Freitag, 21. November 2025

Wir glauben, dass Regierungen von Gott zum Nutzen des Menschen eingerichtet worden sind

 

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„Wir glauben, dass Regierungen von Gott zum Nutzen des Menschen eingerichtet worden sind und dass er die Menschen für ihr Verhalten in Bezug auf sie zur Rechenschaft zieht.“ (Lehre und Bündnisse 134:1). 

Lehre und Bündnisse 134 – Eine Erklärung im Spannungsfeld zwischen Glauben und Staat 

Im Sommer 1835 versammelten sich die Heiligen in Kirtland, Ohio, zu einer besonderen allgemeinen Versammlung. In diesen Jahren war die junge Kirche noch im Aufbau, doch schon tief verwurzelt in einem politischen Umfeld, das sowohl Freiheit als auch Unsicherheit mit sich brachte. Während die Vereinigten Staaten sich ihrer Identität als Verfassungsstaat bewusst waren, standen kleine religiöse Gemeinschaften wie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage häufig im Verdacht, illoyal oder staatsgefährdend zu sein. Aus diesem Hintergrund heraus entstand Abschnitt 134 – keine Offenbarung, sondern eine sorgfältig formulierte Glaubenserklärung, die am Ende der ersten Ausgabe des Buches veröffentlicht wurde. 

Ihr Zweck war ausdrücklich, Missverständnissen vorzubeugen. In der Präambel heißt es, man wolle darlegen, was man „hinsichtlich irdischer Regierungen und Gesetze im Allgemeinen“ glaube, damit der Glaube der Kirche nicht „falsch ausgelegt“ oder „missverstanden“ werde. Die Heiligen bekannten sich öffentlich zu Grundsätzen, die sowohl in ihrem Glauben als auch in den Fundamenten gerechter staatlicher Ordnung verankert sind. Diese Erklärung markiert einen bedeutsamen Moment: Hier treten die Heiligen als Glaubensgemeinschaft bewusst in den öffentlichen Diskurs über Freiheit, Staat und Religion ein. 

1. Der amerikanische Hintergrund: Freiheit und Misstrauen 

Um Abschnitt 134 historisch zu verstehen, muss man die junge amerikanische Republik des frühen 19. Jahrhunderts betrachten. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von 1787 und die Bill of Rights von 1791 garantierten grundlegende Rechte wie Religionsfreiheit, Eigentumsschutz und Versammlungsfreiheit. Diese Ideale standen jedoch in der Praxis oft im Spannungsfeld lokaler Vorurteile und schwacher Rechtsdurchsetzung. 

Viele Mitglieder der Kirche kamen aus Neuengland oder dem „Burned-over District“ im Staat New York, einer Region religiöser Erweckungen und intensiver gesellschaftlicher Umbrüche. Ihre Bekehrung zum wiederhergestellten Evangelium machte sie in manchen Gemeinden zu Außenseitern. In Kirtland selbst waren die ersten Jahre zwar von vergleichsweise stabilen Verhältnissen geprägt, doch schon damals gab es in der Presse Gerüchte, die Kirche plane eine „theokratische Regierung“ oder erkenne die Gesetze des Landes nicht an. 

In dieser Atmosphäre war es für die junge Kirche wichtig, ein öffentliches Bekenntnis zu ihrer Loyalität gegenüber gerechten Gesetzen abzulegen. Abschnitt 134 sollte zeigen, dass der Glaube der Heiligen die Gesetze respektiert und unterstützt – solange diese die von Gott gegebenen Rechte schützen. Damit stellten sich die Mitglieder bewusst in die Tradition amerikanischer Freiheitsrechte, während sie zugleich ihre eigenen religiösen Grundsätze bekräftigten. 

2. Die vier Themenbereiche im historischen Licht 

Die Erklärung gliedert sich in vier große Themenabschnitte, die in ihrer Reihenfolge ein durchdachtes Ganzes ergeben. 

Verse 1–4 betonen, dass Regierungen göttlichen Ursprungs sind und die Aufgabe haben, das Gewissen, das Eigentum und das Leben ihrer Bürger zu schützen. Zugleich wird klar zwischen staatlicher und religiöser Autorität unterschieden: Während der Staat äußere Handlungen regelt, ist der Bereich des Gewissens allein Gott vorbehalten. Dieser Gedanke war im Amerika des 19. Jahrhunderts nicht selbstverständlich. Viele Staaten hatten zwar keine offiziellen Kirchen mehr, doch gesellschaftlicher Druck und religiöse Mehrheiten bestimmten häufig das öffentliche Leben. Die Heiligen bekannten hier einen universellen Grundsatz: Gewissensfreiheit ist heilig. 

Verse 5–8 wenden sich den Pflichten der Bürger zu. Es wird betont, dass Menschen die Regierung, unter der sie leben, stützen und die Gesetze achten sollen, solange diese gerecht sind. Dieser Abschnitt war eine direkte Antwort auf Vorwürfe, die Kirche sei staatsfeindlich oder plane Rebellion. Gleichzeitig spiegelt sich darin das Ideal der amerikanischen Republik wider: ein Bürger, der aktiv zum öffentlichen Wohl beiträgt, statt sich ihm zu entziehen. 

Verse 9–10 bekräftigen die Trennung von Kirche und Staat. Keine Religionsgemeinschaft darf staatliche Macht ausüben oder bevorzugt werden. Dieser Grundsatz entsprach den amerikanischen Idealen, war aber auch für die Heiligen von praktischer Bedeutung: Sie wollten weder politische Kontrolle ausüben noch Opfer staatlich bevorzugter Kirchen werden. 

Verse 11–12 schließlich rechtfertigen das Recht, sich selbst, Familie und Eigentum zu schützen, wenn staatlicher Schutz nicht greift. Für eine Glaubensgemeinschaft, die bald darauf in Missouri schwerer Verfolgung ausgesetzt war, war dies mehr als eine theoretische Aussage. Viele Heilige mussten erleben, dass lokale Behörden versagten und sie ihr Leben verteidigen mussten. Gleichzeitig wird betont, dass alle Konflikte nach Möglichkeit durch das bürgerliche Recht gelöst werden sollen – ein Zeichen des tiefen Respekts für rechtliche Strukturen. 

3. Über Amerika hinaus: Universelle Prinzipien 

Obwohl Abschnitt 134 in den USA des 19. Jahrhunderts entstanden ist, enthält er Grundsätze, die weit über diesen Kontext hinausreichen. Viele der formulierten Ideen finden sich später in anderen Nationen und internationalen Rechtserklärungen wieder. 

In Europa etwa führte die Revolution von 1848 in mehreren Staaten zur Einführung von Verfassungen, die erstmals Religionsfreiheit garantierten. Auch wenn diese Prozesse unabhängig von der Kirche abliefen, zeigen sie, dass ähnliche Prinzipien – Schutz des Gewissens, Trennung von Kirche und Staat, bürgerliche Rechte – weltweit an Bedeutung gewannen. 

Ein besonders deutlicher Bezug findet sich in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Artikel 18 lautet: 

„Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekunden.“ 

Dieser Artikel spiegelt nahezu wortgleich die Gedanken der Verse 1–4 wider. Auch der Gedanke, dass Religionsgemeinschaften keine staatliche Macht ausüben sollen, entspricht modernen Prinzipien der Neutralität des Staates. In vielen Ländern sind diese Grundsätze inzwischen verfassungsrechtlich verankert – sei es in Europa, Lateinamerika oder Teilen Asiens. Abschnitt 134 ist damit ein frühes Zeugnis dafür, dass die Kirche universelle Prinzipien formulierte, die über ihren unmittelbaren Kontext hinaus wirken

4. Schlussgedanke: Eine Brücke zwischen Kirche und Staat 

Abschnitt 134 ist keine Offenbarung im klassischen Sinn. Dennoch steht dieser Abschnitt als eine historische Brücke zwischen kirchlichem Glauben und staatlicher Ordnung. Die Heiligen bekannten sich öffentlich zu Prinzipien, die sowohl ihrer Religion als auch den besten Ideen der politischen Moderne entsprachen. 

Im Rückblick zeigt sich, dass viele dieser Gedanken heute als selbstverständlich gelten, weil sie in internationalen Rechtsordnungen verankert wurden. Doch 1835 war dieses Bekenntnis für eine kleine, umstrittene Glaubensgemeinschaft ein mutiger Schritt. Es zeigte die Bereitschaft, sich als Teil der Gesellschaft zu verstehen – nicht gegen sie, sondern mit ihr, unter göttlichen Maßstäben. 

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Donnerstag, 20. November 2025

In all ihren Bedrängnissen war er bedrängt

 

(Bild: Quelle)

“In all ihren Bedrängnissen war er bedrängt. Und der Engel seiner Gegenwart hat sie errettet; und in seiner Liebe und in seinem Erbarmen hat er sie erlöst und sie getragen und sie gestützt alle Tage vor alters;” (Lehre und Bündnisse 133:53). 

Dieser Vers zeigt den Herrn nicht nur als künftigen Richter, sondern als den treuen Begleiter seiner Heiligen durch alle Zeiten. Er ist nicht fern, sondern teilt die Bedrängnisse seines Volkes. Diese Zusage gilt auch heute: In allen Herausforderungen unseres Lebens ist er gegenwärtig, er trägt und stützt uns, so wie er es „alle Tage vor alters“ getan hat. 

Lehre und Bündnisse 133:52-74 

Das Jahr der Erlösten und die Vollendung des Heilsplans (Verse 52–56) 

Der abschließende Teil von L&B 133 richtet den Blick auf die endgültige Erfüllung des Heilsplans Gottes. Nachdem zuvor das Kommen des Herrn in Macht und Herrlichkeit beschrieben wurde, spricht der Herr nun vom „Jahr meiner Erlösten“ (Vers 52). Dieses Bild knüpft an das Gnadenjahr des Herrn aus Jesaja 61:2 an, das in der ersten Ankunft Christi seinen Anfang nahm und in den Ereignissen der Letzten Tage seine volle Verwirklichung findet. Das „Jahr“ symbolisiert eine von Gott festgesetzte Zeit der Befreiung, Wiederherstellung und Herrlichkeit für alle, die ihm treu geblieben sind. Die Erlösten werden das liebevolle Wohlwollen ihres Herrn ewig rühmen – eine Sprache, die stark an die Loblieder in der Offenbarung erinnert, wo die Erlösten „das Lied des Lammes“ singen (Offenbarung 15:3). 

Besonders eindrucksvoll ist Vers 53, der die beständige Nähe und Barmherzigkeit des Herrn beschreibt: „In all ihren Bedrängnissen war er bedrängt.“ Der Herr hat das Leiden seines Volkes nicht aus der Ferne beobachtet, sondern sich selbst mit ihnen identifiziert. Dieses Motiv erinnert an Jesaja 63:9, wo ebenfalls vom „Engel seiner Gegenwart“ die Rede ist, der Israel in Liebe und Erbarmen erlöst hat. Die Kontinuität zwischen den alten Propheten, den Gerechten früherer Zeitalter und den Erlösten der Endzeit wird in den Versen 54–55 hervorgehoben: Henoch, Noah, Mose, Elija, Johannes, die Apostel sowie die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob – alle werden in der Gegenwart des Lammes sein. Diese Versammlung der Gerechten über die Zeiten hinweg verdeutlicht die Einheit des göttlichen Heilsplans: Generationen von Gläubigen werden in der heiligen Stadt, dem Neuen Jerusalem, vereint sein (vgl. Hebräer 12:22–24). 

Vers 56 beschreibt die Auferstehung der Heiligen: Die Gräber werden sich öffnen, die Gerechten werden hervorkommen und zur Rechten des Lammes stehen, wenn es auf dem Berg Zion und im Neuen Jerusalem erscheint. Hier schwingt die Vision aus Matthäus 27:52–53 mit, wo sich bei Christi Auferstehung bereits Gräber öffneten, sowie die große Auferstehungsszene in Offenbarung 20:4–6. Das Singen des Liedes des Lammes „bei Tag und bei Nacht, für immer und immer“ unterstreicht, dass der Erlösungsplan in eine ewige Phase der Anbetung und Herrlichkeit mündet. Diese Verse bilden einen Höhepunkt: Der Herr handelt nicht nur für einzelne Generationen, sondern vollendet sein Werk mit allen, die ihn je geliebt haben. 

Der Zweck der Offenbarung des Evangeliums und die Vorbereitung der Schwachen (Verse 57–61) 

In den Versen 57–61 wird erklärt, warum der Herr die Fülle seines Evangeliums in den Letzten Tagen offenbart hat. Sie wurde gegeben, „damit die Menschen zu Teilhabern der Herrlichkeiten werden können, die offenbart werden sollten“ (Vers 57). Das Evangelium ist also kein bloßer Trost für die Gegenwart, sondern der Weg zur Teilhabe an zukünftiger göttlicher Herrlichkeit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung der „Schwachen“ (Vers 58). Diese Formulierung verweist auf ein wiederkehrendes Prinzip im Wirken Gottes: Er erwählt das Schwache der Welt, um das Starke zu beschämen (vgl. 1. Korinther 1:27–29). So werden die Schwachen die Weisen beschämen, der Kleinste wird zu einer mächtigen Nation, und wenige werden Zehntausende in die Flucht schlagen. Diese Wendung erinnert an Gideons kleines Heer (Richter 7), das durch göttliche Macht große Feinde besiegte, und an den Dienst der frühen Heiligen, die trotz äußerer Schwäche eine weltweite Bewegung begründeten. 

Vers 59 betont, dass der Herr die Nationen „mit der Macht seines Geistes dreschen“ wird – ein starkes Bild aus Jesaja 41:15–16, wo Israel als Dreschschlitten beschrieben wird, der die Berge zermalmt. Dieses Gericht geschieht nicht durch militärische Stärke, sondern durch geistige und geistliche Macht. In den Versen 60–61 wird dann erklärt, dass die Gebote zunächst zurückgehalten, nun aber „an alles Fleisch“ gerichtet werden. Die Zeit der Zurückhaltung ist vorbei; die Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums soll alle Menschen erreichen, gemäß dem Willen des Herrn, „der über alles Fleisch herrscht“. Damit schließt sich der Bogen zur Verkündigung am Anfang des Kapitels: Der Ruf Gottes geht in alle Welt, um die Menschheit auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten. 

Segen für die Umkehrenden – Gericht für die Verstockten (Verse 62–74) 

Der dritte Abschnitt beschreibt die gegensätzlichen Reaktionen auf diesen Ruf. Vers 62 verheißt: „Dem, der umkehrt und sich vor dem Herrn heiligt, wird ewiges Leben gegeben.“ Diese Verheißung fasst das Evangelium in seiner einfachsten Form zusammen: Umkehr, Heiligung und ewiges Leben. In scharfem Kontrast stehen die Verse 63–74, die das Gericht über diejenigen beschreiben, die nicht hören wollen. Mose hatte bereits gewarnt, dass solche aus dem Volk ausgeschlossen werden (vgl. 5. Mose 18:19Apostelgeschichte 3:22–23). Maleachi hatte prophezeit, dass der Tag kommt, „der brennen wird wie ein Ofen“, an dem die Gottlosen wie Stoppeln verbrannt werden (Maleachi 3:19 [4:1]). Diese alttestamentlichen Prophezeiungen finden hier ihre Erfüllung. 

Die Verse 66–71 enthalten eine ergreifende Klage des Herrn: Als er zu seinem Volk kam, nahm es ihn nicht auf; als er rief, antwortete niemand. Dennoch war sein Arm nicht verkürzt, seine Macht nicht geschwunden. Dieses Motiv erinnert an Jesaja 50:2–3, wo der Herr fragt: „Warum war niemand da, als ich rief?“ Er beschreibt seine Macht, Meere auszutrocknen und Himmel in Schwarz zu kleiden, um seine göttliche Souveränität zu verdeutlichen. Die Antwort auf die Verweigerung seines Volkes ist Gericht: Sie werden sich „in Kummer niederlegen“, niemand wird sie befreien, weil sie seine Stimme und die Stimme seiner Diener verworfen haben. In Vers 72 wird das Gericht theologisch gedeutet: Sie haben das Zeugnis verworfen, daher ist es „versiegelt“ worden; das Gesetz ist „zugebunden“, und sie sind der Finsternis ausgeliefert. Dieses Bild erinnert an Jesaja 8:16, wo von einem versiegelten Gesetz die Rede ist, wenn das Volk nicht hören will. 

Vers 73 fasst das Ergebnis eindringlich zusammen: „Diese werden hinweggehen in die äußere Finsternis, wo es Weinen und Wehklagen und Zähneknirschen gibt.“ Diese Formulierung greift die Worte Jesu in Matthäus 8:1222:1325:30 auf. Wer die Einladung des Herrn verwirft, verfehlt nicht nur irdische Segnungen, sondern verliert den Zugang zu ewiger Herrlichkeit. Der Abschnitt endet in Vers 74 mit einer feierlichen Bekräftigung: „Siehe, der Herr, euer Gott, hat es gesprochen. Amen.“ Damit wird der gesamte Offenbarungsabschnitt autoritativ abgeschlossen. 

Wie sehr vertraue ich persönlich darauf, dass der Herr auch in meinen Bedrängnissen gegenwärtig ist – nicht nur als ferner Erlöser, sondern als unmittelbarer Begleiter und Träger meines Lebens? 

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Mittwoch, 19. November 2025

Dieses Evangelium wird jeder Nation gepredigt

 

(Bild: Quelle)

“Und dieses Evangelium wird jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk gepredigt werden.” (Lehre und Bündnisse 133:37). 

Lehre und Bündnisse 133:36–51 

Die weltweite Verkündigung des immerwährenden Evangeliums (Verse 36–40) 

In diesen Versen wird die Aufmerksamkeit erneut auf die universale Dimension des Erlösungswerks in den Letzten Tagen gelenkt. Der Herr kündigt an, dass ein Engel mitten durch den Himmel fliegen wird, um das immerwährende Evangelium zu verkünden und es allen Völkern, Sprachen und Nationen bekannt zu machen (Vers 36–37). Diese Formulierung erinnert unübersehbar an die Prophetie in Offenbarung 14:6–7, wo Johannes einen Engel sah, der mitten durch den Himmel flog, „der ein ewiges Evangelium hatte, um es zu verkünden denen, die auf der Erde wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern“. Joseph Smith und seine Mitstreiter verstanden diese Verse als Hinweis auf die Wiederherstellung des Evangeliums durch himmlische Boten, beginnend mit Moroni im Jahr 1823, der Joseph die Platten zeigte und die bevorstehende Wiederherstellung ankündigte (vgl. Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:30–54). Diese Engelserscheinung markiert den Beginn einer neuen heilsgeschichtlichen Phase: das Evangelium soll nun nicht mehr verborgen, sondern in aller Welt gepredigt werden. 

Die Verse machen deutlich, dass die Verkündigung nicht nur einem einzelnen Volk oder Gebiet gilt, sondern jeder Nation und jedem Menschen. Damit wird das Werk der Letzten Tage als globales, missionarisches Geschehen verankert. Die „Diener Gottes“ werden ausgesandt, um mit lauter Stimme zu rufen, dass die Stunde des göttlichen Gerichts gekommen ist, und um die Menschen aufzufordern, den Schöpfer von Himmel, Erde und Meer anzubeten (Vers 38–39). Dieser Ruf spiegelt inhaltlich die Botschaft der Missionare wider, die seit der Wiederherstellung in alle Welt ausgesandt werden: Umkehr, Annahme des Evangeliums und Vorbereitung auf das Zweite Kommen Christi. 

Bemerkenswert ist, dass in Vers 40 beschrieben wird, wie die Heiligen Tag und Nacht den Namen des Herrn anrufen, in dem tiefen Wunsch, dass er die Himmel zerreiße und herabkomme, damit die Berge vor seiner Gegenwart zerfließen. Dieses leidenschaftliche Flehen erinnert an Jesaja 64:1–2, wo der Prophet darum bittet, dass Gott die Himmel zerrisse und herabkomme, sodass die Berge vor seiner Gegenwart zerrissen („wie Feuer Reisig entzündet…“). Die Sprache in L&B 133 trägt denselben sehnsuchtsvollen Ton: nicht nur Erwartung, sondern ein tiefes, kollektives Rufen nach dem Eingreifen Gottes. Es beschreibt eine Generation, die sich nicht mehr nur theoretisch auf das Kommen vorbereitet, sondern aktiv danach ruft und sich danach sehnt, dass der Herr sein Werk vollendet. 

Hier wird eine entscheidende Lehre deutlich: Die Verkündigung des Evangeliums in aller Welt und das ernsthafte Gebet um das Kommen des Herrn gehören untrennbar zusammen. Die Missionare verkünden, während die Gläubigen beten – beides ist Teil der Vorbereitung auf die Wiederkunft. Diese Doppelbewegung – die Verkündigung nach außen und die geistige Ausrichtung nach oben – kennzeichnet das Werk der Kirche in den Letzten Tagen. Sie betont, dass die Mitglieder nicht passiv auf die Erfüllung der Verheißungen warten sollen, sondern aktiv daran mitwirken, indem sie Zeugnis geben, dienen und beten. 

Der zentrale Gedanke dieser Verse lässt sich so zusammenfassen: Das immerwährende Evangelium wird in einer letzten, machtvollen Phase allen Völkern gepredigt, begleitet von einer betenden, sich sehnenden Gemeinde, die die Wiederkunft Christi herbeiwünscht. In dieser globalen Verkündigung erfüllt sich die Zusage Jesu, dass „dieses Evangelium vom Reich in der ganzen Welt gepredigt werden wird, zum Zeugnis für alle Völker; und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14). 

👉  Wie kann ich heute bewusst dazu beitragen, dass die Verkündigung des Evangeliums in meinem Umfeld und darüber hinaus voranschreitet – sowohl durch mein Handeln als auch durch mein Gebet? 

Das machtvolle Kommen des Herrn in Herrlichkeit und Gericht (Verse 41–51) 

Nachdem in den vorangegangenen Versen der Ruf zur Verkündigung des Evangeliums an alle Nationen ergangen ist, wenden sich die Verse 41–51 dem eigentlichen Höhepunkt der Ereignisse der Letzten Tage zu: dem machtvollen Eingreifen des Herrn selbst. Dieses Eingreifen wird mit Bildern von Feuer, bebenden Bergen und kosmischen Erschütterungen beschrieben – eine Sprache, die sowohl Furcht als auch Ehrfurcht hervorruft. Die Gläubigen rufen Tag und Nacht nach der Ankunft des Herrn, ähnlich wie in Jesaja 64:1–2, wo der Prophet bittet, dass Gott die Himmel zerreiße und herabkomme, damit die Nationen vor ihm erzittern. Diese Bitte wird nun erhört: Der Herr antwortet mit machtvoller Gegenwart, „wie Feuer Reisig entzündet“ und „wie Feuer Wasser zum Sieden bringt“ (Jesaja 64:1). 

Die Verse schildern zunächst das Flehen der Gerechten und ihre sehnsuchtsvolle Erwartung (Verse 41–44). Wer sich in Rechtschaffenheit freut und die Wege des Herrn befolgt, wird ihm in diesem großen Augenblick begegnen. Das Bild erinnert an die fünf klugen Jungfrauen im Gleichnis Jesu (Matthäus 25:1–13), die vorbereitet waren, dem Bräutigam entgegenzugehen. Für die Rechtschaffenen ist sein Kommen kein Schrecken, sondern eine Begegnung der Freude. Vers 45 zitiert sinngemäß 1. Korinther 2:9, wonach kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Dieses biblische Motiv verbindet die Verheißung unaussprechlicher Herrlichkeit mit dem endzeitlichen Handeln Gottes. 

In den Versen 46–51 tritt der Herr selbst in den Mittelpunkt. Eine machtvolle theophanische Szene entfaltet sich: Die Menschen fragen, wer der Herr ist, der aus „unbekannten Regionen“ herabkommt, bekleidet mit herrlichen Gewändern und in großer Stärke wandelnd. Die Antwort: Es ist der Gerechte, der Macht hat zu erretten. Diese Formulierung knüpft eng an Jesaja 63:1–3 an, wo der Messias aus Edom kommt, in rot gefärbten Kleidern, weil er die Weinpresse des göttlichen Gerichts allein getreten hat. L&B 133 greift dieses Bild auf und deutet es christologisch: Der wiederkommende Christus tritt die Weinkelter des Gerichts in eigener Machtvollkommenheit. Es gibt keinen Helfer außer ihm – ein starkes Zeugnis seiner einzigartigen Stellung als Erlöser und Richter. 

Die rote Färbung seiner Gewänder ist doppeldeutig: Sie erinnert einerseits an sein eigenes vergossenes Blut, durch das er die Welt erlöst hat (Jesaja 63:3), andererseits an das Blut der Gottlosen, das beim endzeitlichen Gericht vergossen wird. Das Bild ist dramatisch und erschütternd, aber tief theologisch: Derselbe, der einst das Leiden auf sich nahm, um zu erlösen, ist es nun, der Gericht übt. Dieses Ineinandergreifen von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit ist ein zentrales Merkmal der eschatologischen Darstellung Jesu Christi (vgl. Offenbarung 19:11–16). 

Die kosmischen Zeichen unterstreichen die Größe dieses Ereignisses (Verse 49–50): Sonne, Mond und Sterne reagieren auf seine Gegenwart, die Himmel werden erschüttert, die Natur selbst beugt sich vor ihrem Schöpfer. Diese Motive finden sich in Matthäus 24:29, in Offenbarung 6:12–14 und in Joel 3:4 wieder. Es handelt sich nicht nur um Naturkatastrophen, sondern um symbolisch aufgeladene Zeichen: Die gesamte Schöpfung erkennt und bezeugt den König. Christus spricht dann: „Ich habe die Weinkelter allein getreten“, womit er seine einzigartige Rolle im Heilsplan bekräftigt. Der Tag der Vergeltung, der in seinem Herzen war, ist nun angebrochen (Vers 51). Diese Formulierung erinnert an Jesaja 61:2, wo vom „Tag der Vergeltung für unseren Gott“ die Rede ist – im Gegensatz zum „Gnadenjahr des Herrn“, das sich auf sein erstes Kommen bezieht.  

Die Beschreibung seines Kommens ist nicht dazu gedacht, Angst zu erzeugen, sondern das Vertrauen und die Bereitschaft der Gläubigen zu stärken. Wer sich auf diesen Tag vorbereitet, muss nicht zittern, sondern darf voller Hoffnung dem Herrn entgegensehen. Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet: Wie bewusst und konsequent bereite ich mich persönlich auf die Begegnung mit dem Herrn vor, der in Gerechtigkeit spricht und die Macht hat zu erretten? 

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Dienstag, 18. November 2025

Sie werden ihre reichen Schätze den Kindern Efraim bringen

 

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„Und sie werden ihre reichen Schätze den Kindern Efraim, meinen Dienern, bringen.“ (Lehre und Bündnisse 133:30). 

Dieser Vers motiviert uns, die geistige und organisatorische Vorbereitung ernst zu nehmen und unsere Gaben und Talente in den Dienst des Herrn zu stellen. Er zeigt, dass jedes Mitglied der Kirche, das treu ist, Teil eines größeren göttlichen Plans wird, der über die persönliche Ebene hinausgeht. 

Lehre und Bündnisse 133:7–16 – Ruf aus Babylon 

Die Verse 7 bis 16 rufen die Gläubigen eindringlich dazu auf, sich aus Babylon zu lösen und nach Zion zu sammeln. Babylon steht in diesem Kontext nicht nur für eine geografische Stadt, sondern symbolisiert die geistige und moralische Schlechtigkeit der Welt – ein Ort, an dem Stolz, Ungerechtigkeit und Gottesvergessenheit herrschen. Historisch gesehen entsprach dies auch den Erfahrungen der frühen Kirche in den 1830er Jahren, die oft auf Widerstand, Verfolgung und gesellschaftliche Ablehnung stieß. Joseph Smith und die frühen Heiligen waren angehalten, aus diesen Umgebungen auszuziehen, sowohl physisch als auch geistig, um in einem reinen und heiligen Raum das Evangelium zu leben und zu verbreiten. 

Die Offenbarung betont, dass die Sammlung nicht willkürlich erfolgt, sondern eine gezielte göttliche Führung vorausgeht. Die Ältesten der Kirche sollen in alle Länder gesandt werden, um die Nationen zu erreichen, und der Ruf ergeht von allen vier Himmelsrichtungen. Diese Ausrichtung verweist auf das universelle Ziel der Sammlung Israels und die Verbreitung des Evangeliums unter allen Völkern (vgl. Jesaja 49:62 Nephi 30:3). Die Heiligen werden dazu aufgefordert, wachsam zu sein und sich auf das Kommen des Bräutigams vorzubereiten, wobei deutlich wird, dass niemand den Tag oder die Stunde kennt, was ein zentrales Prinzip der Wachsamkeit im Neuen Testament widerspiegelt (vgl. Matthäus 25:13). 

Praktisch bedeutet dies, dass die Gläubigen sich geistlich reinigen, ihre Gemeinschaft stärken und aktiv an der Errichtung Zions mitwirken müssen. Das Aufrufen des Namens des Herrn in feierlichen Versammlungen und im persönlichen Gebet unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Verbindung mit Gott. Auch heute kann diese Lehre verstanden werden als Einladung, die eigenen geistigen Prioritäten zu überprüfen, weltliche Bindungen, die uns von Gott entfernen, zu hinterfragen und aktiv Schritte zu unternehmen, um im Einklang mit den Geboten Gottes zu leben

Lehre und Bündnisse 133:17–35 – Der Herr erscheint, die Erde wird erneuert, und die Stämme Israels kehren zurück 

Diese Verse entfalten ein eindrucksvolles prophetisches Bild der Endzeit, das die Wiederkunft Christi, die Sammlung Israels und die Erneuerung der Erde beschreibt. Sie beginnen mit der Aufforderung, den Weg des Herrn zu bereiten und seine Pfade gerade zu machen. Historisch gesehen richtet sich diese Offenbarung an die frühen Heiligen, doch die Prinzipien gelten für alle Gläubigen: Die Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi verlangt geistige Wachsamkeit, Reinheit und das aktive Mitwirken am Werk Gottes (vgl. Matthäus 3:3Jesaja 40:3). 

Im Zentrum der Vision steht das Lamm, der Herr selbst, der auf dem Berg Zion stehen wird, begleitet von den 144.000, die seinen Namen auf der Stirn tragen. Dieses Bild verweist auf die Fülle des Bundesvolkes Gottes, das treu und heilig vorbereitet ist, um die Herrlichkeit des Herrn zu empfangen (vgl. Offenbarung 14:1–5). Die prophetische Beschreibung der Stimme des Herrn, die wie viele Wasser und großer Donner erklingt, unterstreicht seine Macht und die unaufhaltsame Durchsetzung seines Plans. Die Erde selbst wird dabei in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt: Land und Meer vereinigen sich, Jerusalem und Zion kehren an ihren Platz zurück. Dies entspricht alttestamentlichen Verheißungen, wie sie in Jesaja 11:9 und Sacharja 14:9 beschrieben werden, wo die Herrschaft Gottes die Erde durchdringt und eine neue Ordnung herstellt. 

Besonders eindrucksvoll ist die Rückkehr der verlorenen Stämme Israels. Sie werden durch göttliches Eingreifen aus den Ländern des Nordens geführt, ihre Propheten werden Gottes Stimme hören, und Wunder werden die Landschaft verändern, damit sie sicher nach Zion gelangen. In diesem Kontext heißt es in Vers 30

„Und sie werden ihre reichen Schätze den Kindern Efraim, meinen Dienern, bringen.“ 

Dieser Vers ist zentral, da er sowohl die Sammlung Israels als heilsgeschichtliches Ereignis als auch die Verantwortung Ephraims für das Werk des Herrn in den Letzten Tagen hervorhebt. Die „reichen Schätze“ sind dabei vielschichtig zu verstehen: materiell, geistig und symbolisch. Materiell können sie Ressourcen oder materielle Unterstützung sein; geistig stehen sie für Wahrheiten, Schriften, prophetische Lehren und Erfahrungen, die die verlorenen Stämme während ihrer Abwesenheit bewahrt haben. Symbolisch können sie als geistliche Gaben, Talente und Zeugnisse verstanden werden, die Ephraim unterstützen, Zion in seiner Reinheit und Heiligkeit aufzurichten (vgl. Jesaja 60:5–9). 

Die Beziehung zwischen den verlorenen Stämmen und Ephraim zeigt die Kooperation im Sammelwerk: Ephraim trägt die Führungsrolle, nicht aus Machtstreben, sondern als vom Herrn berufene Diener. Sie empfangen die Schätze, verwalten sie treu und helfen, das Werk der Sammlung Israels zu organisieren. Dies macht deutlich, dass Gottes Plan kollaborativ und generationenübergreifend ist – jeder trägt Verantwortung und Gaben ein, die gemeinsam zum Aufbau Zions eingesetzt werden. 

Für uns heute bedeutet dies: Auch wenn die physischen Ereignisse von Eis- und Landveränderung oder die Rückkehr der Stämme noch in der Zukunft liegen, bereiten wir Ephraim bereits jetzt geistig und organisatorisch auf diese Fülle vor. Missionarische Arbeit, Gemeinschaftspflege, persönliche Heiligung und die Annahme geistiger Schätze aus der ganzen Welt sind Wege, wie wir heute Teil dieses großen Werkes sein können. Jeder Beitrag, jede Entscheidung für Rechtschaffenheit und Mitwirkung stärkt die Grundlage, auf der die Sammlung Israels ruhen wird. 

Die Verse zeigen auch die aktive Macht Gottes über die gesamte Schöpfung: Wasser, Eis, Straßen in der Tiefe – alles wird seinen Zwecken untergeordnet. Dies unterstreicht ein weiteres Prinzip: Gott bereitet den Weg, aber wir müssen bereit sein, ihn zu gehen und die Gaben anzunehmen, die er bereithält. Die prophetische Vision verdeutlicht die Verbindung von göttlichem Eingreifen und menschlicher Verantwortung: Ohne die Bereitschaft Ephraims und der Gläubigen würden die Schätze der verlorenen Stämme ungenutzt bleiben. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Versgruppe eindrucksvoll die kosmische Dimension der Wiederkunft Christi, die Sammlung Israels und die Verantwortung Ephraims in den Letzten Tagen darstellt. Sie fordert uns auf, heilig, wachsam und aktiv mitzuarbeiten, damit das Werk Gottes in Fülle entfaltet werden kann. Auch heute sind wir bereits Teil dieser Vorbereitung und dürfen mit Hoffnung, Verantwortung und Tatkraft auf das große Werk hinarbeiten, das vor uns liegt. 

👉  Wie können wir heute als „Kinder Ephraims“ sowohl persönlich als auch gemeinschaftlich dafür sorgen, dass Zion bereit ist, die von Gott bereiteten Gaben und Schätze der kommenden Generationen Israels würdig zu empfangen und in seinem Werk zu nutzen? 

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Montag, 17. November 2025

Zieht aus Babylon aus

 

Auszug aus Babylon
(Bild: Quelle)

“Zieht aus Babylon aus. Seid rein, die ihr die Gefäße des Herrn tragt.” (Lehre und Bündnisse 133:5). 

Lehre und Bündnisse 133 

Der Abschnitt 133 trägt den Titel „Offenbarung, gegeben durch Joseph Smith, den Propheten, am 3. November 1831 zu Hiram, Ohio.“ Im historischen Umfeld war dieser Offenbarung besondere Bedeutung zugedacht: Sie sollte als Anhang zu den bis dahin zusammengestellten Offenbarungen dienen und später als nummerierter Abschnitt in die Sammlung aufgenommen werden. (Vgl. History of Joseph Smith – Vorwort). 

In der Versstruktur gliedert sich der Abschnitt in thematische Abschnitte, und ist in Versgruppen mit verschiedenen Themen untergliedert: die Verse 1–6 richten sich besonders an die Gläubigen, mit dem Gebot, sich auf das Zweite Kommen vorzubereiten; Verse 7–16 rufen dazu auf, aus Babylon zu fliehen usw. Diese Gliederung ist nützlich, um den inneren Aufbau und Schwerpunkt der Offenbarung zu verstehen. 

Historischer Kontext und Rahmenbedingungen 

Bereits am 1. November 1831 versammelte sich Joseph Smith mit führenden Ältesten in Hiram (Ohio) zu einem Konferenztreffen, um die bisher empfangenen Offenbarungen zu ordnen und über deren Veröffentlichung zu beraten. Die Kirche Jesu Christi+2josephsmithpapers.org+2 In dieser Konferenz wurde beschlossen, dass Oliver Cowdery die gesammelten Offenbarungen nach Independence (Missouri) bringen solle, um dort den Druck vorzubereiten, während Joseph Smith die Texte passend ordnen sollte. (vgl. Doctrine and Covenants Student ManualDie Kirche Jesu Christi 

Während dieser Zusammenkunft – zwischen Morgen- und Nachmittagssitzung – wurde Abschnitt 1 als „Vorwort“ zu Lehre und Bündnisse offenbart. Kurz darauf, am 3. November 1831, «befragte ich den Herrn und empfing die folgende wichtige Offenbarung» (so Joseph Smith in seiner Geschichte). Abschnitt 133 wurde zunächst in den Entwürfen als „Appendix“ bezeichnet, bevor er in späteren Ausgaben als nummerierter Abschnitt aufgenommen wurde. Die Kirche Jesu Christi+3josephsmithpapers.org+3Die Kirche Jesu Christi+3 

Interessanterweise weisen Manuskriptquellen darauf hin, dass an mancher Stelle als Diktierdatum auch der 2. November angegeben ist, später aber ein Schreiber die Datumsangabe auf den 3. November änderte. josephsmithpapers.org Es ist typisch für frühe Offenbarungen, dass solche geringfügigen Varianten existieren – im Rahmen der Überlieferung, Abschriften und Redaktion. 

Manche Kommentatoren, etwa John A. Widtsoe, haben betont, dass dieser Anhang (Abschnitt 133) eine Ergänzung des Vorwortes (Abschnitt 1) darstellt: Er fasst zentrale Themen der Offenbarungen in komprimierter und ergänzender Weise zusammen, um das Gesamtbild der Sammlung stärker und klarer zu betonen. Die Kirche Jesu Christi 

Wichtig ist auch die Tatsache, dass Abschnitt 133 nicht ursprünglich im Book of Commandments veröffentlicht wurde – wahrscheinlich, weil der Druck dieses Buches durch Feindlichkeit (z. B. Mob-Angriff in Jackson County, Missouri) gestört wurde. Deshalb blieb der Anhang zunächst ungedruckt und wurde erst mit der Ausgabe der Lehre und Bündnisse in späteren Jahren aufgenommen. josephsmithpapers.org+1 

Durch diesen Rahmen ist deutlich: Abschnitt 133 war von Anfang an als zusammenfassende Mahnung und als thematischer Abschluss der Offenbarungen vorgesehen, was seine Stellung als Anhang und später als nummerierter Abschnitt erklärt. Die Kirche Jesu Christi+1 

Auslegung und Bedeutung der Verse 1–6 in Verbindung mit der Historie 

In den ersten sechs Versen richtet der Herr einen feierlichen Aufruf an sein Volk. Er betont, dass sein Kommen plötzlich und mit Gericht über alle Gottlosen geschehen wird und dass seine Macht und Errettung für alle Nationen offenbart werden. Angesichts dieser bevorstehenden Ereignisse fordert Er die Gläubigen auf, sich ernsthaft vorzubereiten: Sie sollen sich heiligen, sich im Land Zion versammeln und geistig wie äußerlich bereitmachen. Gleichzeitig ruft er sie auf, sich von „Babylon“ – also von weltlicher Schlechtigkeit und geistiger Verwirrung – zu trennen und in Reinheit zu leben, da sie Träger heiliger Verantwortung sind. Schließlich sollen sie ihre Versammlungen ordnen, häufig geistige Gemeinschaft pflegen und den Namen des Herrn beständig anrufen. Diese Verse bilden den Auftakt der Offenbarung und rufen die Heiligen dazu auf, aktiv und gemeinschaftlich der Wiederkunft Christi entgegenzusehen. 

Diese Verse wirken also nicht abstrakt: sie rufen zu konkreten Maßnahmen auf – Vorbereitung, Sammlung, Loslösung von ungerechten Machtstrukturen, Gemeinschaftsleben –, und sie verankern diese Handlungsimpulse im Blick auf das kommende Wirken Gottes in Macht und Herrlichkeit. 

Historisch gesehen war die Kirche in den frühen 1830er Jahren in einer Situation des Wachstums, der Orientierungssuche und der Mission. Viele Gläubige fragten nach dem „wie“ der Verkündigung des Evangeliums und der Sammlung der Heiligen – Joseph selbst sagte, dass es „zu dieser Zeit vieles gab, was die Ältesten … wissen wollten“ (im Vorwort zu Abschnitt 133). Diese Offenbarung kam also als Antwort auf konkrete Fragen der Gemeindeleitung, als geistiger Kompass. Die Kirche Jesu Christi+2josephsmithpapers.org+2 

Der Ruf „macht euch bereit, heiligt euch“ war im Kontext der frühen Missionsarbeit bedeutsam: Die Pioniere standen oft vor großen Herausforderungen, politischen Widerständen, materiellen Entbehrungen. Die Mahnung zur Heiligung war ein geistiger Auftrag, der über bloßen Aktivismus hinausging, und stellte sicher, dass das prophetische Wirken nicht zu äußerer Expansion ohne innere Tiefe wurde. 

Zugleich reflektiert der universale Ton – das Zeigen des göttlichen Arms für alle Nationen – die ambitionierte Vision, dass das Evangelium nicht nur lokalen Charakter hat, sondern global sein soll (siehe auch Jesaja 52:10). Diese Perspektive zieht sich durch den gesamten Abschnitt 133 weiter – aber in den Versen 1–6 ist sie schon angelegt als Fundament: Vorbereitung für das Kommen, Loslösung von weltlichen Bindungen, gemeinschaftliche Heiligung. 

Ein weiterer interessanter Punkt: In manchen Kommentaren (z. B. auf Doctrine and Covenants Central) wird darauf hingewiesen, dass die Prophezeiung des plötzlichen Kommens und der Bezug auf „Tempel“ eine Mehrfacherfüllung haben kann (so etwa Tempelweihen in späteren Generationen) und nicht rein auf ein einziges klimaktisches Ereignis zielt – einen einzelnen Höhepunkt. Doctrine and Covenants Central Damit steht die Offenbarung im Einklang mit dem Gesamtbewusstsein der Scheiber, dass göttliche Worte oft mehrschichtig wirken. 

Somit bilden die Verse 1–6 eine Art Einleitungsmotivation: sie legen den geistigen Boden für die weiteren Abschnitte, durch die Gott sich vermehrt offenbaren will – über Flucht aus Babylon, Sammlung Israels, Sendung des Evangeliums, Gericht und letztendliche Errettung. 

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Samstag, 15. November 2025

Das sind die ewigen Leben

 

(Bild: Quelle)

„Das sind die ewigen Leben: den allein weisen und wahren Gott zu erkennen, und Jesus Christus, den er gesandt hat. Ich bin es. Empfangt darum mein Gesetz.“ (Lehre und Bündnisse 132:24

Lehre und Bündnisse 132:21–66 

Verse 21–25Der enge Weg und der Weg zu den Toden 
In diesen Versen beschreibt der Herr den Gegensatz zwischen dem schmalen Weg, der zur Erhöhung führt, und dem breiten Weg, der „zu den Toden“ führt. Vers 24 definiert das ewige Leben mit den Worten: „Das sind die ewigen Leben: den allein weisen und wahren Gott zu erkennen, und Jesus Christus, den er gesandt hat. Ich bin es. Empfangt darum mein Gesetz.“ Dies greift Johannes 17:3 auf und betont, dass ewiges Leben ein Bundesverhältnis mit dem Vater und dem Sohn ist, das durch Gehorsam gegenüber göttlichem Gesetz möglich wird. Der „enge Weg“ (V. 22) steht für die bewusste Annahme dieses Gesetzes, das zur Erhöhung führt. 

In Vers 25 heißt es: „Weit ist die Pforte und breit der Weg, der zu den Toden führt …“ Der Ausdruck „zu den Toden“ verweist auf den zweiten Tod, also die endgültige Trennung von Gott (vgl. Alma 12:16–172 Nephi 9:10–12Offenbarung 20:14–15). Gemeint ist nicht bloß ein moralischer Abweg, sondern das bewusste Ablehnen des Bundeswegs: „… weil sie mich nicht empfangen und sich auch nicht an mein Gesetz halten.“ Wer Christus und den neuen und immerwährenden Bund nicht annimmt, kann nicht in seine Herrlichkeit eingehen (vgl. V. 21). Der schmale Weg hingegen führt zur Erkenntnis Gottes, zur Siegelung durch sein Priestertum und zur Erhöhung. 

Verse 26–27: Das Gesetz hinsichtlich der Lästerung gegen den Heiligen Geist 
Die Verse 26–27 thematisieren die schwerwiegenden Konsequenzen für diejenigen, die den neuen und immerwährenden Bund verletzen. Selbst wenn keine Tötung unschuldigen Blutes erfolgt, können Übertretungen oder Lästerungen nach Empfang des Bundes zu physischen Prüfungen und zum Ausschluss aus der höchsten Herrlichkeit führen (V. 26). Die Lästerung gegen den Heiligen Geist wird als unverzeihliche Sünde bezeichnet (V. 27), ähnlich wie in Matthäus 12:31–32, wo Jesus sagt, dass jede Sünde vergeben werden kann, außer der Lästerung gegen den Geist. Diese Verse machen deutlich, dass der neue und immerwährende Bund heilig ist und der Empfang seiner Segnungen Verpflichtungen zur Treue voraussetzt. 

Verse 28–39: Verheißungen an Abraham, die Patriarchen und ihre Erhöhung 
Hier erweitert die Offenbarung den Blick auf die Heilsgeschichte. Abraham, Isaak, Jakob, David, Salomo und andere Propheten erhielten Verheißungen ewiger Vermehrung und Erhöhung, wenn sie sich an Gottes Gebote hielten (V. 28–39). Abraham empfing alles durch Offenbarung und Gebot (V. 29), und seine Nachkommen sollten sowohl in der Welt als auch außerhalb der Welt fortbestehen (V. 30). Die Praxis der Mehrehe wird biblisch verankert: Abraham, Isaak und Jakob blieben rechtschaffen, weil sie Gottes Anweisungen befolgten (V. 36–37). David, Salomo und Mose hatten viele Frauen und Nebenfrauen, und ihre Sünden lagen nur in Fällen, in denen sie Gottes Gebot übertraten, wie bei Urija (V. 38–39). Dies verweist auf Genesis 172 Samuel 11 und die Abraham-Verheißung in Abraham 2:9–11, wobei die Offenbarung betont, dass die Erhöhung nur durch göttliche Anweisung und geordnete Bündnisse erlangt werden kann. 

Verse 40–47: Joseph Smiths Macht auf Erden und im Himmel 
Diese Verse übertragen Joseph Smith die Schlüssel des Priestertums, wodurch er die Macht erhält, auf Erden und im Himmel zu binden und zu lösen (V. 46–47). Diese Autorität spiegelt die neutestamentliche Verheißung an Petrus wider (Matthäus 16:1918:18). Die Offenbarung hebt hervor, dass Joseph befähigt ist, den neuen und immerwährenden Bund zu ordnen und die wiederhergestellten Schlüssel zu verwenden, um sowohl Segnungen als auch Bindungen in Übereinstimmung mit Gottes Willen zu sprechen. 

Verse 48–50: Der Herr siegelt Josephs Erhöhung 
Hier wird Josephs Treue und göttliche Unterstützung unterstrichen. Alles, was er in göttlicher Autorität ordnet, wird im Himmel Bestand haben (V. 46–47), und der Herr bereitet ihm einen Thron neben Abraham (V. 49). Josephs Treue führt also zu ewiger Herrlichkeit, ähnlich wie Abraham durch Gehorsam in seine Erhöhung einging (vgl. V. 29). Diese Lehre entspricht dem biblischen Prinzip, dass Gott Treue belohnt (vgl. Matthäus 25:21Offenbarung 3:21Hebräer 11:8–10). 

Verse 51–57: Emma Smith wird geraten, gläubig und treu zu sein 
Emma wird angewiesen, treu zu sein und Josephs Berufung zu unterstützen (V. 51, 54). Sie soll die Frauen akzeptieren, die Gott Joseph gegeben hat, und dabei die Prüfungen erkennen, die ihre Rolle als Zeugin und Unterstützerin mit sich bringt (V. 52–57). Dieses Prinzip erinnert an Saras und Abrahams Prüfung in Genesis 18, wo Glauben und Gehorsam zentrale Rollen spielen. 

Verse 58–66: Die Gesetze bezüglich der Mehrehe 
Der abschließende Abschnitt legt die Bedingungen der Mehrehe dar. Männer dürfen mehrere Frauen haben, sofern die erste zustimmt und alle nach göttlichem Gesetz empfangen werden (V. 61–62). Ehebruch führt zur Vernichtung, wenn die Bedingungen des Gesetzes verletzt werden (V. 63). Diese Regeln sind als Wiederherstellung der patriarchalen Ordnung gedacht und stehen im Einklang mit der Abraham-Verheißung (V. 65). Der Abschnitt betont, dass die Macht der Schlüssel des Priestertums notwendig ist, um diese Gesetze gültig auszuführen (V. 64–65). Vers 66 schließt mit dem Hinweis, dass noch weitere Offenbarungen folgen werden, wodurch Gottes Plan vollständig, aber gestaffelt offenbart wird. 

Zusammenfassend verdeutlicht L&B 132:21–66, dass der neue und immerwährende Bund die höchste Form der göttlichen Verheißung darstellt. Die Offenbarung zeigt, dass Erhöhung und ewiges Leben nicht automatisch, sondern nur durch Treue zu Christus, Einhaltung göttlicher Gebote, Empfang der Bündnisse und ordnungsgemäße Verwendung der Priestertumsschlüssel erlangt werden. Parallelen zu Matthäus 7:13–14Johannes 17:3Genesis 172 Nephi 31 und Abraham 2:9–11 verdeutlichen, dass diese Prinzipien sowohl im Alten als auch im Neuen Bund sowie in der Wiederherstellungszeit Gültigkeit haben. 

Die zentrale Botschaft ist, dass ewiges Leben darin besteht, Gott und Jesus Christus zu erkennen und ihr Gesetz zu empfangen, während die Einhaltung der Bündnisse und die Treue auf dem schmalen Weg zu voller Erhöhung und göttlicher Herrlichkeit führen. 

👉  Wenn ewiges Leben bedeutet, Gott und Jesus Christus in ihrer Fülle zu erkennen, wie sehr bin ich bereit, mich dem schmalen Weg des neuen und immerwährenden Bundes zu verpflichten und die damit verbundenen Gebote in meinem Leben vollständig anzunehmen? 

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Freitag, 14. November 2025

Was den neuen und immerwährenden Bund betrifft

 

Familie für ewig
(Bild: Quelle)

„Und was den neuen und immerwährenden Bund betrifft, so wurde er für die Fülle meiner Herrlichkeit festgelegt; und wer eine Fülle davon empfängt, muss und wird sich an das Gesetz halten, sonst wird er verdammt sein, spricht Gott, der Herr.“ (Lehre und Bündnisse 132:6

Historischer Kontext und Entstehung von L&B 132 

Die Offenbarung in L&B 132 wurde am 12. Juli 1843 in Nauvoo, Illinois, durch Joseph Smith diktiert und aufgezeichnet und behandelt vor allem die Themen des neuen und immerwährenden Bundes, der ewigen Ehe und der Mehrehe. (vgl. Joseph Smith Papers: Revelation, 12 July 1843josephsmithpapers.org 

Obwohl die Offenbarung offiziell 1843 niedergeschrieben wurde, deuten historische Hinweise darauf hin, dass Joseph Smith schon früher – vermutlich ab etwa 1831 – mit Gedanken und Prinzipien in Bezug auf Mehrfachehen und ewige Bindungen befasst war. Einige Dinge, wie eine mehrteilige Ehezeremonie, sollen bereits 1842 diktiert worden sein. josephsmithpapers.org+1 

Der unmittelbare Anlass der schriftlichen Fixierung war offenbar, Emma Smith – Josephs Frau – behutsam mit der Lehre der Mehrehe vertraut zu machen. Sein Bruder Hyrum bat Joseph, die Offenbarung aufzuschreiben und Emma vorzulegen, um Klarheit und Frieden zu schaffen. Doch Emma reagierte zunächst heftig und mit Ablehnung. Dieser sehr persönliche Kontext prägt die Offenbarung in vielen Passagen. Doctrine and Covenants Central+2Doctrine and Covenants Central+2 

Darüber hinaus war die Offenbarung eingebettet in Josephs gesamtes Anliegen, die „Wiederherstellung aller Dinge“ zu vollziehen – also dass alle Prinzipien, Bündnisse und Ordnungen, die einst in der biblischen Urzeit galten, in der letzten Zeit erneut gegeben würden. L&B 132 beansprucht, etliche dieser uralten Prinzipien in ihrer vollen Tiefe neu zu offenbaren (vgl. L&B 132:40–45Doctrine and Covenants Central+2churchofjesuschrist.org+2 

Die Offenbarung wurde später in die kanonische Sammlung der Lehre und Bündnisse aufgenommen und bildet heute eine der kontroversesten, aber auch zentralsten Schriftstellen im Verständnis der Ehe, Bündnisse und Erhöhung in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (vgl. z. B. Doctrine and Covenants Student Manual, Abschnitt 132) churchofjesuschrist.org 

Analyse und Auslegung von L&B 132:1–20 

Die Verse 1–20 legen die theologische Grundlage für den „neuen und immerwährenden Bund“ und hebt die Bedeutung des richtigen Ordnungsprinzips, der Ewigen Ehe und der korrekten Autorität hervor. 

Vers 1–6: Einführung in den neuen und immerwährenden Bund 

Gott spricht zu Joseph, weil Joseph erbeten hatte, zu verstehen, wie Abraham, Isaak, Jakob, Mose, David und Salomo in ihren mehrteiligen Ehen gerechtfertigt wurden (V. 1–2). Der Herr weist Joseph zu, sein Herz zur Aufnahme dieser Weisungen zu bereiten (V. 3). In V. 4–6 legt der Herr klar: Dieser Bund ist neu und doch von Ewigkeit her festgesetzt. Ein Versprechen wird wiederholt, dass diejenigen, die diesen Bund begehren, ihn halten müssen – andernfalls droht Verdammnis (V. 4–6). 

Diese Verse betonen mehrfach, dass Offenbarung nicht nur ein Wissen ist, sondern Verpflichtung. Der neue Bund ist nicht optional – wer seinen Segen will, muss sich an das zugrundeliegende Gesetz und seine Bedingungen halten (V. 5). Auch im Doctrine and Covenants Student Manual wird hervorgehoben, dass dieses „neue und immerwährende Bündnis“ vor allem die Ehe durch autorisierte, heilige Schlüssel betrifft, oft als „Tempelehe“ verstanden. churchofjesuschrist.org 

Doctrine & Covenants Central erklärt, dass diese Verse den Charakter des Bundes herausstellen: er ist nicht bloß für diese Zeit, sondern für alle Ewigkeit, und ohne Einhaltung entfällt die Gültigkeit. Doctrine and Covenants Central 

Vers 7–14: Bedingungen ewiger Gültigkeit und „Siegelung“ 

In Vers 7 wird definiert, was es bedeutet, dass ein Bund in Kraft bleibt: Alle Bündnisse, Verpflichtungen, Gelöbnisse usw., die nicht „für die Zeit und für alle Ewigkeit“ eingegangen und „durch den Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt“ sind, haben nach dem Tod keine Kraft mehr (V. 7). 

Die Offenbarung betont weiter, dass das Haus Gottes ein Haus der Ordnung sei, nicht der Verwirrung (V. 8). Niemand soll Opfer bringen, die nicht in Gottes Namen und durch sein Wort bestimmt sind (V. 9–12). Und alles Irdische oder weltliche Gesetzwerk, das nicht durch Gott oder sein Wort eingeführt wurde, wird am Ende verworfen und beseitigt (V. 13–14). 

Diese Betonung der göttlichen Autorität (nicht menschlicher Rechtsordnungen) weist darauf hin, dass eine Eheverordnung, um dauerhaft zu sein, in göttlicher Weihe stehen muss. Ein parallel wichtiger Begriff ist hier das „Siegelung“ – das Siegel durch den Heiligen Geist der Verheißung, worauf auch später David A. Bednar und andere Apostel eingegangen sind. Doctrine and Covenants Central+1 

Vers 15–20: Drei Szenarien und das Ziel der göttlichen Erhöhung 

Der Herr legt drei denkbare Szenarien dar: 

  1. Ehe ohne göttliche Autorität (V. 15–17): Wenn eine Ehe nur „für die Zeit“ geschlossen wurde und nicht durch Gottes Wort oder durch das Siegel des Heiligen Geistes, so bleibt sie außerhalb der Welt ungültig, und die Betroffenen werden – wenn sie außerhalb der Welt sind – weder heiraten noch verheiratet werden (sie würden zu Engeln werden) (V. 15–17). 

Diese Engel sind in ihrem erretteten Zustand, jedoch ohne Erhöhung, weil sie sich nicht an das Gesetz gehalten haben (V. 16–17). 

  1. Ehe durch Gottes Wort, aber nicht durch den neuen Bund (V. 18): Wenn jemand eine Frau heiratet und das mit göttlichem Wort, aber nicht im Rahmen des neuen und immerwährenden Bundes und ohne das Siegel, so hat dieser Bund außerhalb der Welt keine Kraft (V. 18). Solch ein Bund kann nicht fortbestehen und führt nicht zur Erhöhung. 
  1. Ehe im neuen Bund, versiegelt und mit göttlicher Autorität (V. 19–20): Wenn ein Mann eine Frau, durch Gottes Wort und durch den neuen und immerwährenden Bund heiratet, und dies durch den Heiligen Geist der Verheißung auf sie gesiegelt ist, dann wird ihnen Verheißung gemacht: sie werden Throne, Reiche, Fürstentümer, Königreiche und Höhen und Tiefen erben und in der Zeit und in alle Ewigkeit in voller Kraft existieren (V. 19). Und schließlich heißt es: „Dann werden sie Götter sein […] dann werden sie vom Immerwährenden zum Immerwährenden sein … dann werden sie über allem sein … Dann werden sie Götter sein, weil sie alle Macht haben …“ (V. 20). 

Hier wird das Ziel des neuen Bundes ganz deutlich: das Streben nach göttlicher Erhöhung, das ewige Fortbestehen und ein unendlicher Fortschritt („vom Immerwährenden zum Immerwährenden“) – mit allmächtiger Stellung im göttlichen Gefüge. 

Doctrine & Covenants Central kommentiert zu diesen Versen, dass sie drei mögliche (unumgängliche) Wege darstellen: keine Rettung (Szenario 1), begrenzte Rettung (Szenario 2), und vollständige Erhöhung (Szenario 3). Doctrine and Covenants Central 

Die Verbindung zur Schrift ist eng: Der Bund in V. 4–6 erinnert an „ewiges Leben durch den Bund“ (vgl. Johannes 17:3), und das Versprechen, „Götter“ zu sein, ruft Parallelen zu Lehre wie „Gotteskindschaft“ (vgl. auch Römer 8:17) wach. 

👉  Wenn es einen Bund gibt, der „für die Fülle meiner Herrlichkeit“ festgelegt wurde – wie groß ist dann die Verpflichtung für den Gläubigen, diesen Bund treu zu halten? Welche Konsequenzen (Segen und Risiko) ergeben sich daraus? 

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