem Gaben wie Weisheit, Erkenntnis, Glaube zur Heilung, die Fähigkeit zu heilen, Wunder zu vollbringen, zu prophezeien, Geister zu unterscheiden, in Zungen zu sprechen und die Zungenrede auszulegen gegeben. Jede dieser Gaben wird durch den Geist Gottes verteilt – nicht zum persönlichen Ruhm, sondern zum Nutzen und Aufbau der ganzen Glaubensgemeinschaft. 

Für unser Handeln heute bedeutet dies: Wir sollen die Vielfalt der geistigen Gaben in der Kirche erkennen, respektieren und dankbar annehmen. Jeder von uns kann durch den Heiligen Geist eine oder mehrere dieser Gaben empfangen, und es ist unsere Aufgabe, sie zu entdecken, richtig zu nutzen und zum Wohl aller einzusetzen. Wir sollen die Gaben anderer nicht abwerten oder neiden, sondern sehen, wie sie zum gemeinsamen Wachstum beitragen. Gleichzeitig werden wir eingeladen, bewusst nach geistigen Gaben zu trachten und uns vom Geist leiten zu lassen, um die Kirche zu stärken und den Kindern Gottes besser zu dienen. 

Lehre und Bündnisse 46:27–33 

Der Herr erklärt, dass es die Aufgabe des Bischofs und der ordinierten Führer der Kirche ist, über die Gemeinde zu wachen und die geistigen Gaben zu erkennen und zu unterscheiden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass jemand vorgibt, vom Geist Gottes zu handeln, obwohl es nicht so ist. Wer im Geist bittet, wird auch im Geist empfangen, sodass manche dazu berufen werden, viele Gaben zu haben, um der Kirche als Haupt zu dienen und jedem einzelnen Mitglied Nutzen zu bringen. Wichtig ist, dass Gebete und Bitten im Einklang mit dem Willen Gottes geschehen, denn dann wird das Erbetene auch erfüllt. Alles, was im Geist geschieht, soll im Namen Jesu Christi getan werden. Für alle empfangenen Segnungen sollen wir dankbar sein. Schließlich wird uns aufgetragen, beständig in Tugend und Heiligkeit vor Gott zu leben. 

Für unser heutiges Handeln bedeutet das: Wir sollen geistige Gaben erkennen und richtig einsetzen, dabei auf die Berufenen und ihre Gabe der Unterscheidung vertrauen. Unser eigenes Bitten und Tun soll sich an Gottes Willen ausrichten, immer im Namen Christi erfolgen und von Dankbarkeit geprägt sein. Besonders wichtig ist, dass wir in unserem alltäglichen Leben nach Reinheit, Tugend und Heiligkeit streben, um würdig zu bleiben, Gottes Gaben zu empfangen und seine Werke zu vollbringen. 

Historie zu Lehre und Bündnisse 47 

Seit den Tagen Adams und Evas hat der Herr seine Heiligen angewiesen, Aufzeichnungen über ihre geistigen und zeitlichen Angelegenheiten, ihre göttlichen Offenbarungen und ihre Geschichte zu führen. Dieses Gebot findet sich auch in der heutigen Zeit, unter anderem in L&B 21:1. Viele große Propheten wie Adam, Henoch, Abraham, Mose, Nephi, Mormon sowie die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes haben diesem Auftrag Folge geleistet, wodurch Millionen Menschen in späteren Generationen gesegnet wurden. 

In der Anfangszeit der wiederhergestellten Kirche hatte Oliver Cowdery die Verantwortung übernommen, die kirchlichen Aufzeichnungen zu führen, obwohl er nie formell zu diesem Dienst berufen und eingesetzt worden war. Als Oliver jedoch auf eine Missionsreise geschickt wurde, entstand die Notwendigkeit, diese Aufgabe neu zu besetzen. John Whitmer, der gerade selbst von einer Missionsreise zurückgekehrt war, wurde daraufhin „durch die Stimme der Ältesten“ dazu bestimmt, das Kirchenarchiv zu führen. Als Joseph Smith ihn zudem bat, auch eine umfassende Kirchengeschichte zu verfassen, reagierte John zurückhaltend. Er erklärte offen, dass er diese Aufgabe lieber nicht übernehmen wolle, fügte jedoch hinzu, dass der Wille des Herrn geschehen solle und dass, falls der Herr dies wünsche, dies durch Joseph, den Seher, kundgetan werden möge. 

Joseph Smith suchte daraufhin die Antwort des Herrn im Gebet, und am 8. März 1831, dem gleichen Tag, an dem auch die Offenbarung zu Abschnitt 46 gegeben wurde, empfing er L&B 47. In dieser Offenbarung wurde John Whitmer offiziell als Kirchenhistoriker berufen und beauftragt, nicht nur die fortlaufende Geschichte der Kirche aufzuzeichnen, sondern auch die Offenbarungen, die Joseph Smith erhielt, sorgfältig zu kopieren und aufzubewahren. 

Obwohl John Whitmer die Berufung annahm, war seine Einstellung dazu eher halbherzig. Einen Monat später, am 9. April 1831, wurde er in einer besonderen Versammlung von Ältesten in Kirtland offiziell in seiner Berufung als Kirchenhistoriker und -schreiber bestätigt. Im Juni 1831 begann er schließlich mit der tatsächlichen Arbeit an der Kirchengeschichte. Die erste Zeile seines Werkes zeigt seine Pflichtauffassung: „Ich werde fortfahren, diese Aufzeichnung weiterzuführen, da ich vom Herrn und Erretter Jesus Christus dazu geboten worden bin, die Ereignisse in dieser Kirche niederzuschreiben.“ 

John Whitmers Arbeit als Historiker war jedoch von mäßiger Qualität. Sein Geschichtswerk erwies sich als eine relativ skizzenhafte Darstellung der damaligen Ereignisse. Seine Aufzeichnungen umfassten lediglich etwa 85 Seiten, wobei rund 75 Prozent daraus bestanden, die Offenbarungen Joseph Smiths zu kopieren. Im Gegensatz dazu war Oliver Cowdery ein wesentlich gründlicherer und kompetenterer Historiker gewesen. Dennoch war John in seiner Rolle als Schreiber der Offenbarungen treu und gewissenhaft. Viele der frühesten Manuskripte der Offenbarungen, die heute noch existieren, stammen aus seiner Hand. 

Ein interessantes Detail dieser Begebenheit ist, dass John Whitmer, der eng mit Joseph Smith verbunden war – er hatte in Josephs Haus gelebt und als Schreiber während der Übersetzung des Buches Mormon gedient –, sich zunächst weigerte, einem persönlichen Rat Josephs zu folgen, aber bereitwillig einem durch Joseph empfangenen göttlichen Offenbarungsauftrag gehorchte. Dies unterstreicht ein zentrales Prinzip der frühen Kirche: Die Mitglieder, selbst diejenigen, die Joseph gut kannten, erkannten die Stimme Gottes in den Offenbarungen an und maßen ihnen höchste Autorität bei – höher noch als dem persönlichen Rat Joseph Smiths. 

John Whitmer diente als Kirchenhistoriker bis zu seiner Exkommunikation am 10. März 1838 in Far West. Danach weigerte er sich, die von ihm erstellten kirchlichen Aufzeichnungen herauszugeben. Joseph Smith schrieb ihm daraufhin einen Brief und forderte die Herausgabe der Dokumente. Als John sich weiterhin weigerte, begannen Joseph und andere Brüder mit der Niederschrift einer neuen Kirchengeschichte, ein Projekt, das Joseph bis zu seinem Tod verfolgte. Aus diesen späteren Aufzeichnungen entstand letztlich die History of the Church, die 1951 veröffentlicht wurde und die Geschichte der Kirche von ihrer Gründung bis kurz nach Josephs Tod dokumentiert. 

Nach John Whitmers Tod gelangte seine ursprüngliche Kirchengeschichte in den Besitz seines Neffen John C. Whitmer in Richmond, Missouri. Schließlich wurde sie der Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (RLDS Kirche, heute Community of Christ) überlassen, die sie später veröffentlichte. 

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Montag, 12. Mai 2025

Sollt ihr ernstlich nach den besten Gaben trachten

 

Trachtet ernstlich nach den besten Gaben
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“Darum hütet euch, dass ihr euch nicht täuschen lasst; und damit ihr nicht getäuscht werdet, sollt ihr ernstlich nach den besten Gaben trachten und immer bedenken, wozu sie gegeben sind;” (Lehre und Bündnisse 46:8). 

Historie zu Lehre und Bündnisse 46 

Lehre und Bündnisse 46 wurde am 8. März 1831 empfangen, nur einen Tag nachdem Joseph Smith die Offenbarung von Abschnitt 45 erhalten hatte. Der unmittelbare Anlass für diese Offenbarung waren zwei dringende Probleme, die sich im frühen Wachstum der Kirche in Kirtland, Ohio, stellten. 

Das erste Problem betraf die Frage, wer an den Versammlungen der Kirche, insbesondere an den Abendmahlsversammlungen, teilnehmen durfte. In der Anfangszeit der Kirche neigten die Mitglieder dazu, Ungläubige auszuschließen. Dies sorgte für Diskussionen und Verwirrung unter den Heiligen, da Stellen im Buch Mormon, besonders 3 Nephi 18:22–34 und Moroni 6:7, einerseits betonten, niemanden vom Kommen abzuhalten, andererseits aber auch auf die Notwendigkeit hinwiesen, in der Kirche Reinheit und Rechtschaffenheit zu bewahren. John Whitmer berichtete, dass dieser Widerspruch einige verwirrte und zum Nachdenken brachte. In dieser Situation wandte sich Joseph Smith an den Herrn, der in der Offenbarung klarstellte, dass grundsätzlich niemand, der den Wunsch hat zu kommen, von den öffentlichen Versammlungen ausgeschlossen werden soll. Gleichwohl sollten die Ältesten die Versammlungen immer unter der Führung des Heiligen Geistes leiten, sodass Ausnahmen im Geiste erkannt werden können, wenn besondere Umstände es erfordern. 

Das zweite Problem, das Anlass für Abschnitt 46 war, betraf seltsame und teils beunruhigende geistige Manifestationen unter den Neubekehrten in Kirtland. Viele dieser neuen Mitglieder waren kaum unterwiesen worden und brachten verschiedenste religiöse Vorstellungen aus ihren früheren Glaubensgemeinschaften mit. Besonders ehemalige Shaker und Quäker beeinflussten das Verhalten der jungen Gemeinde stark. Ohne klare Führung entwickelten sich in den Versammlungen zunehmend ekstatische und bizarre Praktiken: Manche hatten verwirrende Visionen, andere fielen in Krämpfe oder imitierten das Führen des Schwerts Labans oder das „Segeln“ zu den Lamaniten, indem sie sich schlangenartig auf dem Boden bewegten. Parley P. Pratt berichtete, dass diese Erscheinungen oft mehr abschreckend als erbaulich wirkten und den Eindruck eines falschen Geistes erweckten. Solche Vorfälle lieferten der feindseligen Presse zusätzliche Angriffsflächen gegen die junge Kirche. John Whitmer hatte in dieser chaotischen Situation sogar einen dringenden Hilferuf an Joseph Smith geschickt. 

Zusätzlich zu diesen internen Herausforderungen kam es zu äußeren Angriffen: Missionare berichteten von einem Vorfall in Cleveland, wo ein vermeintlicher Beter in einer Predigt die Kerzen ausblies und eine physische Attacke auf die Missionare initiierte. Einige wollten danach die Versammlungen auf Gläubige beschränken, während andere auf die Lehren aus dem Buch Mormon verwiesen, dass niemand am Gottesdienst gehindert werden solle. 

In diesem gesamten Kontext offenbarte der Herr durch Joseph Smith nicht nur Richtlinien für die offene Einladung zu den Versammlungen, sondern auch eine Lehre über die Gaben des Geistes. Er erklärte, dass die Gaben des Geistes ein Mittel seien, um die Heiligen vor Täuschung zu schützen. Wer ernsthaft nach den Gaben strebe und unter der Führung des Heiligen Geistes handele, werde nicht getäuscht werden. Wer hingegen keine Gaben habe, habe auch keinen wahren Glauben und betrüge sich selbst. 

Die Offenbarung unterschied verschiedene Arten geistiger Gaben: Erstens freie, vom Herrn verliehene Gaben zur Erbauung der Kirche; zweitens natürliche Talente, die bereits im vorirdischen Dasein durch Bemühung erworben wurden und in diesem Leben wiederentdeckt werden müssen; und drittens Eigenschaften göttlicher Natur, die durch Treue und Gehorsam im Laufe des geistigen Wachstums empfangen werden. Der Herr machte deutlich, dass alle Gaben dazu dienen sollten, die Gemeinde aufzubauen und die Liebe zu Gott zu fördern – nicht zur persönlichen Ehre oder zum Stolz. 

Wichtig war auch die Erkenntnis, dass nicht jeder alle Gaben besitzt, sondern jedem Einzelnen verschiedene Gaben gegeben werden, damit sie miteinander geteilt werden können. So soll die Kirche als Ganzes im Geist gestärkt und vor Täuschung geschützt werden. Der Vergleich Joseph Smiths mit dem hungrigen Reisenden verdeutlicht dies: Die Gaben des Geistes sind wie die Nahrung, die nicht nur angeboten, sondern auch tatsächlich empfangen und genutzt werden muss, damit die Seele gesättigt wird. 

Insgesamt zeigt Abschnitt 46, wie der Herr die junge Kirche durch eine Zeit innerer Verwirrung und äußerer Bedrängnis führte, indem er sie auf die Macht und Notwendigkeit des Heiligen Geistes und seiner Gaben hinwies und ihnen eine klare Anleitung gab, wie sie diese in Weisheit einsetzen sollten. 

Lehre und Bündnisse 46:1,2 

In diesen beiden Versen lehrt der Herr, dass alle bisherigen Offenbarungen und Anweisungen zum Nutzen und zur Belehrung der Kirche gegeben wurden. Dennoch stellt er klar, dass es den Ältesten der Kirche seit Anfang an gegeben war – und auch weiterhin gegeben sein wird –, ihre Versammlungen nicht starr nach geschriebenen Vorgaben, sondern nach der Führung und Eingebung des Heiligen Geistes zu leiten. Die göttliche Leitung durch den Geist steht also über jeder schriftlichen Anweisung und sichert lebendige, situationsgerechte Führung in der Kirche. 

Lehre und Bündnisse 46:3–6 

In diesen Versen gebietet der Herr, dass niemand aus den öffentlichen Versammlungen ausgeschlossen werden soll, die offen vor der Welt stattfinden. Ebenso sollen Mitglieder der Kirche nicht von Abendmahlsversammlungen ausgeschlossen werden; jedoch dürfen diejenigen, die in Sünde leben, das Abendmahl erst wieder empfangen, wenn sie aufrichtig Umkehr und Wiedergutmachung geleistet haben. Auch sollen Außenstehende, die ernsthaft nach dem Reich Gottes suchen, weder aus Abendmahls- noch aus Konfirmierungsversammlungen ausgeschlossen werden. Der Geist der Versammlungen soll offen, einladend und aufrichtig suchenden Menschen gegenüber gastfreundlich bleiben. 

Lehre und Bündnisse 46:7–12 

In diesen Versen lehrt der Herr, dass die Gläubigen in allen Dingen Gott um Führung bitten sollen, da er gern gibt. Sie sollen dem Zeugnis des Heiligen Geistes folgen, in Reinheit und mit dem ständigen Ziel der Errettung vor Augen. Alles sollen sie im Geist des Gebets und der Dankbarkeit tun, um sich nicht durch falsche Lehren oder teuflische Einflüsse täuschen zu lassen. Um Täuschung zu vermeiden, sollen sie ernsthaft nach den besten geistigen Gaben streben und immer bedenken, dass diese Gaben zum Nutzen aller gegeben sind, die Gott lieben, seine Gebote halten und aufrichtig nach ihm suchen. Jeder Mensch empfängt verschiedene Gaben durch den Geist Gottes, damit in der Vielfalt aller Gaben der gesamten Gemeinschaft gedient und geholfen wird. 

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Samstag, 10. Mai 2025

Ein Ort der Sicherheit für die Heiligen

 

Henoch und sein Volk (Zion) werden in den Himmel aufgenommen
(Bild Quelle)

“Und es wird das Neue Jerusalem genannt werden, ein Land des Friedens, eine Stadt der Zuflucht, ein Ort der Sicherheit für die Heiligen des allerhöchsten Gottes;” (Lehre und Bündnisse 45:66). 

Lehre und Bündnisse 45:60–62 

In den Versen 60 bis 62 schließt der Herr seine Offenbarung mit einem bemerkenswerten Hinweis auf zukünftige Offenbarungen ab: Joseph Smith wird angewiesen, zunächst keine weiteren Einzelheiten über die Zeichen der Zeit und das Zweite Kommen zu erwarten, bis die Übersetzung des Neuen Testaments abgeschlossen ist. Der Herr verspricht, dass in diesem Prozess „alle diese Dinge“ — also die offenbarten Zeichen und Ereignisse — durch das Studium der heiligen Schrift weiter erschlossen werden. 

Diese Anweisung ist bedeutsam, denn sie zeigt das enge Zusammenspiel zwischen Schriftstudium und Offenbarung: Die Übersetzung der Bibel ist nicht nur eine sprachliche oder textuelle Aufgabe, sondern ein geistiger Vorgang, der Joseph Smith auf kommende Offenbarungen vorbereiten soll. Tatsächlich begann Joseph am Tag nach dieser Offenbarung mit der Übersetzung des Neuen Testaments, was in der Folge zu einigen der bedeutendsten Offenbarungen der frühen Kirchengeschichte führte — darunter L&B 74, 76, 77, 86, 88 und 93. 

Diese Verse machen deutlich, dass große Offenbarungen auf dem Pfad der Vorbereitung, des Studiums und der Inspiration beruhen. In Vers 62 verheißt der Herr: „Große Dinge warten auf euch“ — eine Zusicherung, dass sich demütiges, geistgeleitetes Schriftstudium unmittelbar in göttliche Führung und Licht verwandeln kann. Josephs Beispiel lädt uns ein, selbst tiefer in die heiligen Schriften einzutauchen, da auch uns durch ernsthaftes Studieren Erkenntnisse und persönliche Offenbarung verheißen sind. 

Lehre und Bündnisse 45:63–65 

In den abschließenden Versen dieser Offenbarung wendet sich der Herr konkreten Entwicklungen im amerikanischen Kontext der Letzten Tage zu. Die Heiligen hören von Kriegen in fernen Ländern, doch nun warnt der Herr, dass auch in ihrer Nähe bald Krieg herrschen werde — „sie sind nahe, sogar an euren Türen“ (V. 63). Diese Prophezeiung erwies sich als bemerkenswert vorausschauend: Nur drei Jahrzehnte später erschütterte der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865) das Land tief, mit beispiellosen Verlusten. 

Als Reaktion auf diese kommenden Umwälzungen fordert der Herr seine Jünger auf, sich aus den östlichen Staaten zu sammeln und gemeinsam in den Westen aufzubrechen, wo sie zur Umkehr aufrufen und Gemeinden aufbauen sollen (V. 64). Diese Anweisung zur geographischen Sammlung ist eng mit dem Aufbau Zions verbunden. Die Mitglieder sollen dabei „mit einem Herzen und mit einem Sinn“ auch ihre materiellen Güter zusammentragen, um Landbesitz für die kommende Gemeinschaft zu erwerben (V. 65). 

Diese Verse zeigen die enge Verbindung zwischen prophetischer Voraussicht, praktischer Vorbereitung und geistigem Zusammenhalt. Die Aufforderung zur Sammlung ist nicht nur eine logistische Maßnahme, sondern Ausdruck des göttlichen Plans, ein Volk in Sicherheit, Reinheit und Einigkeit für die kommenden Ereignisse zu formen. Auch heute ruft der Herr seine Heiligen auf, sich geistig zu sammeln – mit einem Herzen und einem Sinn – und bereit zu sein, wenn Umwälzungen kommen. 

Lehre und Bündnisse 45:66–75 

Inmitten einer Welt, die zunehmend im Chaos versinkt, verheißt der Herr die Errichtung einer neuen Stadt: Zion, das Neue Jerusalem. Sie wird ein Ort des Friedens, der Sicherheit und Zuflucht für die Heiligen sein (V. 66). Dort wird die Herrlichkeit des Herrn wohnen, und seine Macht wird so groß sein, dass die Schlechten es nicht wagen werden, sich Zion zu nähern (V. 67). In einer Welt voller Gewalt wird Zion der einzige Ort sein, an dem keine Kriege geführt werden, und alle, die nicht das Schwert gegen ihre Mitmenschen erheben wollen, werden Zuflucht in Zion suchen (V. 68–69). 

Die Bewohner dieser Stadt, versammelt aus allen Nationen unter dem Himmel, werden in Einheit und Freude leben (V. 70–71). Der Herr gebietet, dass diese Verheißungen zunächst nicht öffentlich bekannt gemacht werden, damit das Werk des Aufbaus in Ruhe und ohne äußere Störung voranschreiten kann (V. 72–73). Doch sobald die Welt erkennt, was geschehen ist, wird Furcht sie erfassen – denn der Herr wird „schrecklich“ erscheinen für die Gottlosen (V. 74–75). 

Diese Verse machen deutlich: Zion ist kein passiver Zufluchtsort, sondern wird aktiv errichtet – durch die Heiligen, die heute Orte des Friedens schaffen, sei es in Familien, Gemeinden oder in den Pfählen Zions. Zion beginnt im Herzen jedes Gläubigen, der sich bemüht, inmitten der Unruhe der Welt ein Ort der Hoffnung und Sicherheit zu sein. 

Der Prophet Joseph Smith hat verkündet: “Die Errichtung Zions ist eine Sache, die dem Gottesvolk zu allen Zeiten am Herzen gelegen hat. … Sie haben mit freudiger Erwartung nach dem Tag Ausschau gehalten, nämlich der Zeit, in der wir leben; angefeuert von himmlischer Vorfreude, haben sie unseren Tag besungen und beschrieben und davon prophezeit. … Wir sind das begnadete Volk, das Gott sich erwählt hat, um die Herrlichkeit der Letzten Tage zuwege zu bringen: Wir dürfen sie erblicken, daran teilhaben und sie herbeiführen helfen. 

Jeder Ort, an dem die Heiligen sich sammeln, ist Zion, welches jeder rechtschaffene Mensch als Ort der Sicherheit für seine Kinder aufbauen wird. … 

Die Zeit wird bald kommen, da man nur in Zion und seinen Pfählen Frieden haben wird. (Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 203f.)” 

Präsident Russell M. Nelson hat wiederholt betont, wie wichtig es ist, dass wir heute aktiv Zion aufbauen—nicht nur als zukünftige Stadt, sondern als lebendige Gemeinschaft von Heiligen, die in Einheit, Rechtschaffenheit und Bündnistreue leben.  

Er bezeichnete die Sammlung Israels als „... das Wichtigste, was heute auf der Erde stattfindet. ... die größte Herausforderung, die größte Sache und das größte Werk auf Erden“ und betonte, dass jeder Beitrag zur Hilfe anderer, ihre Bündnisse mit Gott zu schließen und zu halten, Teil dieses Werkes ist (Quelle:Hoffnung Israels).  

In einer Ansprache ermutigte Präsident Nelson die Mitglieder, „Orte der Sicherheit“ zu schaffen—beginnend in unseren eigenen Herzen und Häusern. Er versprach, dass diejenigen, die sich vorbereiten und dem Herrn treu dienen, eine herrliche Zukunft erwarten dürfen (Quelle: Nehmen Sie die Zukunft voll Glauben an!)  

Zusammenfassend ruft Präsident Nelson uns auf, Zion heute zu errichten—durch Glauben, Einheit, Bündnistreue und Dienst—um so die Welt auf die Wiederkunft des Erlösers vorzubereiten. 

findechristus.org

Freitag, 9. Mai 2025

Sie werden nicht umgehauen und ins Feuer geworfen werden

 

(Bild Quelle)

“Denn diejenigen, die weise sind und die Wahrheit empfangen haben und sich den Heiligen Geist als ihren Führer genommen haben und sich nicht haben täuschen lassen – wahrlich, ich sage euch: Sie werden nicht umgehauen und ins Feuer geworfen werden, sondern werden den Tag aushalten.” (Lehre und Bündnisse 45:57). 

Lehre und Bündnisse 45:48–53 

Diese Verse enthalten eine dramatische und heilige Szene der Wiederkunft Jesu Christi auf dem Ölberg in Jerusalem (Sacharja 14:4). Diese Beschreibung ergänzt die Endzeitrede Jesu aus dem Neuen Testament (Matthäus 24) durch wichtige alttestamentliche Prophezeiungen, insbesondere aus dem Buch Sacharja. Die Verse beschreiben sowohl kosmische Ereignisse als auch eine zutiefst persönliche Offenbarung Jesu Christi an das jüdische Volk. 

Nach einer langen Reihe von Zeichen und Prüfungen, die dem Zweiten Kommen des Herrn vorausgehen, beschreibt Vers 48 den entscheidenden Wendepunkt: Der Herr selbst setzt seinen Fuß auf den Ölberg, östlich von Jerusalem. In diesem Moment spaltet sich der Berg in zwei Hälften, eine gewaltige tektonische Umwälzung, die von Erschütterungen der Erde und der Himmel begleitet wird. Diese Szene ist nicht neu in der Schrift: Der Prophet Sacharja (Kapitel 14) hatte sie bereits rund 500 Jahre vor Christus gesehen und beschrieben. In diesem Moment, als Jerusalem von feindlichen Nationen umringt ist, greift der Herr ein und verändert sowohl die Geographie als auch den Lauf der Geschichte. 

Vers 49 zeigt, dass das Eingreifen des Herrn nicht nur lokal, sondern global sein wird: Er wird seine Stimme erheben, und alle Enden der Erde werden sie hören. Diese Stimme, die einst leise in Bethlehem erklang, wird nun die Nationen erschüttern. Die Völker werden trauern, und jene, die spotteten und das Kommen Christi lächerlich machten, werden mit Schrecken ihre Torheit erkennen. In Vers 50 wird deutlich, dass Gericht über die Spötter und Übeltäter kommt: Wer das Böse erwartete und sich daran erfreute, wird vom Herrn verzehrt, umgehauen, und ins Feuer geworfen – ein deutliches Bild des göttlichen Gerichts. 

Dann erfolgt in Versen 51–53 eine besonders heilige und persönliche Szene. Das jüdische Volk – hier als Überrest bezeichnet – wird den Herrn sehen und ihn nach seinen Wunden fragen. Diese Frage knüpft direkt an Sacharja 13:6 an, wo der Messias sich zu erkennen gibt. 

In diesem Moment wird der jüdische Überrest erkennen, dass Jesus von Nazareth tatsächlich der verheißene Messias ist, den sie lange erwartet, aber in der Geschichte oft verworfen haben. Christus bestätigt seine Identität. 

In Vers 53 heißt es, dass sie über ihre Sünden weinen und trauern werden, weil sie ihren König verfolgt haben. Es ist ein Moment der Reue, aber auch der Umkehr und Hoffnung. Diese Begegnung wird zum Wendepunkt der Geschichte Israels – und zur Erfüllung jahrtausendealter Prophetien. 

Theologische Bedeutung und Kontext (laut Griffith): 
Nach der Wiederkunft Christi werden zwei große Werke vorangetrieben: Tempelarbeit für die Verstorbenen unter der Leitung des Herrn selbst und Missionararbeit unter den „Heidenvölkern“ – also jenen, die das Evangelium bisher nicht kannten. Diese Menschen sind keineswegs verworfen, sondern werden in Gottes Heilsplan miteingeschlossen. Der Herr richtet in dieser Zeit des Friedens und der Einigkeit sein Reich auf Erden auf, während Satan gebunden ist. Die Gläubigen werden mit Christus leben, ihre Kinder „ohne Sünde zur Errettung“ aufziehen, und der Herr selbst wird ihr König und Gesetzgeber sein. 

Offenbarung 1:7 verweist auf das zweite Kommen Christi in Macht und Herrlichkeit. Sie unterstreicht, dass alle Menschen – auch jene, die ihn einst ablehnten – ihn sehen werden, wenn er auf den Wolken erscheint. Ein klarer Bezug zur Prophezeiung in L&B 45:44–45. 

3. Nephi 20:29–34 & 21:1–29 betonen die Rückkehr der verstreuten Stämme Israels und die Rolle der Heiligen der Letzten Tage als Werkzeug des Herrn. Sie verweisen auf die Erfüllung göttlicher Verheißungen und stehen in direktem Zusammenhang mit der Sammlung und Bekehrung in L&B 45:43–53. 

Lehre und Bündnisse 45:54–59 

Diese Verse schildern die segensreiche Ordnung, die nach der Wiederkunft Christi auf Erden herrschen wird – eine Zeit des Friedens, der Gerechtigkeit und der geistigen Erneuerung. Die prophetischen Worte in diesen Versen sind eine machtvolle Vorausschau auf das Millennium, die Tausend Jahre des Friedens, in denen Christus persönlich auf der Erde regieren wird. Besonders bemerkenswert ist die Erweiterung des Blicks über die Grenzen der Kirche hinaus auf alle Völker, auch auf jene, die das Evangelium nie gehört haben. 

Der Ausdruck „Heidenvölker“ (Vers 54) kann heute missverständlich wirken, meint hier jedoch schlicht jene, die das Evangelium nie empfangen haben – also weder Christen noch Juden. Der Herr stellt klar: Auch sie werden erlöst und dürfen an der ersten Auferstehung teilhaben (Ezechiel 36:23). 

Joseph Smith stellte 1842 klar, dass es absurd wäre zu sagen, solche Menschen würden verdammt, nur weil sie niemals Gelegenheit hatten, das wahre Evangelium zu hören. Der Herr verurteilt nicht aufgrund von Unwissenheit, sondern richtet nach Licht und Wahrheit. Das Evangelium wird ihnen entweder im Jenseits oder während des Millenniums verkündet, und die Tempelarbeit wird eine zentrale Rolle dabei spielen, wie Präsident Ballard betont hat. Die Einladung zum ewigen Bund Christi gilt allen Menschen – lebend wie tot. 

Ein zentrales Kennzeichen des Millennium ist die Bindung Satans (Vers 55). Das bedeutet nicht, dass er buchstäblich gefesselt wird, sondern dass er keinen Einfluss mehr auf die Herzen der Menschen haben wird. Die Menschen werden von innen heraus zum Guten geneigt sein, weil sie Christus kennen, lieben und ihm dienen. 

Brigham Young fasste diesen Zustand so zusammen: Das Millennium bestehe darin, dass „jedes Herz im Reich Gottes in Einigkeit ist“, und dass der Widersacher keine Macht mehr habe. 

Jesus bezieht sich auf das Gleichnis der zehn Jungfrauen (Matthäus 25), das hier eine neue, konkrete Anwendung findet (Verse 56–57): Wer weise ist, die Wahrheit angenommen hat, vom Heiligen Geist geführt wird und sich nicht verführen ließ, der wird den Tag Christi überleben und nicht „in das Feuer geworfen“ werden. Das Gleichnis ist somit nicht nur ein moralisches Lehrstück, sondern ein Warnruf an uns alle, wachsam, geistig vorbereitet und standhaft zu bleiben – denn das Öl des Geistes kann nicht auf den letzten Drücker nachgefüllt werden. 

In der Herrschaft Christi werden die Gerechten die Erde erben (Verse 58–59), wie es schon in den Seligpreisungen verheißungsvoll heißt (Matthäus 5:5). Doch dieses Erbe ist mehr als Landbesitz – es ist ein Zustand göttlicher Ordnung: 

  • Kinder werden ohne Sünde zur Errettung heranwachsen – das heißt, sie werden in einer Umgebung aufwachsen, die von der Gegenwart Gottes geprägt ist. 
  • Christus selbst wird mitten unter seinem Volk wohnen, seine Herrlichkeit wird sie umgeben, und er wird ihr König und Gesetzgeber sein. Das ist ein Zustand von theokratischer Gerechtigkeit, in dem das göttliche Gesetz das Leben der Menschen bestimmt – nicht Zwang, sondern Einsicht und Liebe. 

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