Donnerstag, 3. April 2025

Es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben

 

(Bild: KI-generiert)

“Und weiter, wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn die tausend Jahre zu Ende sind und die Menschen wieder anfangen, ihren Gott zu leugnen, dann werde ich die Erde nur eine kurze Zeit lang verschonen, 23 und das Ende wird kommen, und der Himmel und die Erde werden verzehrt werden und vergehen, und es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben.” (Lehre und Bündnisse 29:22-23). 

  • Während des tausendjährigen Reiches herrscht Jesus Christus selbst auf der Erde, und Satan ist für diese Zeit gebunden, sodass er die Menschen nicht verführen kann. In dieser Zeit gibt es keine Übeltat, weil die Erde in Frieden lebt, die Rechtschaffenen regieren und die Erkenntnis Gottes überall verbreitet ist. Die Menschen werden weiterhin nach ihrem eigenen freien Willen handeln, aber ohne Satans Einfluss sind sie nicht den gleichen Versuchungen und Verführungen ausgesetzt wie in der gefallenen Welt zuvor. 
     
    Am Ende des tausendjährigen Reiches wird jedoch Satan wieder für eine kurze Zeit losgebunden. Das bedeutet, dass er wieder die Möglichkeit bekommt, die Menschen zu täuschen und sie dazu zu bringen, Gott zu leugnen. Einige werden sich erneut gegen Gott entscheiden, weil sie sich von Satans Einflüsterungen verführen lassen und bewusst die Dunkelheit anstatt das Licht wählen. Dadurch wird offenbar, wer wahrhaftig rechtschaffen ist und wer nur in der Gerechtigkeit gelebt hat, weil es keine Versuchung gab. Dieses letzte Aufbegehren der Schlechten führt schließlich zum endgültigen Gericht und zur Erneuerung von Himmel und Erde. 

Lehre und Bündnisse 29:22-28  

Im Gegensatz zu den schrecklichen Ereignissen, die in den Versen 15-21 beschrieben werden, beschreibt der Herr in den nächsten Versen die Erneuerung aller Dinge. Am Ende des Jahrtausends, wenn die Menschen erneut beginnen, Gott zu leugnen, wird die Erde nur noch für eine kurze Zeit verschont. Danach kommt das endgültige Ende der Welt, wie wir sie kennen. Himmel und Erde werden vergehen und in einem gewaltigen Wandel verzehrt werden. Doch dies ist nicht das Ende der Schöpfung, sondern der Beginn von etwas Neuem: Ein neuer Himmel und eine neue Erde werden erschaffen, in denen alles Alte vergeht und alles erneuert wird. Diese Erneuerung umfasst die gesamte Schöpfung, das gesamte Ökosystem – Menschen, Tiere, Vögel, Fische, Pflanzen – die gesamten Werke des Herrn, nichts wird verlorengehen, nicht einmal ein Haar oder ein Staubkorn, denn alles gehört zu Gottes Werk und wird in seinem ewigen Plan erhalten bleiben. 
 
In L&B 88:25-26 erklärt der Herr, dass die Erde selbst einem höheren, celestialen Gesetz *) folgt, weil sie genau das Maß ihrer Erschaffung erfüllt und nicht gegen das göttliche Gesetz verstößt. Das bedeutet, dass die Erde einen heiligen Zweck hat und in Übereinstimmung mit Gottes Willen existiert. Obwohl sie „sterben“ wird – was sich auf ihre Umwandlung am Ende der Welt bezieht –, wird sie wieder belebt und in neuer Herrlichkeit existieren. In diesem erneuerten Zustand wird sie von den Rechtschaffenen ererbt, die darauf in einem celestialen Zustand leben werden. Die Erde wird also selbst erhöht und geheiligt, um ein ewiges Heim für diejenigen zu werden, die für das celestialen Reich würdig sind. 

*) Das celestiale Gesetz ist das höchste göttliche Gesetz und regelt das Leben im celestialen Reich, der höchsten Herrlichkeit im Himmel. Es erfordert vollkommene Übereinstimmung mit Gottes Willen, absolute Treue zu seinen Bündnissen, Reinheit und Heiligkeit sowie eine Lebensweise, die von selbstloser Liebe und Opferbereitschaft geprägt ist. Wer in das celestiale Reich eingehen will, muss bereit sein, dieses Gesetz schon im Erdenleben anzunehmen und danach zu handeln. 

Auch die Erde selbst hält sich an dieses Gesetz, indem sie das Maß ihrer Erschaffung erfüllt und Gottes Willen nicht übertritt. Deshalb wird sie am Ende der Zeiten geheiligt und in einen celestialen Zustand erhoben, damit sie ein ewiges Zuhause für die Rechtschaffenen sein kann. So wie in L&B 88:25-26 erklärt wird, wird die Erde zwar sterben, aber wieder belebt und in der Macht Gottes weiterbestehen. Sie wird schließlich in einen Zustand celestialer Herrlichkeit verwandelt, in dem nichts mehr verloren geht – nicht einmal ein Haar oder ein Staubkorn. 

Bevor die Erde vergeht, werden noch bedeutende Ereignisse stattfinden. Michael, der Erzengel (auf Erden als Adam bekannt), wird seine Posaune ertönen lassen, was die Auferstehung aller Toten einläutet. Die Gräber werden sich öffnen, und sowohl die Rechtschaffenen als auch die Schlechten werden aus dem Tod hervorkommen. 

Dann wird die große Scheidung stattfinden: Die Rechtschaffenen werden zu Jesus Christus auf seine rechte Seite gesammelt und empfangen das ewige Leben. Die Schlechten hingegen werden auf seine linke Seite gestellt. Christus wird sich ihrer schämen und sie nicht vor dem Vater als die Seinen anerkennen. 

Schließlich wird er zu ihnen sagen: "Hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das immerwährende Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist." Das bedeutet, dass diejenigen, die sich bewusst gegen Gott entschieden haben, aus seiner Gegenwart ausgeschlossen und dem Zustand des ewigen Leidens überlassen werden. 

Wichtige Lehren für unser eigenes Handeln 

Zunächst zeigt uns Vers 22, dass der Glaube der Menschen nicht automatisch erhalten bleibt – selbst nach einer langen Zeit der Rechtschaffenheit, wie im tausendjährigen Reich, können Menschen beginnen, Gott zu leugnen. Das erinnert uns daran, dass unsere Nachfolge Christi eine bewusste, kontinuierliche Entscheidung ist. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass günstige Umstände oder äußere Einflüsse unseren Glauben dauerhaft bewahren. Stattdessen müssen wir uns selbst bemühen, unsere Beziehung zu Gott aktiv zu stärken, indem wir beten, die Schriften studieren und nach seinen Geboten leben. 

In Vers 23–25 erfahren wir, dass diese Erde vergänglich ist, aber in einer verherrlichten Form neu erschaffen wird. Das zeigt uns, dass alles, was wir in dieser sterblichen Welt kennen, irgendwann vergeht, und dass wir daher nicht an materiellen Dingen hängen sollten. Stattdessen sollten wir uns auf das konzentrieren, was ewigen Wert hat – unsere Beziehung zu Gott, unsere Familie und unsere geistige Entwicklung. 

Vers 26–28 lehrt uns schließlich, dass am Tag des Gerichts jeder Mensch für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird. Die Rechtschaffenen werden von Christus als seine eigenen anerkannt, während diejenigen, die ihn ablehnen, von ihm getrennt werden. Diese Lehre ruft uns auf, heute nach rechtschaffenem Handeln zu streben. Wir sollten täglich so leben, dass unser Glaube an Christus sich in unseren Taten zeigt – in Liebe, Barmherzigkeit und Gehorsam gegenüber Gott. 

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Mittwoch, 2. April 2025

Die Stunde ist nahe, und der Tag steht bald bevor

 

(Bild: KI-generiert)

“Denn die Stunde ist nahe, und der Tag steht bald bevor, da die Erde reif ist, und alle Stolzen und jene, die Schlechtes tun, werden wie Stoppeln sein, und ich werde sie verbrennen, spricht der Herr der Heerscharen, sodass es keine Schlechtigkeit auf Erden geben wird;” (Lehre und Bündnisse 29:9). 

  • Die Aussage „Die Stunde ist nahe, und der Tag steht bald bevor“ in L&B 29:9 ist nicht in einem menschlichen, sondern in einem göttlichen Zeitrahmen zu verstehen. In den heiligen Schriften wird oft betont, dass Gottes Zeitrechnung sich von der menschlichen unterscheidet (2. Petrus 3:8). 
     
    Hier kündigt der Herr das Zweite Kommen an und betont, dass es näher ist, als die Menschen vielleicht denken. Für diejenigen, die in Unglauben oder Sorglosigkeit leben, mag es noch fern erscheinen, doch aus göttlicher Sicht rückt der Zeitpunkt unausweichlich näher. Der Ausdruck soll die Gläubigen wachrütteln und sie darauf hinweisen, dass sie sich jederzeit auf das Kommen des Herrn vorbereiten sollen. 
     
    Diese Formulierung ähnelt anderen Aussagen in den Schriften, wo der Herr betont, dass sein Kommen „plötzlich“ (LuB 45:26, Maleachi 3:1) und „wie ein Dieb in der Nacht“ (1. Thessalonicher 5:2) geschehen wird. Daher sollen sich die Gläubigen jederzeit bereitmachen, weil der genaue Zeitpunkt unbekannt bleibt. 

Lehre und Bündnisse 29:9-13 

In den Versen 9–13 offenbart der Herr den sieben versammelten frühen Führern der wiederhergestellten Kirche zentrale Wahrheiten über die bevorstehenden Ereignisse der Endzeit und das Zweite Kommen Christi. Er kündigt an, dass der Tag nahe sei, an dem die Erde reif für das Gericht werde. Die Stolzen und Schlechten würden wie Stroh verbrannt werden, sodass keine Schlechtigkeit mehr auf der Erde existiere (REINIGUNG DER ERDE). Dies entspricht alttestamentlichen Prophezeiungen, etwa aus Maleachi 4:1, in denen das Gericht des Herrn mit Feuer beschrieben wird. 

Neu für die Anwesenden ist die konkrete Offenbarung, dass sich die biblischen Vorhersagen bald erfüllen würden und dass der Herr sich vom Himmel her offenbaren werde, um tausend Jahre lang in Rechtschaffenheit auf der Erde zu wohnen. Zudem offenbart er, dass seine Apostel, die ihn während seines irdischen Wirkens begleiteten, am Tag seines Kommens an seiner rechten Seite stehen und das Haus Israel richten würden. Diese Lehre erweitert die biblische Verheißung aus Matthäus 19:28, in der Christus den Zwölf zusagt, dass sie auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten würden. 

Ebenfalls neu ist die detaillierte Beschreibung der Auferstehung der Rechtschaffenen, die beim Klang der Posaune hervorkommen und mit Christus eins sein werden. Während die Bibel bereits von der Auferstehung der Toten spricht (z. B. 1. Thessalonicher 4:16, 1. Korinther 15:52), erweitert die Offenbarung diese Vorstellung durch das Bild der Gläubigen, die gekrönt und in Herrlichkeit Christus gleich sein werden. Damit erhalten die versammelten Führer eine tiefere Einsicht in die Reihenfolge und den Ablauf der Ereignisse, die mit dem Zweiten Kommen verbunden sind. 

Sowohl das Buch Mormon als auch Lehre und Bündnisse betonen die besondere Bedeutung der zwölf Apostel, die mit Jesus Christus in Jerusalem und Umgebung dienten. Bereits in der ersten Vision Lehis sieht er den Erretter vom Himmel herabkommen, gefolgt von zwölf anderen, deren Helligkeit die der Sterne übertraf (1 Nephi 1:9-10). Später wird Nephi in einer Vision gezeigt, wie diese Apostel gemeinsam mit dem Herrn dienen (1 Nephi 11:29). Er sieht auch, dass sich die Schlechten gegen die zwölf Apostel des Lammes erheben (1 Nephi 11:34–35). Außerdem lehrt Nephi, dass die zwölf Apostel von Jerusalem das gesamte Haus Israel richten werden, während zwölf von den Nephiten Berufene speziell für deren Nachkommen zuständig sein werden (1 Nephi 12:9–10; Mormon 3:17–19). 

Christus selbst lehrte die zwölf Apostel in Jerusalem, dass sie bei seinem Zweiten Kommen auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten würden (Matthäus 19:28). Eine Offenbarung an Joseph Smith ergänzt diese Hierarchie, indem sie offenbart, dass die Apostel unter der Leitung von Michael (Adam) dienen werden, der die Schlüssel des Heils besitzt und Jesus Christus untersteht (LuB 78:16). 

Präsident John Taylor erklärte dazu, dass die göttliche Ordnung des Richtens mit Jesus Christus als oberstem Hohepriester und König beginnt. Ihm folgen die zwölf Apostel, die er in Jerusalem berufen hat, dann die zwölf Jünger auf dem amerikanischen Kontinent, die unter der Leitung der Jerusalemer Apostel stehen. Diese Hierarchie wird auch durch Petrus, Jakobus und Johannes repräsentiert, die als Führung der Zwölf Apostel anerkannt sind. Sie besaßen zuerst auf der Erde und dann im Himmel die Schlüssel des Priestertums und übertrugen sie auf Joseph Smith und Oliver Cowdery. 

Weiterhin lehrte Präsident Taylor, dass auch die Heiligen am endgültigen Gericht beteiligt sein werden. Christus steht an der Spitze, gefolgt von seinen Aposteln und Jüngern. Dann folgen die Heiligen und andere Träger des Priestertums, die die Welt richten werden. Diese vereinte Priestertumshierarchie wird über das Schicksal der Menschheit entscheiden und alle Angelegenheiten in Gerechtigkeit beurteilen. 

Lehre und Bündnisse 29:14-21 

Hier offenbart der Herr ein dramatisches Szenario der letzten Tage, das mit großen kosmischen und irdischen Zeichen einhergeht. Vor seinem Zweiten Kommen wird es gewaltige Zeichen am Himmel geben: Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond wird blutrot erscheinen, Sterne werden vom Himmel fallen und es wird noch größere Zeichen geben, sowohl im Himmel als auch auf der Erde. Diese Zeichen werden die Menschen in Angst und Verzweiflung versetzen. 

Darüber hinaus wird es katastrophale Naturereignisse geben, darunter einen großen Hagelsturm, der die Ernten vernichten wird. Diese Drangsale kommen als Folge der Schlechtigkeit der Menschen, weil sie nicht umkehren wollen. Der Herr erklärt, dass er aufgrund der Bosheit der Welt Vergeltung üben wird, da die Menschen sein Sühnopfer ablehnen. 

Die Strafen werden schwer sein: Fliegen werden über die Erde gesandt, die die Menschen befallen und ihr Fleisch verzehren. Maden werden sie befallen, ihre Zungen werden verstummen, sodass sie nicht gegen den Herrn lästern können. Ihr Fleisch wird von den Knochen fallen, ihre Augen aus den Höhlen. Wilde Tiere und Vögel werden sich über die sterblichen Überreste hermachen. 

Schließlich prophezeit der Herr den endgültigen Untergang der „großen und gräuelreichen Kirche“ (Die große und gräuelreiche Kirche), die als die Hure der ganzen Erde bezeichnet wird. Sie wird durch ein verzehrendes Feuer vernichtet werden, so wie es bereits durch den Propheten Ezechiel (38 und 39) geweissagt wurde. Der Herr bekräftigt, dass diese Ereignisse gewiss eintreten werden, weil Gräuel und Bosheit nicht dauerhaft herrschen dürfen. 

Diese Verse beschreiben eine Zeit des göttlichen Gerichts, in der das Böse bestraft und die Erde für das Zweite Kommen Jesu Christi gereinigt wird. 

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Dienstag, 1. April 2025

Was auch immer ihr im Glauben erbittet

 

(Bild: Quelle)

“Und, wie es geschrieben steht: Was auch immer ihr im Glauben erbittet, einig im Gebet gemäß meinem Gebot, das werdet ihr empfangen.” (Lehre und Bündnisse 29:6). 

Die sechs Ältesten und Joseph Smith waren zu dieser Zeit mit der Lehre des Evangeliums und der Übersetzung der Bibel beschäftigt. Laut John Whitmer hatten sie unterschiedliche Ansichten über den Tod Adams und seine Übertretung, was sie dazu veranlasste, sich im Gebet an den Herrn zu wenden. 

Einfluss auf diese Diskussion hatte wahrscheinlich auch Joseph Smiths Arbeit an der inspirierten Bibelübersetzung, die er 1830 begann. Bis September 1830 hatte er vermutlich bereits die ersten Kapitel von Genesis überarbeitet, die später als Mose 1–4 im Buch Mose (Köstliche Perle) enthalten sind. Diese Kapitel enthalten ebenfalls Details über die Schöpfung, den Fall und Satans Rolle, was direkt mit den Themen in L&B 29 zusammenhängt.  

Diese Offenbarung behandelte nicht nur ihre unmittelbaren Fragen, sondern gab auch tiefere Einblicke in die Schöpfung, den Fall, die Rolle des Satans und die Bedingungen der Umkehr. Sie betonte die geistige Natur von Gottes Geboten und hob hervor, dass alle Dinge zuerst geistig erschaffen wurden. Zudem wurde die Bedeutung der Entscheidungsfreiheit und der Notwendigkeit von Versuchungen für das Wachstum und die Entwicklung des Menschen erläutert. Die Offenbarung diente dazu, die Anwesenden in ihrer Lehre zu einen und ein tieferes Verständnis zentraler Evangeliumsthemen zu vermitteln. 

Lehre und Bündnisse 29:1-8 

Der Herr beginnt die Offenbarung in L&B 29:1-2 mit einer eindringlichen Einladung an die Anwesenden, auf seine Stimme zu hören. Die Einladung des Herrn an die sieben Männer, auf seine Stimme zu hören, hatte in ihrer Situation eine tiefgehende Bedeutung. Sie waren in eine Debatte über verschiedene Evangeliumsthemen vertieft, insbesondere über die Natur von Adams Fall und dessen Auswirkungen. Da ihre Meinungen auseinander gingen, suchten sie im Gebet nach göttlicher Führung. Indem der Herr sie aufforderte, auf seine Stimme zu hören, machte er deutlich, dass wahre Erkenntnis nicht allein durch menschliche Diskussion entsteht, sondern durch Offenbarung von ihm. 

Für die sieben bedeutete diese Einladung, demütig zu sein und ihre eigenen Vorstellungen zurückzustellen, um die Wahrheit direkt von Gott zu empfangen. Sie sollten seine Worte als höchste und endgültige Autorität anerkennen, anstatt sich auf persönliche oder traditionelle Interpretationen zu stützen. Zudem war es eine Aufforderung, Einheit zu entwickeln, da sie als Führer der jungen Kirche gemeinsam das Evangelium lehren und verkünden sollten. Gleichzeitig bereitete der Herr sie geistig auf kommende Ereignisse vor, insbesondere auf die Sammlung der Auserwählten und das bevorstehende göttliche Gericht über die Schlechten. 

Die Offenbarung selbst zeigt, dass der Herr ihre Diskussion nicht nur beantwortete, sondern ihnen auch eine weit größere Perspektive eröffnete – von der Erschaffung der Welt über den Sündenfall bis hin zu den letzten Tagen und dem zweiten Kommen Christi. Dadurch wurde deutlich, dass auf die Stimme des Herrn zu hören bedeutet, sich seiner Führung zu unterstellen und seine Sichtweise anzunehmen, die über den begrenzten menschlichen Verstand hinausgeht. 

Dann stellt sich Jesus Christus, als der Erlöser und das „Große Ich Bin“ *), vor und erinnert sie daran, dass sein Arm der Barmherzigkeit für ihre Sünden gesühnt hat. Anschließend verspricht er, sein Volk zu sammeln, ähnlich wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt. Diese Sammlung gilt allen, die auf seine Stimme hören, sich vor ihm demütigen und ihn im Gebet anrufen. Mit dieser Einleitung bereitet der Herr die Gläubigen darauf vor, weitere Offenbarungen über Sammlung, Umkehr, Gericht und das bevorstehende Zweite Kommen zu empfangen. 

*) Der Name „der Große Ich Bin“ hat seinen Ursprung in der hebräischen Bibel, insbesondere in 2. Mose 3:14, als Gott sich Mose im brennenden Dornbusch offenbart. Auf die Frage, wie Mose den Israeliten seinen Namen nennen solle, antwortet Gott mit den Worten: „Ich bin, der ich bin“ (hebräisch: Ehjeh Ascher Ehjeh). Diese Selbstoffenbarung drückt aus, dass Gott ewig, unveränderlich und selbstexistent ist. Der Ausdruck „Ich bin“ ist eng mit dem hebräischen Gottesnamen JHWH (Jehova oder Jahwe) verbunden und verdeutlicht Gottes Allgegenwart und Allmacht. 

Auch im Neuen Testament wird dieser Name aufgegriffen. Besonders in Johannes 8:58 sagt Jesus: „Ehe Abraham war, bin ich.“ Damit bezieht er sich direkt auf den Gottesnamen aus 2. Mose und macht deutlich, dass er nicht nur ein Prophet ist, sondern Jehova selbst – der ewige Gott, der von Anfang an existiert. 

In L&B 29:1 bezeichnet sich Christus als „der Große Ich Bin“, um seine göttliche Identität als Jehova, der Erlöser der Welt, zu bekräftigen. Diese Bezeichnung erinnert die frühen Heiligen daran, dass er die höchste Autorität und Quelle aller Wahrheit ist. Indem er sich als „Ich Bin“ offenbart, unterstreicht Christus seine Rolle als Schöpfer, Richter und Erlöser, der über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herrscht. Seine Worte verdeutlichen, dass er die Macht hat, sein Volk zu führen, zu sammeln und zu erlösen. 

In L&B 29:3-8 lässt der Herr die Anwesenden wissen, dass ihnen zu dieser Zeit ihre Sünden vergeben sind, aber ermahnt sie gleichzeitig, nicht mehr zu sündigen, damit sie nicht in Gefahr geraten. Er erinnert sie daran, dass sie aus der Welt erwählt wurden, um sein Evangelium mit Freude und mit einer Stimme wie eine Posaune zu verkünden. 

Er fordert sie auf, ihre Herzen zu erheben und froh zu sein, denn er ist mitten unter ihnen und tritt als ihr Fürsprecher beim Vater ein. Der Herr versichert ihnen, dass es der Wille des Vaters ist, ihnen sein Reich zu geben. Er verspricht ihnen zudem, dass alles, was sie im Glauben und in Einigkeit im Gebet erbitten, gemäß seinem Gebot empfangen werden wird. 

Darüber hinaus ruft er sie dazu auf, bei der Sammlung seiner Auserwählten mitzuwirken. Diese Auserwählten, so erklärt er, erkennen seine Stimme und verhärten ihr Herz nicht. Deshalb hat der Vater beschlossen, sie an einem bestimmten Ort zu sammeln, damit sie sich darauf vorbereiten können, dem Tag entgegenzutreten, an dem Drangsal und Verwüstung über die Schlechten kommen werden. 

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Montag, 31. März 2025

So wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt

 

(Bild: Quelle)

“Hört auf die Stimme Jesu Christi, eures Erlösers, des Großen Ich Bin, dessen Arm der Barmherzigkeit für eure Sünden gesühnt hat, 2 der sein Volk sammeln wird, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, ja, alle, die auf meine Stimme hören und sich vor mir demütigen und mich in mächtigem Gebet anrufen.” (Lehrte und Bündnisse 29:1-2). 

Historischer Hintergrund 

Lehre und Bündnisse 29 wurde im September 1830 von Joseph Smith empfangen. Der einzige direkte historische Hinweis auf diese Offenbarung stammt von Kirchenhistoriker John Whitmer, der aufzeichnete, dass sie „sechs Ältesten der Kirche und drei Mitgliedern“ gegeben wurde. Diese kleine Gruppe glaubte, dass gemäß den heiligen Schriften die Zeit gekommen sei, in der das Volk Gottes „Auge in Auge“ sehen sollte *). Allerdings gab es unter ihnen unterschiedliche Ansichten über den Tod und die Übertretung Adams. Daher beteten sie gemeinsam darüber und wandten sich an den Herrn, woraufhin Joseph Smith die Offenbarung empfing. 

*) Im geistlichen Zusammenhang drückt der Ausdruck "Auge in Auge sehen" oft ein tiefes Maß an Einheit und Klarheit aus. Es geht darum, dass Menschen eine gemeinsame Sichtweise entwickeln, insbesondere in Bezug auf göttliche Wahrheiten und geistliche Erkenntnisse. Es impliziert eine klare und ehrliche Kommunikation oder Erkenntnis, frei von Missverständnissen, und oft ein Gefühl der Nähe und Verbundenheit – sei es mit Gott oder miteinander. 

In der religiösen Tradition wird es manchmal auch verwendet, um den Moment zu beschreiben, in dem man Gott direkt begegnet oder eine direkte, unverstellte Offenbarung erhält. Es ist also eine Metapher für eine tiefe geistliche Erfahrung und Harmonie. 

Es wird vermutet, dass die sechs Ältesten von Joseph Smiths Arbeit an der Bibelübersetzung beeinflusst wurden. Dieses Übersetzungsprojekt begann im Juni 1830 und dauerte über den Sommer hinweg an. Bereits am 8. Oktober 1829, während das Buch Mormon noch im Druck war, hatten Joseph Smith und Oliver Cowdery eine große Cooperstown-Bibel für 3,75 US-Dollar (je nach Berechnungsmethode heute etwa 100 bis 120 US-Dollar) von E. B. Grandin gekauft. Sie beschrifteten das Innencover mit „Das Buch der Juden und die Prophezeiung von…“, was auf ihr Interesse an einer vertieften Auslegung der Bibel hindeutet. 

Hinweise auf eine neue Übersetzungsarbeit finden sich auch in Offenbarungen aus dem Juli 1830. In L&B 24:5 wurde Joseph angewiesen, „die Dinge zu schreiben, die ihm vom Tröster gegeben werden, und alle Schriften für die Kirche auszulegen“. In L&B 25:6 wurde Emma Smith aufgerufen, Joseph als Schreiberin zu unterstützen, wenn Oliver Cowdery abwesend war. Diese Anweisungen deuten darauf hin, dass Joseph bald eine neue Übersetzungsarbeit begann, ähnlich seiner Arbeit an der Übersetzung des Buches Mormon. 

Im Sommer und Herbst 1830 begann Joseph Smith mit der Übersetzung der Bibel. Er verstand diese Arbeit nicht als bloße Übersetzung, sondern als inspirierte Revision, bei der verlorene Texte durch Offenbarung wiederhergestellt wurden. Neben grammatikalischen und sprachlichen Änderungen enthielt seine Arbeit auch theologische Erweiterungen und Klärungen. Besonders das Buch Genesis erfuhr umfassende Änderungen. Insgesamt fügte Joseph bis zum Abschluss des ersten Übersetzungszyklus im Jahr 1833 über 3.000 Verse hinzu, darunter neue Phrasen, Verse und ganze Kapitel. 

Fast zwei Drittel der Abschnitte in Lehre und Bündnisse wurden zwischen Juni 1831 und Juli 1833 offenbart, als die erste Übersetzungsphase abgeschlossen wurde. L&B 29 ist die früheste Offenbarung, die direkt mit diesem Übersetzungsprojekt verknüpft zu sein scheint. Weitere Offenbarungen mit direkter Verbindung zur Bibelübersetzung sind unter anderem die Abschnitte 37, 45, 73, 76, 77, 86, 91 und 132. 

Obwohl es keine präzisen Aufzeichnungen gibt, ist es wahrscheinlich, dass Joseph bis September 1830 bereits Genesis 1–3 übersetzt hatte, was heute als Mose 1–4 im kanonisierten Schriftenbestand bekannt ist (Köstliche Perle). John Whitmer vermerkte, dass die Ältesten über die Übertretung Adams diskutierten, was Anlass für ihr Gebet und die nachfolgende Offenbarung war. Interessanterweise behandeln sowohl Mose 1–4 als auch L&B 29 Themen wie die geistige und physische Schöpfung der Erde, die Rebellion Satans, den himmlischen Krieg und den Sündenfall Adams und Evas. 

Robert J. Matthews (Religionspädagoge und -wissenschaftler der Kirche; er lehrte an der Brigham-Young-Universität (BYU) in Provo, Utah) betonte die enge Verbindung zwischen Lehre und Bündnisse und der Bibelübersetzung durch Joseph Smith. Diese beiden Werke seien nicht als voneinander getrennt zu betrachten, sondern vielmehr miteinander verwoben. Um L&B 29 vollständig zu verstehen, sollte es daher gemeinsam mit Mose 1–4 gelesen werden. (Siehe hier). 

Eine Zusammenfassung von L&B 29 

L&B 29:1–50 ist eine Offenbarung Jesu Christi an die frühen Heiligen in den letzten Tagen. Christus ruft sie auf, seine Stimme zu hören und sich demütig unter seinen Schutz zu begeben, so wie eine Henne ihre Küken sammelt. Er vergibt ihnen ihre Sünden und beauftragt sie, sein Evangelium mit Freude zu verkünden. Sie sind auserwählt, die Sammlung der Heiligen vorzubereiten, um sich auf kommende Drangsale und die Reinigung der Erde vorzubereiten. 

Die Offenbarung enthält bedeutende prophetische Aussagen über die bevorstehende Zerstörung der Schlechten, die Wiederkunft Christi und das Tausendjährige Friedensreich. Christus kündigt an, dass er mit Macht und Herrlichkeit auf die Erde zurückkehren wird, begleitet von seinen Aposteln, die das Haus Israel richten werden. Die Toten, die in Christus gestorben sind, werden auferstehen und mit ihm vereint sein. Vor seiner Ankunft werden kosmische Zeichen auftreten: die Sonne wird sich verfinstern, der Mond sich in Blut verwandeln und ein großer Hagelsturm wird die Erde heimsuchen. Die Schlechten werden durch Gottes Vergeltung gerichtet, während die große und gräuelreiche Kirche durch Feuer zerstört wird. 

Nach dem Millennium wird Satan wieder losgelassen, und es wird eine letzte Rebellion geben, bevor Himmel und Erde erneuert werden. Alle Menschen, Tiere und die gesamte Schöpfung werden in einem neuen Zustand wiederhergestellt. Michael, der Erzengel, wird die Posaune erklingen lassen und alle Toten werden auferstehen. Die Rechtschaffenen werden zu ewigem Leben erhoben, während die Schlechten von der Gegenwart Gottes verbannt werden. 

Die Offenbarung erklärt auch die geistige Natur aller Gebote Gottes und betont, dass das Gesetz bereits Adam gegeben wurde. Der Fall Adams wird als notwendiges Ereignis dargestellt, das es den Menschen ermöglicht, zwischen Gut und Böse zu wählen. Adam wurde aus Gottes Gegenwart verbannt und erlebte den geistigen Tod, doch durch Christus wurde ihm und seinen Nachkommen die Möglichkeit zur Umkehr und Erlösung gegeben. Kleine Kinder sind von Geburt an durch Christus erlöst und nicht der Macht Satans unterworfen. Abschließend lehrt Christus, dass jeder, der Erkenntnis hat, zur Umkehr aufgefordert wurde, während jene ohne Verständnis in Gottes Hand bleiben. 

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Samstag, 29. März 2025

Dass der Satan ihn täuscht

 

Oliver spricht unter vier Augen liebevoll mit Hiram (Screeshot) 
(Bild: Quelle)

“Und weiter sollst du dir deinen Bruder Hiram Page nehmen, zwischen ihm und dir allein, und ihm sagen, dass all jenes, was er von jenem Stein geschrieben hat, nicht von mir ist und dass der Satan ihn täuscht;” (Lehre und Bündnisse 28:11). 

Lehre und Bündnisse 28:11-16 

In den Versen 11–16 erhält Oliver Cowdery weitere spezifische Aufträge vom Herrn. Zunächst soll er sich privat mit Hiram Page unter vier Augen treffen und ihm klar machen, dass die angeblichen Offenbarungen, die er durch seinen Stein empfangen hat, nicht von Gott stammen, sondern eine Täuschung Satans sind. Der Herr betont, dass Hiram Page keine göttliche Vollmacht erhalten hat, solche Offenbarungen zu empfangen, und dass niemand in der Kirche Anweisungen erhalten wird, die den bestehenden Bündnissen widersprechen *)

Weiterhin wird Oliver daran erinnert, dass in der Kirche alles geordnet und durch allgemeine Zustimmung erfolgen muss – insbesondere durch das Gebet des Glaubens. Bevor er zu den Lamaniten aufbricht, soll er helfen, diese Unstimmigkeit innerhalb der Kirche in Einklang mit den Bündnissen zu klären. 

Der Herr verspricht Oliver auch, dass er während seiner Missionsreise fortlaufend göttliche Eingebungen erhalten wird, die ihm zeigen, was er tun soll. Abschließend erhält er die Anweisung, das Evangelium stets mit Freude und Überzeugung zu verkünden und seinen Mund nicht zu verschließen. 

*) Hiram Pages unautorisierte Offenbarungen betrafen im Wesentlichen zwei Offenbarungen in Bezug auf den Aufbau Zions und die Ordnung der Kirche. Er behauptete, Botschaften erhalten zu haben, die darlegen sollten, wie die Kirche strukturiert und aufgebaut werden müsse – eine Darstellung, die direkt im Widerspruch zu den von Joseph Smith empfangenen und festgelegten Offenbarungen stand. 

Hiram Page nutzte einen Seherstein, um Offenbarungen zu empfangen, die er fälschlicherweise als autoritativ für die gesamte Kirche darstellte. Dabei ging es nicht nur darum, persönliche Eingebungen zu haben, sondern den Eindruck zu erwecken, dass seine mit dem Stein gewonnenen Botschaften dieselbe göttliche Autorität besaßen wie jene, die ausschließlich vom Propheten Joseph Smith empfangen wurden. Indem er versuchte, diese unautorisierte Offenbarung als verbindlich darzulegen, stellte er den etablierten göttlichen Ordnungsprozess in Frage und verursachte so eine spezifische Täuschung, die in direktem Widerspruch zu der festgelegten Kirchenstruktur stand. 

Insgesamt betonen diese Verse die göttliche Ordnung der Offenbarung in der Kirche: Der Herr offenbart seinen Willen für die gesamte Kirche durch den Propheten, während andere Führer, wie Oliver Cowdery, Offenbarung für ihren eigenen Aufgabenbereich empfangen können, aber nicht für die gesamte Kirche. 

M. Russell Ballard, Amtieren der Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, hat gemahnt: „Richten Sie die Augen fest auf die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel. Wir werden Sie nicht in die Irre führen – wir können es gar nicht! … Wenn Ihnen jemand sagt, er habe eine Offenbarung erhalten, welche die Erste Präsidentschaft und die Zwölf nicht erhalten haben: Nehmen Sie Reiß aus!“ 

Wie helfe ich jemandem Fehler zu erkennen? 

Aus dem Beispiel, wie Oliver Cowdery mit Hiram Page umgehen soll, lernen wir wichtige Prinzipien darüber, wie man jemanden auf einen Fehler aufmerksam machen sollte. Erstens betont der Herr, dass Oliver unter vier Augen mit Hiram sprechen soll. Dies zeigt, dass Korrektur zunächst diskret und respektvoll erfolgen sollte, um die Würde der betreffenden Person zu wahren und unnötige Demütigung zu vermeiden. 

Zweitens wird Oliver angewiesen, Hiram direkt, aber klar zu sagen, dass seine Offenbarungen nicht von Gott stammen und dass er getäuscht wurde. Dies zeigt, dass es wichtig ist, Wahrheit in Liebe zu vermitteln – ohne Beschönigung, aber auch ohne verletzende oder anklagende Worte. 

Drittens erinnert der Herr daran, dass alles in der Kirche geordnet und nach göttlichen Prinzipien geschehen muss. Dies bedeutet, dass Korrektur nicht aus persönlichem Stolz oder Ärger erfolgen sollte, sondern im Einklang mit den göttlichen Maßstäben und zum Wohl der Gemeinschaft. 

Schließlich erhält Oliver die Aufgabe, zur Einigkeit beizutragen, bevor er seine Missionsreise antritt. Dies zeigt, dass es nicht nur darum geht, Fehler aufzuzeigen, sondern auch aktiv daran zu arbeiten, Harmonie und Verständnis wiederherzustellen. Wir sollten also nicht nur kritisieren, sondern auch helfen, dass der Betroffene seinen Fehler erkennt und sich verbessern kann. 

Täuschungsversuche Satans erkennen 

Aus diesem Beispiel lernen wir wertvolle Lehren darüber, wie Satan versucht, uns mit Täuschungen von der Wahrheit abzubringen, und wie wir uns davor schützen können. 

Erstens: Täuschungen können selbst aufrichtig gläubige Menschen treffen. Hiram Page war ein treuer Anhänger des Evangeliums, aber er wurde durch eine falsche Quelle irregeführt. Dies zeigt, dass gute Absichten allein nicht ausreichen, um uns vor Irrtümern zu bewahren – wir müssen die richtige Quelle der Wahrheit suchen

Zweitens: Satan vermischt oft Wahrheit mit Irrtum, um seine Täuschungen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Hiram Page glaubte, echte Offenbarungen zu empfangen, doch diese widersprachen dem, was Gott bereits offenbart hatte. Wir lernen daraus, dass wir jede Lehre und jede Inspiration mit den Schriften und den lebenden Propheten vergleichen müssen, um sicherzugehen, dass sie wirklich von Gott kommt. 

Drittens: Wahre Offenbarung kommt durch die von Gott berufenen Diener. Der Herr stellt klar, dass niemand Offenbarungen für die gesamte Kirche empfangen kann außer dem Propheten. Wenn jemand behauptet, neue Wahrheiten zu haben, die im Widerspruch zu den von Gott berufenen Führern stehen, sollten wir wachsam sein und die Quelle dieser Behauptungen prüfen. 

Viertens: Täuschung kann Unruhe und Spaltung verursachen. Hiram Pages falsche Offenbarungen führten zu Verwirrung unter den Mitgliedern. Dies zeigt, dass eine der Strategien Satans darin besteht, Uneinigkeit zu säen und Menschen gegeneinander aufzubringen. Wenn wir merken, dass eine Lehre Streit, Zweifel oder Stolz fördert, sollten wir vorsichtig sein. 

Fünftens: Der beste Schutz gegen Täuschung ist eine enge Verbindung mit dem Herrn. Der Herr wies Oliver Cowdery an, durch den Tröster zu sprechen und sich an die göttliche Ordnung zu halten. Das lehrt uns, dass der Heilige Geist unser wichtigster Schutz ist – wenn wir in Harmonie mit ihm leben, wird er uns helfen, Wahrheit von Irrtum zu unterscheiden. 

Zusammenfassend zeigt dieses Beispiel, dass Satan uns von der Wahrheit abbringen kann, wenn wir nicht wachsam sind. Doch wenn wir uns an die rechtmäßigen Führer der Kirche halten, jede Lehre mit den Schriften und dem Geist der Offenbarung prüfen und dem Heiligen Geist folgen, können wir verhindern, dass wir getäuscht werden. 

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Freitag, 28. März 2025

Du sollst das, was ich ihm gebe, befolgen, ja, gleichwie Aaron

 

Mose beruft Aaron zum geistlichen Dienst 
(Bild: Quelle)

“Und du sollst das, was ich ihm gebe, befolgen, ja, gleichwie Aaron, und der Kirche getreulich die Gebote und die Offenbarungen mit Macht und Vollmacht verkünden.” (Lehre und Bündnisse 28:3). 

Lehre und Bündnisse 28:1-7 

In den Versen 1–7 gibt der Herr Oliver Cowdery wichtige Anweisungen bezüglich seiner Rolle in der Kirche und der Ordnung der Offenbarung. Oliver wird bestätigt, dass er die Autorität hat, die Kirche in Bezug auf Offenbarungen und Gebote zu lehren, die der Herr bereits gegeben hat, sofern er dies durch den Tröster tut. Dennoch wird klargestellt, dass nur Joseph Smith als Prophet bestimmt ist, Offenbarungen und Gebote für die gesamte Kirche zu empfangen – vergleichbar mit Mose, der direkte Offenbarungen von Gott empfing. 

Oliver wird angewiesen, das, was der Herr Joseph gibt, treu zu befolgen, ähnlich wie Aaron einst Mose unterstützte *). Seine Aufgabe als “zweiter Ältester” (L&B 20:3) **) ist es, die Gebote und Offenbarungen mit Macht und Vollmacht der Kirche zu verkünden. Wenn er durch den Heiligen Geist dazu inspiriert wird, darf er zur Kirche sprechen oder sie lehren, doch er soll dabei nicht in der Form eines Gebotes schreiben, sondern mit Weisheit handeln. 

*) Aaron unterstützte Mose auf verschiedene Weise, insbesondere als Sprecher und Priester. Ein zentrales Bibelzitat, das Aarons Rolle beschreibt, findet sich in 2. Mose 4:14-16

"14 Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen Mose, und er sagte: „Ist nicht dein Bruder Aaron da, der Levit? Ich weiß, dass der trefflich zu reden versteht; auch ist er schon im Begriff, dir entgegenzugehen, und wenn er dich sieht, wird er sich herzlich freuen.15 Dann sollst du dich mit ihm besprechen und ihm die Worte in den Mund legen; ich aber will mit deinem und mit seinem Munde sein und euch vorgeben, was ihr zu tun habt. 16 Er soll also für dich zum Volk reden und zwar so, dass er für dich der Mund ist und du für ihn an Gottes statt bist. " 

Hier wird deutlich, dass Aaron Mose als Sprecher unterstützte, weil Mose sich selbst als ungeeignet für diese Aufgabe empfand. Später wurde Aaron als Hohepriester eingesetzt (2. Mose 28:1), wodurch er eine zentrale priesterliche Rolle in Israel einnahm, während Mose weiterhin der Prophet und Führer des Volkes blieb. 

**) Als „zweiter Ältester“ wurde Oliver Cowdery in der frühen Organisation der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als der rangnächste Führer nach Joseph Smith – dem „ersten Ältesten“ – eingesetzt. Diese Stellung bedeutete, dass Cowdery in der Hierarchie der Kirche eine sehr hohe und wesentliche Verantwortung trug, vor allem als Stellvertreter und enger Mitarbeiter des Propheten. Er war maßgeblich an der Übersetzung und Veröffentlichung der Offenbarungen beteiligt und unterstützte Smith in der Verwaltung und Führung der Kirche. Gleichzeitig wurde damit aber auch festgelegt, dass nur Joseph Smith, als oberste Autorität, Offenbarungen für die gesamte Kirche empfangen durfte, während Cowdery vor allem im persönlichen und lokalen Bereich tätig war. Kurz gesagt, zeigt seine Berufung als „zweiter Ältester“ sowohl seine zentrale Rolle in der Frühzeit der Kirche als auch die klare hierarchische Struktur, die die ausschließliche Rolle des Propheten bei der Leitung und Offenbarungsannahme betont. 

Weiterhin wird betont, dass Oliver, Joseph Smith nicht gebieten darf, da dieser als Haupt über die Kirche eingesetzt wurde. Joseph allein wurden die Schlüssel der Geheimnisse *) und versiegelten Offenbarungen anvertraut, und nur Gott selbst kann bestimmen, wann und an wen diese weitergegeben werden. Diese Anweisungen stellen die göttliche Ordnung der Offenbarung klar: Der Prophet empfängt Weisung für die Kirche als Ganzes, während andere Führer Offenbarung für ihren eigenen Aufgabenbereich empfangen können. 

*) Die „Schlüssel der Geheimnisse“ beziehen sich auf göttliche Vollmacht und Erkenntnisse, die von Gott an Propheten und Führer seiner Kirche weitergegeben werden. In L&B 28:7 wird Joseph Smith als derjenige bezeichnet, dem diese Schlüssel anvertraut wurden, was bedeutet, dass er die göttliche Autorität besitzt, verborgene Wahrheiten zu empfangen und sie zu offenbaren, wenn es der Herr bestimmt. 

Laut der Definition im Schriftenführer der Kirche sind die „Geheimnisse Gottes“ göttliche Wahrheiten, die nur durch Offenbarung empfangen werden können. Sie sind nicht notwendigerweise geheim, sondern werden jenen offenbart, die sich würdig machen und den Heiligen Geist empfangen (1. Korinther 2:9–14). Dazu gehören Erkenntnisse über das Reich Gottes, die Errettung, die wahre Natur Gottes und seine Pläne für die Menschheit. 

Die „Schlüssel“ dieser Geheimnisse bedeuten also, dass Joseph Smith die göttliche Autorität erhielt, Offenbarungen für die gesamte Kirche zu empfangen – insbesondere solche, die zuvor verborgen oder versiegelt waren. Diese Schlüssel beinhalten auch das Recht, bestimmte geistige Segnungen und Verordnungen zu vollziehen, wie in L&B 107:18–19 beschrieben, wo den Trägern des Priestertums die Macht zugesprochen wird, „die Geheimnisse des Himmelreichs zu empfangen“ und in Gottes Gegenwart zu stehen. 

Lehre und Bündnisse 28:8-10 

In den Versen 8–10 erhält Oliver Cowdery vom Herrn eine spezifische Mission und wichtige Anweisungen für seine Tätigkeit. Er wird beauftragt, zu den Lamaniten zu gehen und ihnen das Evangelium zu predigen. Falls sie seine Belehrungen annehmen, soll er unter ihnen die Kirche aufrichten. Dabei wird ihm zugesichert, dass er Offenbarungen erhalten wird, jedoch darf er diese nicht in der Form von Geboten niederschreiben. 

Weiterhin offenbart der Herr, dass der genaue Standort der zukünftigen Stadt Zion zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt ist – kein Mensch weiß ihn, da diese Erkenntnis erst zu einem späteren Zeitpunkt gegeben werden wird. Allerdings wird Oliver mitgeteilt, dass Zion an der Grenze zu den Lamaniten errichtet werden wird. 

Schließlich erhält Oliver die Anweisung, seine Reise erst nach der bevorstehenden Kirchenkonferenz anzutreten. Bei dieser Konferenz wird Joseph Smith durch die Stimme der Anwesenden offiziell als Führer der Kirche bestätigt. Oliver soll sich nach dessen Anweisungen richten und nur das weitergeben, was Joseph ihm sagt. 

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Donnerstag, 27. März 2025

Er empfängt sie gleichwie Mose

 

Der heute lebende Prophet Gottes, Russel M. Nelson
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“Aber siehe, wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Niemand wird bestimmt werden, Gebote und Offenbarungen in dieser Kirche zu empfangen, ausgenommen mein Diener Joseph Smith Jr., denn er empfängt sie gleichwie Mose.” (Lehre und Bündnisse 28:2). 

Die Autorität, Offenbarungen für die gesamte Kirche zu empfangen 

Lehre und Bündnisse 28 entstand in einer Zeit erheblicher Herausforderungen für die junge Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Diese Offenbarung wurde im September 1830 gegeben und diente der Klärung einer fundamentalen Frage: Wer hat die Autorität, Offenbarungen für die gesamte Kirche zu empfangen? 

Die Ereignisse, die zu dieser Offenbarung führten, lassen sich auf zwei miteinander verbundene Konflikte zurückführen. Der erste betraf Oliver Cowdery, einen der engsten Vertrauten Joseph Smiths. Nach der Annahme der Artikel und Bündnisse (heute Lehre und Bündnisse 20) durch die Gemeinde im Juni 1830, schrieb Cowdery an Joseph Smith und forderte eine Änderung eines bestimmten Abschnitts. Er argumentierte, dass die Aussage, ein Taufkandidat müsse „durch seine Werke wahrhaftig manifestieren, dass er die Gabe Christi zur Vergebung seiner Sünden empfangen hat“ (LuB 20:37), entfernt werden sollte, da dies eine Form von Priestertumsherrschaft darstellen könnte. Er befahl Joseph Smith in seinem Brief sogar ausdrücklich, diesen Passus zu ändern. Joseph reagierte darauf mit der Frage, mit welcher Autorität Cowdery eine solche Forderung stellte, und reiste schließlich nach Fayette, um das Problem zu lösen. Nach intensiven Diskussionen mit Oliver Cowdery und Mitgliedern der Whitmer-Familie konnte Joseph sie schließlich überzeugen, die Formulierung beizubehalten. 

Ein noch ernsterer Konflikt entstand wenige Monate später, als Hiram Page, ein Schwager sowohl von Oliver Cowdery als auch der Whitmers und einer der acht Zeugen des Buches Mormon, behauptete, Offenbarungen durch einen Seherstein empfangen zu haben. Diese angeblichen Offenbarungen betrafen unter anderem den Aufbau Zions und die Ordnung der Kirche, widersprachen jedoch sowohl der Bibel als auch früheren Offenbarungen (L&B 28:9). Newel Knight, ein Mitglied der frühen Kirche, berichtete später, dass Hiram Page mit seinen Botschaften eine gewisse Unruhe unter den Mitgliedern gestiftet habe. Besonders Mitglieder der Whitmer-Familie und Oliver Cowdery schenkten diesen Offenbarungen Glauben. 

Joseph Smith war sich der Tragweite dieses Problems bewusst und entschied, die Angelegenheit während einer bevorstehenden Kirchenkonferenz am 1. September 1830 zu klären. Vor der Konferenz suchte er in dieser kritischen Situation den Rat des Herrn und empfing die Offenbarung, die heute als Lehre und Bündnisse 28 bekannt ist. In dieser Offenbarung wurde klar festgelegt, dass nur der Prophet der Kirche, also Joseph Smith selbst, Offenbarungen für die gesamte Kirche empfangen durfte. Oliver Cowdery wurde in der Offenbarung angewiesen, sich an die bestehende Kirchenordnung zu halten und Hiram Page gegenüber zu bezeugen, dass dessen Offenbarungen nicht von Gott kamen. Die enge schwägerliche Verbindung zwischen Oliver und Hiram war bei dieser Aufgabe sicherlich eine Herausforderung für Oliver. 

Diese Episode war ein entscheidender Moment für die junge Kirche. Sie stellte die erste große Führungsherausforderung dar und machte deutlich, dass göttliche Ordnung und Offenbarung über persönliche spirituelle Erfahrungen hinausgehen mussten, um Einheit in der Kirche zu bewahren. Lehre und Bündnisse 28 setzte einen klaren Präzedenzfall für zukünftige Offenbarungen und festigte die Rolle des Propheten als einzig autorisierte Quelle für Offenbarungen, die die gesamte Kirche betrafen. 

Wie sieht es mit Offenbarung für jeden Einzelnen aus? 

Diese Offenbarung schließt jedoch persönliche Offenbarungen für den Einzelnen nicht aus. Lehre und Bündnisse 8:2–3 erklärt, dass der Heilige Geist durch das Herz und den Verstand zu jedem Gläubigen spricht und so individuelle Führung gibt. Ebenso bestätigt Lehre und Bündnisse 9:7–9, dass der Herr den Menschen Weisung gibt, wenn sie sich in Rechtschaffenheit an ihn wenden. Auch in Lehre und Bündnisse 46:7–8 wird betont, dass jedem Gläubigen Geistesgaben zum persönlichen Nutzen gegeben werden. Somit stellt Lehre und Bündnisse 28 lediglich klar, dass persönliche Offenbarungen nur für den eigenen Bereich oder für untergeordnete Verantwortungsbereiche innerhalb der Kirche gelten, während Offenbarungen für die gesamte Kirche ausschließlich durch den Propheten empfangen werden. 

 Präsident Nelson (eine Zusammenfassung): “Offenbarung für die Kirche, Offenbarung für unser Leben 

In seiner Ansprache „Offenbarung für die Kirche, Offenbarung für unser Leben“ betont Präsident Russell M. Nelson die zentrale Rolle der Offenbarung sowohl für die Leitung der gesamten Kirche als auch für die persönliche Führung eines jeden Gläubigen. Er erklärt, dass die Kirche Jesu Christi seit ihrer Wiederherstellung durch göttliche Offenbarung geführt wird und dass diese kontinuierliche Kommunikation mit Gott essenziell für ihre Führung ist. Als Präsident der Kirche empfängt er Offenbarungen für die gesamte Kirche und ermutigt die Mitglieder, sich ebenfalls um persönliche Offenbarung zu bemühen. 

Präsident Nelson hebt hervor, dass der Herr seine Kirche nicht ohne Führung lässt und dass Offenbarung ein kontinuierlicher Prozess ist. Er verweist auf Beispiele aus der Kirchengeschichte und auf aktuelle Entscheidungen, die durch göttliche Eingebung geleitet wurden. Dazu gehört beispielsweise die Einführung des neuen Programms für das Evangeliumsstudium zu Hause und in der Kirche. 

Neben der Offenbarung für die Kirche betont Präsident Nelson die Notwendigkeit persönlicher Offenbarung für jeden Einzelnen. Er lädt alle Mitglieder ein, sich daran zu gewöhnen, Inspiration durch den Heiligen Geist zu empfangen, um in ihrem Leben die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er lehrt, dass persönliche Offenbarung nicht auf spektakuläre Visionen beschränkt ist, sondern oft als sanfte Eingebung oder tiefes Gefühl der Wahrheit kommt. 

Abschließend fordert er die Mitglieder auf, ihr geistiges Gehör zu schärfen, sich würdig zu machen, Offenbarung zu empfangen, und den Heiligen Geist als ständigen Begleiter in ihrem Leben zu haben. Offenbarung sei das Kennzeichen des wiederhergestellten Evangeliums und der Schlüssel, um in einer zunehmend herausfordernden Welt geführt und geschützt zu werden. 

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