Freitag, 31. Juli 2026

Ich arbeite an einem großen Werk

 

(Bildquelle)

„Da schickte ich Boten zu ihnen und ließ ihnen antworten: „Ich bin mit einem bedeutenden Werke beschäftigt und kann deshalb nicht hinabkommen: das Werk würde sofort stille stehen, wenn ich es unterbräche und zu euch hinunterkäme.” (Nehemia 6:3

Einleitung: Wer war Nehemia? 

Das Buch Nehemia gehört zu den letzten geschichtlichen Büchern des Alten Testaments. Es spielt im 5. Jahrhundert v. Chr., nach der Rückkehr vieler Juden aus dem babylonischen Exil. Nehemia war nicht derselbe Nehemia, der in den Listen der Mauerbauer erwähnt wird, sondern der persische Hofbeamte und Mundschenk des Königs Artaxerxes I. Als Mundschenk genoss er großes Vertrauen am königlichen Hof und hatte Zugang zum Herrscher selbst. 

Als Nehemia erfuhr, dass Jerusalem noch immer in Trümmern lag und seine Mauern zerstört waren, wurde sein Herz tief bewegt. Das Buch beschreibt, wie Gott ihn berief, nach Jerusalem zurückzukehren, die Stadtmauer wieder aufzubauen und zugleich das geistliche Leben des Volkes zu erneuern. Es ist nicht nur ein Bericht über Bauarbeiten, sondern vor allem über Glauben, Führung, Gebet, Mut und Ausdauer. 

Nehemia 1 schildert den Beginn dieser Geschichte. Als Nehemia von der Not Jerusalems hört, reagiert er nicht sofort mit Aktivität, sondern zunächst mit Trauer, Fasten und Gebet. Er bekennt die Sünden Israels, erinnert Gott an seine Verheißungen und bittet um Hilfe. Bevor die Mauer gebaut wird, wird sein Herz vor Gott vorbereitet. Jede geistliche Erneuerung beginnt dort. 

Nehemia 2; 4, 5 und 6 Ein großes Werk 

Nehemia 2 berichtet, wie Gott dem persischen König das Herz öffnete. Nehemia erhielt die Erlaubnis, nach Jerusalem zu reisen, Baumaterial zu beschaffen und die Mauer wieder aufzubauen. 

Doch kaum hatte die Arbeit begonnen, regte sich Widerstand. 

Sanballat, Tobija und ihre Verbündeten verspotteten die Juden. Sie machten sich über ihre Bemühungen lustig. Später wurden aus Spott Drohungen. Danach folgten Einschüchterungen. Schließlich versuchten die Gegner, Nehemia persönlich von seiner Aufgabe abzulenken. 

Dieses Muster begegnet Gottes Volk bis heute. 

Wenn jemand beginnt, dem Herrn ernsthaft nachzufolgen, treten selten sofort die größten Prüfungen auf. Oft beginnt es mit kleinen Ablenkungen, mit Spott oder Zweifeln. Der Feind muss eine Mauer nicht unbedingt zerstören, wenn er die Arbeiter davon überzeugen kann, ihre Werkzeuge niederzulegen. 

Nehemia verstand das. 

Als seine Gegner ihn mehrfach zu Gesprächen einluden, erkannte er ihre Absicht. Sie wollten ihn nicht unterstützen. Sie wollten ihn von seiner Aufgabe weglocken. 

Seine Antwort gehört zu den bemerkenswertesten Aussagen des Buches: 

„Ich arbeite an einem großen Werk und kann nicht hinabkommen.“ 

Er sagte nicht: „Ich habe keine Zeit.“ 

Er sagte nicht: „Vielleicht später.“ 

Er sagte nicht: „Lasst uns einen Kompromiss finden.“ 

Er wusste, was Gott ihm aufgetragen hatte. Darum blieb er bei seiner Aufgabe. 

Geistliche Reife zeigt sich oft nicht darin, wie viele Dinge wir tun, sondern darin, welche Dinge wir bewusst nicht tun. 

Die Strategie der Ablenkung 

Bemerkenswert ist, dass die Gegner Nehemia viermal dieselbe Einladung sandten. Als das nicht funktionierte, versuchten sie es auf andere Weise. 

Manchmal erscheint Versuchung nicht als offene Feindschaft. Manchmal erscheint sie als scheinbar vernünftige Gelegenheit. 

Nicht jede Einladung ist eine Berufung. 

Nicht jede dringende Angelegenheit ist wirklich wichtig. 

Nicht jede offene Tür stammt von Gott. 

Nehemia prüfte die Situation und erkannte die Absicht hinter den Worten. 

Auch wir leben in einer Zeit ständiger Ablenkungen. Nachrichten, soziale Medien, Sorgen, Verpflichtungen, Konflikte und unzählige Stimmen konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit. Vieles davon ist nicht grundsätzlich schlecht. Doch selbst gute Dinge können uns von den besten Dingen abhalten. 

Der Widersacher muss uns nicht unbedingt zum Bösen verführen. Manchmal genügt es, uns beschäftigt zu halten. 

Wenn unser Gebet oberflächlich wird, unser Schriftstudium vernachlässigt wird oder unsere Berufungen nur noch nebenbei erfüllt werden, hat die Ablenkung ihr Ziel erreicht. 

Nehemia erinnert uns daran, dass Gottes Werk Konzentration erfordert. 

Eine bemerkenswerte Handlung: „Den Bausch ausschütteln“ 

Mitten im Bericht begegnen wir einer ungewöhnlichen Szene. 

In Nehemia 5 deckt Nehemia auf, dass einige wohlhabende Juden ihre eigenen Brüder ausnutzten. Nach seiner eindringlichen Mahnung versprachen die Verantwortlichen öffentlich, ihr Verhalten zu ändern. 

Daraufhin heißt es: 

„Ich schüttelte den Bausch meines Gewandes aus ...“ 

Der „Bausch“ war die Falte oder der Umschlag des Obergewandes, der wie eine Tasche benutzt wurde. Nehemia schüttelte diese Falte demonstrativ aus und erklärte sinngemäß: So möge Gott jeden ausschütteln und leer machen, der sein Versprechen bricht. Diese symbolische Handlung war eine öffentliche Bekräftigung des Bundes und eine eindrückliche Warnung vor Untreue. Die versammelte Gemeinde antwortete mit einem „Amen“ und hielt ihr Versprechen tatsächlich ein. 

Nehemia verstand, dass geistliche Erneuerung nicht nur aus Worten besteht. Wahre Umkehr zeigt sich im Handeln. 

Ähnliche Erfahrungen in der Kirchengeschichte 

Ein bemerkenswertes Beispiel für diese Entschlossenheit finden wir im Leben von Wilford Woodruff

Während seiner Mission in England begegnete er wiederholt Widerstand und sogar gewalttätigen Menschenmengen. Dennoch blieb sein Fokus auf dem Auftrag des Herrn gerichtet. In einem Bericht schilderte er, wie er trotz einer feindseligen Menge mehrere Menschen taufte und sich nicht von seinem Auftrag abbringen ließ. 

Wer mehr über sein Leben erfahren möchte, findet eine gute Übersicht auf der offiziellen Seite der Kirche: 

Wilford Woodruff – Kirchengeschichte 

Auch die frühen Pioniere der Kirche kannten diese Erfahrung. Immer wieder begegneten ihnen Widerstände, Vertreibungen und Entmutigungen. Dennoch richteten viele ihren Blick auf den Auftrag Gottes statt auf die Hindernisse vor ihnen. 

Praktische Anwendung 

Die Frage des Textes lautet nicht nur: „Welche Gegner hatte Nehemia?“ 

Die wichtigere Frage lautet: 

Welche Ablenkungen versuchen heute, mich von meinem geistlichen Auftrag wegzuziehen? 

Vielleicht sind es Sorgen. 

Vielleicht berufliche Ziele. 

Vielleicht Bequemlichkeit. 

Vielleicht der ständige Strom von Informationen, der kaum Raum für Stille lässt. 

Jeder Jünger Christi hat eine Mauer zu bauen. 

Für Eltern kann dies die geistliche Führung ihrer Familie sein. 

Für Jugendliche das Festhalten an ihren Bündnissen. 

Für Missionare die Verkündigung des Evangeliums. 

Für jeden von uns die tägliche Nachfolge Jesu Christi. 

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Widerstand kommt. 

Die entscheidende Frage ist, ob wir trotz Widerstand weiterbauen. 

Vielleicht müssen auch wir manchmal sagen: 

„Ich arbeite an einem großen Werk und kann nicht hinabkommen.“ 

Persönliches Zeugnis 

Mich bewegt an Nehemia besonders seine Klarheit. Er wusste, wem er diente. Er wusste, warum er dort war. Und er wusste, dass nicht jede Stimme seine Aufmerksamkeit verdiente. 

Ich glaube, dass Gott jedem von uns Aufgaben anvertraut hat, die größer sind, als wir oft erkennen. Der Herr führt sein Werk auch heute voran. Er sucht keine vollkommenen Menschen, sondern treue Menschen, die bereit sind, trotz Widerstand weiterzugehen. 

Ich weiß, dass Jesus Christus lebt. Ich weiß, dass Gott Gebete erhört, Herzen stärkt und uns die Kraft gibt, unseren Auftrag zu erfüllen. Wenn wir unseren Blick auf ihn richten, können wir lernen, zwischen dem Wichtigen und dem Dringenden zu unterscheiden. Dann werden wir wie Nehemia standhaft bleiben und mit Zuversicht sagen können: 

„Ich arbeite an einem großen Werk und kann nicht hinabkommen.“ 

Im Namen Jesu Christi. Amen.

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